Toni Turek, Foto: dpa
TONI TUREK
* 18.01.1919 - † 11.05.1984
SPORTLICHE ERFOLGE
  • • Verein: Fortuna Düsseldorf
  • • Weltmeister 1954
  • • 20 Länderspiele

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 Porträt Toni Turek
"Viel Glück habe ich nicht gehabt"

Am sensationellen Endspielerfolg gegen den haushohen Favoriten Ungarn war Torwart Toni Turek maßgeblich beteiligt. Doch mit dem "Wunder von Bern" endete die Karriere des "Teufelskerls".

 
Toni Turek rettet vor einem ungarischen Stürmer, Foto: dpa
Toni Turek glänzt mit guten Paraden.Vergößern
Im Endspiel gegen Ungarn habe Turek "das Spiel seines Lebens" gemacht, schrieb der "kicker". Und der damalige Radioreporter Herbert Zimmermann schrie während der Übertragung voller Begeisterung ins Mikrofon: "Turek, du bist ein Teufelskerl, Turek, du bist ein Fußballgott". Seine Art zu Spielen war unnachahmlich. Bei vielen Bällen, die nur Zentimeter am Tor vorbeigingen, rührte er sich erst gar nicht. Fritz Walter sagte einmal über das sichere Auge seines Torwarts: "Der guckt die raus!"

Krieg nur mit Glück überlebt

Toni Turek gehörte zu den Leuten, die sich in ihrem Leben alles erkämpfen mussten, denen nichts einfach so in den Schoß fiel. Zwar fiel er dem späteren Bundestrainer Sepp Herberger schon mit 16 Jahren auf, soll sogar in dessen legendären Notizbuch verewigt gewesen sein. Doch der Krieg stoppte den Beginn der Fußballer-Karriere des gelernten Bäckers. "Meine beste Zeit habe ich im Kriege verpasst" meinte der für seinen trockenen Humor bekannte Torwart später einmal.

Den Russlandfeldzug überlebte Turek nur mit viel Glück. In Orel an der Front durchschlug ein Granatsplitter seinen Stahlhelm - der Splitter steckte noch in seinem Kopf, als er Weltmeister wurde. Später geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, nahm Turek Anlauf auf den Stammplatz im deutschen Tor. "Ich war 30, da hab ich mit 20-jährigen Burschen den Konkurrenzkampf um einen Platz in der Nationalmannschaft aufgenommen und gewonnen."


 
Herbert Zimmermann als Sportreporter 1954, Foto: Wißner-Verlag
"Turek, du bist ein Fußballgott!" Reporter Zimmermann über Toni Turek
Auf Krückstock und Rollstuhl angewiesen

Das Schicksal meinte es nach dem WM-Titel nicht gut mit dem Keeper. Nur noch einmal stand er im deutschen Tor, beim Länderspiel gegen Frankreich am 16. Oktober 1954 in Hannover. Es war gerade mal sein 20. Länderspieleinsatz. Aus seiner Popularität und seinen Erfolgen konnte er auch beruflich kein Kapital schlagen. Er blieb bis zu seiner Pensionierung Angestellter bei der Düsseldorfer Rheinbahn.

Als er am Morgen des 11. September 1973 aufwachte, konnte er seine Beine nicht mehr bewegen. Die rätselhafte Krankheit, die ihn quasi über Nacht befallen hatte, lähmte ihn von der Hüfte abwärts. Es folgten lange Monate im Krankenhaus und mehrere Operationen. Zeitweise soll Turek sogar in Lebensgefahr geschwebt haben. Krücken und Rollstuhl wurden anschließend zu Stützen für den Mann, der doch immer betont gesund gelebt hatte.


 
 Dank seines großen Willens gelang es ihm während zahlreicher Reha-Maßnahmen die Lähmung der Beine so weit in den Griff zu bekommen, dass er wieder kurze Strecken gehen konnte. Geholfen haben ihm damals vor allem seine "Berner Kameraden", die immer regen Kontakt zu ihrem einstigen Torhüter hielten. Sie veranstalteten sogar Benefizspiele für ihn, damit er die Behandlungskosten begleichen konnte.

In den folgenden Jahren verschlechterte sich sein Zustand. Am 8. November 1983 schließlich warf ihn ein Herzinfarkt endgültig aus der Bahn. Er musste am Herz operiert werden, dann auch noch an der Galle. Ende April 1984 erlitt er einen Schlaganfall, an dessen Folgen er knapp zwei Wochen später, am 11. Mai 1984, im Alter von 65 Jahren in einem Neusser Krankenhaus starb. Er hinterließ Ehefrau Elisabeth und zwei Kinder.


 
 

 
 Andreas Bohn

 

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