Ihre Meinung ist gefragt!
Würden Sie als Anleger auf Zinsen verzichten? Haben sie Erfahrung mit anderen Geschäftsmodellen für Banken? Oder möchten Sie eine Frage an den Autor Caspar Dohmen richten? Hier ist Ihre Meinung gefragt.
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Aus welchem Grunde sollte man Geld bei Banken anlegen, wenn es keine Zinsen gibt? Da investiert man doch besser, wenn man das Geld in Immobilien anlegt. Oder nennen Sie eine Bank, die Geld, unabhängig in welcher Größenordnung, verleiht, ohne Zinsen zu erheben. Es scheint als wär hier jemand auf der Suche, noch einen Rest von Schwachköpfen zu finden, welche tatsächlich bereit wären, ihr Geld hinzulegen, um den Spieltrieb der Banken zu unterstützen und die vorhandenen Banken-Schulden-Löcher zu stopfen.
Monika Lösch antwortenNicht Schwachköpfe, sondern Mitdenker sind angesprochen (nicht “gesucht”).
Ein Darlehen/Kredit in BELIEBIGER Höhe ist rechtlich nicht möglich; es gibt Grenzen, an die Banken sich halten müssen. Sicherheiten sind auf jeden Fall üblich und völlig akzeptabel.
- Die JAK-Bank in Schweden ist eine zinslose Bank.
- Die GLS-Bank in Deutschland hat übliche Konditionen, wirbt aber ausdrücklich für einen teilweisen oder vollständigen Verzicht auf Einlagenzinsen, um Kredite für sozial-ökologische Projekte günstiger machen zu können.
- Das Mietshäuser-Syndikat (Freiburg) unterstützt selbstorganisierte Hausprojekte und wirbt um unverzinste Mitgliedschaft bzw. Direktkredite zu 0 bis 2% Zinsen.
Ob man sich darauf einläßt, hängt immer davon ab, was man mit seinem überflüssigen Geld unterstützen will und ob einen kalt läßt, was die Zinsen beim End-Kreditnehmer bewirken. Eine “Rendite” im Immobilienbereich beispielsweise erhöht auf jeden Fall die Miete über das eigentlich erforderliche Maß hinaus.
Ich stelle mir mal einen Mieter vor, der zur Renditeoptimierung sein Geld in einen Immobilienfonds steckt, in dessen Besitz seine eigene Wohnung ist. Freut sich dieser Mensch als Anleger über die hübsche Rendite, wenn ihm dafür als Mieter die Miete erhöht wird? Wieviel besser ist es, Eltern, Freunde oder Nachbarn in so einem Renditeobjekt zu wissen? Dann doch lieber unbekannte Mieter, oder? (Ende der Ironie)
Ein anderer Aspekt: Ist die Schere zwischen Arm und Reich bloß vom Himmel gefallen?
Georg Nowak antwortenFür JEDE wirtschaftliche Aktivität wird Geld benötigt. Wenn Geld NUR durch Schulden mit Zinsverpflichtung entstehen kann, steigt die gesamte umlaufende plus weggesparte Geldmenge (= Schuldmenge) durch die immer wieder angelegten Zinsen.
Jeder Kindergarten-/Schulneubau, jede Kindergarten-/Schulreparatur steigert das Gesamt-Vermögen in der Gesellschaft genauso wie eine Autoreparatur, das Verbrennen von Kohle und der Krankenhausaufenthalt von Unfallopfern und Asthmakranken. Egal, ob eine geldabhängige Aktivität sinnvoll und erfreulich oder schädlich ist: Der Geldberg wächst durch den Zins. Dies aber nur, solange die Kreditnehmer überhaupt in der Lage sind, Zinsen zu erwirtschaften.
Ohne eine Reform, wie z.B. die von der IWF-Gruppe vorgeschlagene, läuft das Ganze aus der Hand.
Dieses Feature war überfällig. Danke dafür!
Viele wissen gar nicht, daß Geld heutzutage nur durch Schuldaufnahme in die Welt kommt. Inzwischen gilt fast als ein Naturgesetz, Geld müsse von der Bank kommen, die Bank müsse Zinsen dafür bekommen (obwohl sie fast nichts dafür tun muß) und Inflation sei nötig, um der anwachsenden Geldmenge einen ausgleichenden Effekt entgegenzusetzen. Das Dumme ist nur: Um die Zinsen zu erwirtschaften, muß sich irgendjemand verschulden – denn auch Zins ist Geld, und Geld ist Schuld. Wachstum ist oberste Pflicht in diesem Geldsystem. Unendliches Wachstum geht aber prinzipiell nicht! Und am schlimmsten dran sind diejenigen, die gar nicht sparen können.
