Helmut Rahn, Foto: dpa
HELMUT RAHN
* 16.08.1927 - † 14.08.2003
SPORTLICHE ERFOLGE
  • • Vereine: Rot-Weiß Essen, 1. FC Köln, Twente Enschede, MSV Duisburg
  • • Weltmeister 1954
  • • 40 Länderspiele
  • • 20 Länderspieltore
  • • Deutscher Meister 1955

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 Porträt Helmut Rahn
Das Leben - Nur ein Augenblick

"Der Ball fällt mich vor die Füße, genau auf dem rechten. Zwei Ungarn stürzen sich auf mich zu. So richtig mit Gewalt. Ich lass se kommen und zieh dann die Kirsche schnell von'n rechten auf'n linken Fuß. Und da - Mann, ich seh' et noch wie heute - hab' ich dat ganze Gelände vor mich. Ich zieh' ab mit dem linken Fuß, und dat gibt so'n richtigen gefährlichen Aufsetzer. Wat dann passiert is, wisst ihr ja."

 
Helmut Rahn, Foto: dpa
Helmut Rahn, dynamischer Rechtsaußen der NationalmannschaftVergößern
So beschrieb Helmut Rahn über viele Jahre immer wieder seinen legendären Treffer im WM-Finale von 1954, wenn er beim "Pilsken" in einer Essener Kneipe stand und dazu aufgefordert wurde. "Helmut, erzähl mich ma dat Tor", wurde dann gesagt und Helmut erzählte - die gleiche Geschichte immer wieder von vorne. Wie viele Male er die Anekdote Zeit seines Lebens zum Besten gegeben hat, bleibt ungezählt. Die "Pilsken" ebenso.

Selten in der Geschichte des Fußballs wurde die Karriere - ja, das ganze Leben eines Spielers so sehr auf einen einzigen Augenblick reduziert, wie im Fall von Helmut Rahn. Jene Sekunden am 4. Juli 1954, als der "Boss" im Weltmeisterschafts-Finale gegen Ungarn um exakt 18:32 Uhr auf halbrechter Position an den Ball kam, kurz einen Pass auf den im Strafraum frei stehenden Ottmar Walter andeutete, dann zwei ungarische Verteidiger aussteigen ließ und mit dem linken Fuß den 3:2-Siegtreffer markierte. Das entscheidende Tor, dieser eine Augenblick - das war Rahn - jedenfalls für die deutsche Öffentlichkeit.


 
 Unerschöpflicher Vorrat an Blödsinn und Übermut

Die, die näher an ihm dran waren, bezeichneten den 1929 in Essen geborenen Torjäger als eigensinnigen und lustvollen Menschen. Teamkollege Fritz Walter etwa nannte Rahn einen "kraftstrotzenden und selbstbewussten Boss mit einem unerschöpflichen Vorrat an Blödsinn und Übermut." Dass Rahns Charakter dem stillen und nachdenklichen Fritz Walter gut tat, hatte Bundestrainer Sepp Herberger früh erkannt und die beiden während der WM zu Zimmergenossen gemacht. "Ich war der Sensible, er der Optimist", meinte Walter Jahre nach Beendigung seiner Karriere in einem Interview. "Vor Spielen hat er mir gesagt: 'Friedrich, mein Freund, wir machen das schon.' Und dann war es auch fast immer so."

Nach dem "Wunder von Bern" und seinem "Tor für die Ewigkeit" blieb Helmut Rahn zunächst auf der Erfolgsspur und holte 1955 mit Rot-Weiß Essen den deutschen Meistertitel. Anschließend aber verlor der Nationalheld den Boden unter den Füßen. Zu viele Menschen, die seine Schulter klopften, zu viele Feiern, zu viel Alkohol - der Ruhm forderte seinen Tribut. 1957 fuhr der Weltmeister mit seinem Wagen volltrunken in eine Baugrube und wurde daraufhin vorläufig festgenommen. Die angerückten Polizisten attackierte er mit Schlägen und Tritten. Sepp Herberger war es, der seinen temperamentvollen Rechtsaußen wieder zurück auf den Boden holte. 1958 berief der "Chef" ihn in das WM-Aufgebot für Schweden. Der "Boss" dankte es ihm mit hervorragenden Leistungen und zehn Toren. Er war einer der herausragenden Spieler des Turniers.


Autogrammkarte von Helmut Rahn (1963)
Autogrammkarte von Helmut Rahn 1963Vergößern
 Gebrauchtwagen und Bauschutt

Als Rahn 1965 seine Fußballschuhe an den Nagel hängte, konnte er auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken. Anders als andere aus der WM-Elf von ’54, war dem Essener Urgestein jedoch Ruhm und Reichtum nach seiner aktiven Laufbahn nicht vergönnt - wohl auch, weil er die Öffentlichkeit scheute und seine Geschichten lieber an der Theke als in Fernsehstudios erzählte - bei einem "Pilsken" versteht sich. Mit der Glamourwelt der Medien konnte und wollte Helmut Rahn nichts anfangen.

Im weiteren Berufsleben blieb der Essener weitestgehend erfolglos. Gemeinsam mit seinem Bruder Hans versuchte er sich als Gebrauchtwagenhändler, später arbeitete er als Repräsentant und Verkaufsleiter einer Entsorgungsfirma für Bauschutt. Dem Fußball kehrte der frühere Vollblutstürmer mehr und mehr den Rücken. Am Ende seines Lebens hatte Rahn beinahe vollständig mit seiner einstigen Leidenschaft abgeschlossen. Zu showlastig war ihm der Fußball der heutigen Zeit geworden.



 
 Familie, Schrebergarten und der Abschied

Der Alkohol war lange Zeit ein ständiger Begleiter im Leben von Helmut Rahn. Erst spät besann sich der "Held von Bern" auf den Menschen Rahn, der lange Zeit im Schatten der Legende gelebt hatte. Als er es leid war, die Geschichte seines Tores immer und immer wieder in den Essener Kneipen zu erzählen, zog er sich zurück und kümmerte sich fortan nur noch um seine Familie und den Schrebergarten.

Am 14. August 2003 starb Helmut Rahn nach langer, schwerer Krankheit zwei Tage vor seinem 74. Geburtstag in seiner Essener Wohnung. Viele Hundert Menschen lauschten in der St. Elisabeth-Kirche in Essen-Frohnhausen beim Abschied vom "Boss" der Trauerrede von Pfarrer Bernhard Alshuth. Er begann mit dem Satz: "Helmut Rahn - das war mehr als jene berühmte Sekunde."


 
 Markus Wessel

 

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