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Die Helden von Bern :: damals - heute :: Deutschland 1954


 Deutschland 1954
Es geht wieder aufwärts

Das Jahr 1954 steht in Deutschland nicht nur wegen des WM-Siegs in der Schweiz im Zeichen des Aufbruchs und der Wunder. Beinahe 10 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges, nach vielen Zerstörungen, Hunger und Elend, geht es in Deutschland in fast allen Bereichen wieder aufwärts.

 
Krieg in Indochina, Foto: dpa
Schlacht um Dien Bien Phu - Ende der französischen Herrschaft in Indochina.Vergößern
Die Wirtschaft glänzt mit so hohen Zuwachsraten, dass viele Beobachter im Ausland überrascht vom deutschen "Wirtschaftswunder" sprechen. Die Autoindustrie beispielsweise kann ihre Produktion um 45 Prozent steigern. Die Exporte wachsen um vier Milliarden Mark und die Zahl der Arbeitslosen fällt von Dezember 1953 bis Juni 1954 deutlich um 50 Prozent auf 1 007700. In der Politik scheitern zwar im Januar Gespräche zur Wiedervereinigung Deutschlands, dafür gelingt Bundeskanzler Konrad Adenauer die Westintegration der Bundesrepublik. Nachdem der Bundestag im Februar den Aufbau der Bundeswehr beschlossen hat, erreicht Adenauer im Oktober, dass in den Pariser Verträgen die Souveränität der Bundesrepublik weitgehend wiederhergestellt wird. Zudem wird in Paris die Einladung zum Eintritt in die Nato im Mai 1955 ausgesprochen. Weltpolitisch ist vor allem die Niederlage der Franzosen im Kolonialkrieg in Indochina zu erwähnen.

 
 Bessere Ernährung: Mehr Obst und Südfrüchte

Spürbare Verbesserungen erleben viele Menschen nicht nur durch die wachsende Zahl von Arbeitsplätzen. Der Durchnittsverdienst steigt auf 3936 DM brutto - 1949 waren es noch 2664 DM. Immer mehr Deutsche können sich jetzt ein Auto leisten. Besonders beliebt: Der VW-Käfer und die Kleinwagen von Borgward. Steigendes Interesse findet auch das Deutsche Fernsehen. Die Bundespost registriert eine Steigerung von 11685 Fernsehgenehmigungen (Januar 1954) auf 84278 (Ende Dezember 1954). Besonders attraktiv für die Zuschauer sind die erste Übertragung einer Fußball-Weltmeisterschaft im Juli und die Familienserie "Unsere Nachbarn heute abend: Familie Schölermann".

Nach Jahren der Entbehrungen können sich die Deutschen 1954 auch wieder normal ernähren. Lebensmittel sind nun wieder reichlich vorhanden, so dass der Ernährungsstand der Vorkriegszeit erreicht wird. Auf den Tisch kommen jetzt immer öfter Frischobst und Südfrüchte, weniger Getreideprodukte und Kartoffeln. Weiterhin nicht die Regel in deutschen Küchen bleiben allerdings Fleischgerichte. Nachdem in den ersten Nachkriegsjahren gerne Hochprozentiges wie Schnaps oder Branntwein getrunken wurde, setzen die Bundesbürger jetzt mehr auf sanftere Genüsse wie Wein und Fruchtsaft.


Messerschmidt-Autos, Foto: dpa
Messerschmidt-AutosVergößern
Damenmode 1954, Foto: dpa
Damenmode der 50er-JahreVergößern
Camping war bevorzugte Urlaubsform

Trotz aller Verbesserungen lebt 1954 noch ein Fünftel aller Bundesbürger am Rande des Existenzminimums. Auch ein neuer Baurekord kann zudem die große Wohnungsnot noch nicht beseitigen. 700.000 Menschen leben noch in Bunkern, Baracken und Notunterkünften, 2,7 Millionen suchen eine Wohnung. Die Löhne der Männer reichen in vielen Familien nicht aus, so dass oft auch Frauen und Kinder arbeiten müssen. Alle Einkünfte zusammen sind trotzdem häufig zu gering für große Anschaffungen. Über einen Kühlschrank beispielsweise verfügt daher nur ein Fünftel aller Bundesbürger. Das Gehalt wird übrigens noch wöchentlich und in bar ausgezahlt.

Bescheidenheit ist auch bei der Gestaltung der Ferien angesagt. Nur 18 Prozent aller Urlauber fahren daher 1954 ins Ausland. Die meisten sind mit Zelt oder Wohnwagen zu einheimischen Ferienzielen unterwegs. Da ein eigenes Auto für viele noch zu teuer ist, nutzen 56 Prozent aller Urlauber den Zug für die Urlaubsreise. Für viele Bundesbürger ist aber schon die Urlaubsfahrt zu teuer, so dass sie die 12 bis 21 Tage Jahresurlaub nutzen, um sich in Naherholungsgebieten zu entspannen.


 
 Siegeszug des Rock 'n' Roll

Musikalisch steht das Jahr 1954 im Zeichen des Siegeszuges des Rock 'n’ Roll. Bill Haleys "Rock around the Clock" wird zur Erkennungsmelodie der rebellierenden Jugend. Elvis Presley schafft mit "That’s alright Mama" den Durchbruch zum Rockstar. Die Kassenschlager in deutschen Kinos dagegen sind Heimatfilme. Einige Regisseure, versuchen durch Kriegsfilme, die deutsche Vergangenheit aufzuarbeiten. Schriftsteller wie Heinrich Böll, Wolfgang Koeppe und Alfred Andersch verarbeiten in ihren Werken die faschistische Vergangenheit oder Gegenwartsprobleme des euphorischen Wirtschaftswunderlandes.

Musikbox, Foto: dpa
Jukebox: Musik aus der KommodeVergößern
 Andreas Oehler

 

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