Ausweg kann auf Dauer nur ein Geldsystem sein, das keine Verpflichtung zu Wachstum enthält. Selbst im IWF kursiert seit ein paar Monaten ein “Arbeitspapier”, das besagt, der Übergang zu einem Vollgeldsystem sei sinnvoll, wo die Geldmenge vom Staat ausgeht und kontrolliert wird. Das liefe dann z.B. so: Dem demokratisch gefaßten Beschluß, auf Erneuerbare Energien überzugehen, folgt auch gleich der Beschluß, das nötige Geld bereitzustellen. Das Geld kreist solange in der Wirtschaft, wie es nötig ist. Sparen ohne Zins ist möglich. Über die weiterhin erforderlichen Steuern wird notfalls die Menge des Geldes vermindert, denn es sollte immer gelten, daß die umlaufende und auf Sparkonten geparkte Geldmenge in etwa der verfügbaren Warenmenge entspricht.
Heutzutage ist es beispielsweise in Deutschland so, daß den rund fünf Billionen Euro Geldvermögen ein BIP von 2,5 Billionen Euro gegenübersteht. Würden alle Sparer innerhalb weniger Tage darauf bestehen, ihr Geld abzuheben, müßte das Bankensystem schon vor Auszahlung von einer Billion passen (mangels Scheinen und Münzen) – das wäre eigentlich schon ein Crash. Dann müßte irgendjemand (notfalls die Banken bei der Zentralbank) Schulden machen, um weiterzahlen zu können – ein Problem der Gelddruckereien. Am Ende gäbe es eine Inflation von 200% zu vermelden (5 gesparte plus 2,5 verdiente Billionen an Geld gegenüber 2,5 Billionen an Waren), und selbst diese Vereinfachung ist noch stark geschönt.
Wer meint, unbedingt auf sein Sparvermögen (= die Schulden anderer) Zinsen nehmen zu müssen, kommt erst dann in den Genuß, auf der Gewinnerseite zu stehen, wenn er/sie über ein Vermögen von – sagen wir – ein paar HUNDERTTAUSEND Euro verfügt. Rechengang: Vermögen mal Sparzinssatz = erhaltene Guthabenzinsen auf der Plusseite, etwa ein Drittel der Warenpreise = gezahlte Schuldzinsen auf der Minusseite.
Selbst die Boston Consulting Group nennt das bestehende Geldsystem inzwischen ein “Ponzi scheme” (Pyramiden- oder Schneeballsystem), sieht aber nur den Staat als Übel an. Die wollen sich ihr Geschäftsmodell auch nicht kaputtmachen.
Quellen, falls sich jemand dafür interessiert:
IWF, Benes und Kumhof: “The Chicago Plan revisited”
BCG, Daniel Stelter: “Ending the Era of Ponzi Finance”
Zur Zeit sind die alternativen Banken, die ungefähr zum Selbstkostenpreis ökologische und soziale und eben nicht unbedingt renditeträchtige Vorhaben finanzieren, das Beste, was möglich ist.
Georg Nowak antwortenDer Beitrag behandelt zentrale Probleme meiner Arbeit im Rahmen der “Stiftung Livländische Gemeinnützige” (www.livlaendische-gemeinnuetzige.org oder http://www.baltic-sea-foundation.org) im Baltikum (Schwerpunkte Estland und Lettland, die beiden Nachfolger des nach dem 1. Weltkrieg unter beiden Ländern aufgeteilten Livland). Die baltische Region gehört seit Jahrhunderten zum deutschsprachigen Kulturkreis. Dennoch wird sie sträflich vernachlässigt. Ich kämpfe bislang recht allein für die Re-Aktivierung der bürgerlichen (finanz-)wirtschaftlichen Selbsthilfe, wie sie dort bis zum 2. Weltkrieg ebenso existierte wie hierzulande noch heute. Der im Beitrag dargestellte Ansatz könnte dort vielleicht eher reüssieren als im Westen, nicht zuletzt, weil die östlichen Reformländer von den Perversionen, die hier auch unter den Genossenschaftsbanken und den Sparkassen-Landesbanken grassieren, wegen ihrer Isolierung ausgespart blieben. Eine Ost-West-Rückkopplung wäre durchaus möglich und wünschenswert. Näheres zu dem, was schon unternommen wurde, siehe die genannte Web-Site.+
Jürgen Lewerenz antwortenDanke für den Bericht. Meine Problemlösung liegt im ethischen Kapitalismus an. Das bedeutet zunächst die Klärung. was wer unter ethischem Kapitalismus versteht und für ihn ethischer Kapitalismus sein kann oder ist. Eigentlich sollte das Geld dem Menschen dienen, uneigentlich dient aber der Mensch dem Geld. Wir lassen es zu, über das Geld definiert zu werden – und so sieht es dann auch aus, in Europa, in der Welt. Würdelos zum reinen Handelobjekt degradiert, wurde das Jobnomadentum eingeführt und die Handelsware Mensch so hin- und hergeschoben. Es gibt keine Arbeit mehr, sondern Jobs: morgens hier, mittags dort, abends da und nachts vielleicht irgendwo auf der Autobahn unterwegs.
