Werner Kohlmeyer
WERNER KOHLMEYER
* 19.04.1924 - † 26.03.1974
SPORTLICHE ERFOLGE
  • • Verein: 1. FC Kaiserslautern
  • • Deutscher Meister 1951 und 1953
  • • Deutscher Vizemeister 1948, 1954, 1955
  • • Weltmeister 1954
  • • 22 Länderspiele

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Die Helden von Bern :: Die Helden :: Werner Kohlmeyer


 Porträt Werner Kohlmeyer
Abstieg eines Weltmeisters

Mit 29 Jahren war er als Mitglied der Weltmeisterelf von 1954 einer der gefeierten "Berner Helden". 20 Jahre später - noch keine 50 Jahre alt – starb er einsam, verarmt und alkoholkrank. Der größte Erfolg seiner Laufbahn hatte das Leben dieses einfachen und liebenswerten Mannes aus dem Gleichgewicht gebracht.

 
Werner Kohlmeyer im deutschen Tor, Foto: dpa
Werner Kohlmeyer auf der TorlinieVergößern
Kritiker Werner Kohlmeyers behaupteten, er hätte von Herbergers allgemein bekannter "Affenliebe" zum 1. FC Kaiserslautern profitiert - jedenfalls war er bei der WM von Herberger "gesetzt". Und er dankte es ihm: Gleich mehrfach rettete er im Finale für den bereits geschlagenen Toni Turek auf der Linie, wurde zu einem Garanten des sensationellen Sieges.

Sein Länderspieldebüt feierte er am 17. Juni 1951 beim 1:2 gegen die Türkei. In der Folge hatte er schnell einen Stammplatz als linker Verteidiger in der Nationalmannschaft. Doch nur ein Jahr nach dem Gewinn des WM-Titels endete seine Länderspielkarriere – das Aus kam nach einem 1:2 gegen Italien im März 1955 in Stuttgart. Es war erst sein 22. Länderspiel.


 
 "Ich bin kein Trinker!"

Kohlmeyer, dessen schwarze Haare sich schon früh lichteten, wurde mit dem Ruhm, den der Gewinn der Weltmeisterschaft für die deutschen Spieler bedeutete, nicht fertig. Er schien sein Leben nur noch als großes Fest zu begreifen. Vielleicht verkraftete er auch nicht, dass sich nach dem allmählichen Abklingen der Euphorie das Interesse der Öffentlichkeit nur noch auf wenige Spieler konzentrierte.

Er fand eine Anstellung als Lohnbuchhalter, die er jedoch wegen seines Alkoholkonsums verlor. Danach eröffnete "Kohli", wie er von Fans und Freunden genannt wurde, ein Sportgeschäft - ein Misserfolg. Neben dem Alkohol war es vor allem die Spielsucht, die sein Leben zerstörte. Kohlmeyer verspielte das Geld schneller, als seine Frau es verdiente. Sepp Herberger sah das Dilemma seines einstigen Schützlings und appellierte an ihn: "Werner, ich helfe Ihnen, aber nur, wenn Sie eine Entziehungskur machen". Doch der lehnte dies voller Stolz ab: "Ich bin kein Trinker!". Seine Ehe wurde Mitte der sechziger Jahre geschieden, die Trennung von seinen drei Kindern fiel ihm sehr schwer.


Werner Kohlmeyer in Mainz
Kohlmeyer in Mainz kurz vor seinem Tod
 Eigenbrötler und "exzellenter Kamerad"

Werner Kohlmeyer wurde von seinen ehemaligen Mitspielern als guter und stets zuverlässiger Kumpel geschildert. Werner Liebrich zum Beispiel sagte über Kohlmeyer: "Der 'Kohli' war immer zu Streichen aufgelegt, dann aber auch wieder sehr eigenbrötlerisch. Wenn wir alle ein blaues Sakko trugen, kam er mit Sicherheit in einem grünen. Und wenn wir alle Hüte hatten, trat er ohne einen an. Wurde eine Massage angesetzt, ging er in der Stadt spazieren. Im Spiel aber war auf ihn absolut Verlass, er war ein exzellenter Kamerad".

Nachdem er sich jahrelang ohne Erfolg durchs Leben geschlagen hatte und schließlich "ganz unten" angekommen war, versuchte Kohlmeyer in Mainz einen Neuanfang. Er erhielt mit Hilfe eines befreundeten Mainzer Sportjournalisten eine Stelle als Pförtner am Hintereingang der "Mainzer Allgemeinen Zeitung". Rückblickend äußerte er einmal ernüchternd: "Vielleicht war es der größte Fehler meines Lebens, dass ich Fußball gespielt habe ..."

Zuletzt lebte Kohlmeyer mit seiner Mutter in einer Dreizimmerwohnung im Mainzer Stadtteil Mombach. Es gelang ihm jedoch nicht, vom Alkohol weg zu kommen. Er starb am 26. März 1974 an den Folgen eines Herzinfarkts.



 
 Andreas Bohn

 

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