Ethischer Kapitalismus dient dem Menschen. Bei einem solchen Geldhaus stellt sich nicht mehr die Frage nach Zinsverzicht. Gudrun Seidl, cenjur
cenjur antwortenspannend finde ich die frage der gründung einer bankakademie, wo nachhaltiges leben neu mit nachhaltigem umgang mit finanzen verbunden wird.
hneuner antwortenden vorgestellten initiativen ist durchhaltevermögen und erfolg zu wünschen. sie werden dringend gebraucht.
es stimmt hoffnungsvoll, dass immer mehr menschen mit erfahrung und knowhow sich nicht resignierend und achselzuckend einrichten, sondern aus sachlichen gründen den mut haben, mainstream und das hohe lied des bisherigen wachstumsdenkens aufzugeben und ihr können wieder sinnvoll investieren.
mehr solche sendungen!
Als Verbraucher ist man immer der Dumme. Geriestert und das Geld versenkt, da haben die Anbieter kräftig verdient.
Als Sparda-Kunde habe ich inzwischen auch lernen müssen, dass da nicht mehr das Wohl der Kunden / Genossen im Fokus steht. Durch Fusionen ist der Laden (Sparda West) so groß geworden, das man wohl auch meint sich wie ein Großer gebärden zu müssen. Da werden Fonds angeboten, die über irgendlwelche fragwürdigen Fondsmanagmentgesellschaften laufen. Habe mir mal ein Fondsangebot angesehen und festgestellt, dass da mindestens 4 Banker/Institutionen mitverdienen – vom Staat mal ganz abgesehen. Also von nachhaltiger Geldanlage kann heute keine Rede mehr sein. Und dann noch viele Arbeitnehmer in prekären Arbeitsverhältnissen – so kann die Politik im Sinne des Großkapitals eine Gesellschaft zugrunde richten.
staatlich geprellter antwortenAuf einen “gerechtfertigten” zins möchte ich auch nicht verzichten wollen. Sonst bin ich am schluss ich die dumme, und angesichts des zinsniveaus und der inflationsrate ist moment wieder einmal der der schlaue, der auf pump lebt, weil er weniger wert zurück geben muß als er bekommen hat.
Was aber ist der gerechte Zins-wert ausgleich ?
Die Grundfunktion einer Bank ist der Liquiditätsausgleich. Sprich: Auf der einen Seite sind Leute die, momentan geld, aber keine sinnvolle verwendung haben, auf der anderen Leute, die ideen was man machen könnte haben, aber keine geldmittel dafür.
Dazwischend verbindend, die bank, deren leute am abend auch etwas essen müssen.
Also übern daumen: Für den Geber etwa: Inflationsrate + 30% (Steuern muss ich schließlich auch zahlen) Für den Nehmer: Gleiches (mehr als 1/3 aufwand sollte der transfer wohl nicht ausmachen.
Am besten wenn Einleger und Kreditnehmer die gleichen personen sind (die genossenschaft macht also nur “Geschäfte” mit mitgliedern ) aber halt mal in der einen, mal in der anderen rolle.
Angesichts der tatsache dass viel zu viel geld seit ca. 20 jahren in der welt rumschwimmt, und einen sicheren hafen sucht, muss sich die bank heute eher gegen einen einlagenüberhang absichern, um nicht ins schlingern zu geraten.
z.B. mit der beschränkung der anlagemöglichkeit auf das 5-fache der Genossenschaftsanteile, wie auch die Leihe ebenso beschränkt ist. Eine bisher offene archillesferse aller genossenschaftsbanken.
Naja, so ähnlich könnte man das doch machen,
…oder gibts das schon ?
Dann bitte bei mir melden.
So
Bierling, München antwortenSparen
Mein Vermögen auf der Bank
wird ohne mein Zutun schlank.
Irgend etwas läuft verkehrt,
wenn sich Gespartes nicht vermehrt.
Der Zins, der zur Zeit angezeigt,
die Inflationsrate nicht erreicht.
Soll sich Sparen nicht mehr lohnen?
Reicht das Geld noch zum Wohnen?
Wohin rinnt der schnöde Zaster?
Wird das Sparen zum Desaster?
Lege ich es unters Kissen?
Beruhigt sich dann mein Gewissen?
Soll ich damit spekulieren
und einen Totalverlust damit riskieren?
Soll ich in Immobilien machen?
Geht meine Bank bald krachen?
Es sind die vielen Fragen,
die dem Magen nicht behagen.
Täglich schaue ich auf meinen Kot.
Färbt er sich vor Ärger rot?
Hat er dann die Farbe Schwarz,
bleibt nur noch der Weg zum Arzt!
Nullkomma Prozente sind schon viel.
Sparen gleicht einem Trauerspiel.
Wer Geld braucht für seine vier Wände,
zahlt gleich Zinsen ohne Ende.
Und bei den Kontoführungsgebühren
kannst du noch den Rest verlieren.
18.12.2012 HM
Hans antwortenauf mehr zinsen würde ich nicht verzichten mann muss nehmen was mann bekommt. geschenkt bekommt mann enix. du musst den staat so ausnehmen wie mann kann mit uns machen die das genau so, oder sehe ich das falsch steuern, steuern usw der kleine ist immer der zahle mann.
tom antwortenWer ist denn das, der Staat ? Du? Ich? Oder wir alle. Und wer sind sind dann “die da” ? Die, die nehmen was man kriegen kann, egal ob man es braucht oder nicht, ob es der einzige Suppenlöffel des anderen ist ?
bierling-münchen antwortenIch habe leider das Gefühl, Nachhaltige Banken denken, dass Leute denen Nachhaltigkeit wichtig ist, jeden Preis zahlen. Da wird dogmatisch über die Notwendigkeit von Kontoführungsgebühren gestritten und warum alle anderen Banken das falsch machen!
Dirk S antwortenDie Gebühren für die Kontoführung liegen eher am oberen Bereich obwohl die Leistung insbesondere bei der Bargeldversorgung eher schlecht ist. Jedes Extra – zum Beispiel eine Geldkarte – kostet separat. Geld kostenlos abheben geht dann nur mit der Extra Kreditkarte, die wieder zusätzliche Gebühren kostet…
Da fühl ich mich ehrlich gesagt verarscht. Gerne hätte ich eine nachhaltige Bank, die sich aber bei den Konditionen etwas am Markt orientiert. Teurer als Sparkassen müssen nachhaltige Banken im Girobereich m.E. nicht sein. Sonst klappts auch nicht mit einer Attraktivität für die Massen.
Ich werde mir eine Bank suchen, die vernünftige Preise bietet und so gut wie möglich nachhaltig operiert. Da werd ich wohl bei einer regionalen Sparkasse landen.
Das, dass zinsbasierte Geldsystem langfristig nicht funktioniert war schon im alten Agypten bekannt und darum vom Pharao verfügt, von Zeit zu Zeit den Untertanen deren Schulden zu erlassen. Weil die Existenz der Zinsen vereinfacht mit Inflation begründet wird und die Hauptursache eines Wärungskollaps darstellt, liegt es Nahe sich damit mehr zu beschäftigen. Alles was die Menge an nichtBIP-gedecktem Umlaufgeld (M1) erhöht, sollte hinterfragt werden.
Ralf M antwortenLeider gibt es aber auch Inflationsursachen die mit Angebot und Nachfrage, also nicht steuerbar sind und eher mit Fortschritt zu tun haben.
Ich bin also skeptisch und sehe auch nur neues Marketing, dass den allg. Wunsch nach Geldstabilität-gerechtigkeit ausnutzt.
Besser man akzeptiert das Geldsystem als ein dynamisches, dass alle 40-50 Jahre eine Reform benötigt.