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Die Helden von Bern :: Das Endspiel :: Der Weg ins Finale


 Der Weg ins Finale
Erst gedemütigt, dann der Durchmarsch

Nur mit Mühe hatte die deutsche Nationalmannschaft die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1954 geschafft und reiste daher als krasser Außenseiter in die Schweiz. Kaum jemand in In- und Ausland traute den Spielern von Trainer Sepp Herberger bei der Fußball-WM etwas zu. Im zweiten Spiel schienen sich die schlimmsten Befürchtungen zu bewahrheiten: Gegen Turnier-Favorit Ungarn wurde die deutsche Elf mit 3:8 abgefertigt. Doch die deutsche Mannschaft kämpfte sich bis ins Finale durch.

 
Türkei - Deutschland, Foto: dpa
Türkei - DeutschlandVergößern
Vorrunde Deutschland – Türkei 4:1

Schlechter hätte es für die Deutschen im ersten Spiel nicht laufen können: Bereits nach 120 Sekunden Spielzeit tanzte der türkische Rechtsaußen Suat die Abwehrspieler Jupp Posipal und Werner Kohlmeyer aus und erzielte das schnellste Tor der WM. Doch die Herberger-Truppe erholte sich innerhalb kurzer Zeit und bereits zehn Minuten später glich Hans Schäfer aus. Erst in der zweiten Halbzeit konnten die deutschen Spieler die Türken in die eigene Hälfte zurückdrängen. Der Schalker Bernie Klodt traf fünf Minuten nach Wiederanpfiff zur Führung, Ottmar Walter (65.) und Max Morlok (84.) machen den Sieg perfekt.

 
 Vorrunde Ungarn – Deutschland 8:3

Schon vor dem Turnier hatte Trainer Sepp Herberger eine Niederlage gegen die damals beste Mannschaft der Welt eingeplant und schickte in Basel eine B-Auswahl aufs Feld. Verärgert über diese Mannschaftsaufstellung pfiffen die rund 30.000 angereisten deutschen Schlachtenbummler "ihr" Team von Anfang an gnadenlos aus. Die Ungarn zelebrierten ihren Kombinationsfußball und die auf mehreren Positionen umgestellte deutsche Abwehr war völlig überfordert. Die deutsche Sportpresse tobte nach der blamablen 8:3-Klatsche; Herberger erhielt Schmähbriefe, aus denen er später genüsslich zitierte. Es war die höchste Niederlage, die eine deutsche Nationalmannschaft jemals kassiert hatte.


WM-Vorrunde: Deutschland - Ungarn, Foto: dpa
Die 3:8-Niederlage gegen UngarnVergößern
Spieler mit Frauen in Spiez, Foto: Mai
Spieler mit Frauen in SpiezVergößern
Vorrunde Deutschland – Türkei 7:2

Wieder die Türkei! Weil die Mannschaft vom Bosporus als eines von acht Teams "gesetzt" war, kam es zu einem zweiten Vorrunden-Duell. Doch diesmal war es die Truppe um Kapitän Fritz Walter, die den besseren Start erwischte. Bereits nach fünf Minuten traf Ottmar Walter zur 1:0-Führung, bis zur Pause erhöhten Schäfer und Morlock auf 3:1. Kapitän Fritz Walter lief nach den ersten beiden schwächeren Spielen langsam zu Hochform auf, spielte herrliche Pässe und erzielte selbst das 5:1. Erfolgreichster Torschütze des Spiels war Morlock mit drei Treffern, Schäfer traf zweimal.

Die Taktik von Trainer Sepp Herberger war aufgegangen: Seine ausgeruhte Stamm-Elf schoss sich den Weg ins Viertelfinale frei.


 
 Viertelfinale Deutschland – Jugoslawien 2:0

Es war ein hochspannendes Spiel, in dem bis zur letzten Minute gekämpft wurde und das die Deutschen als glückliche Sieger vom Platz gehen ließ. Nach dem Eigentor von Ivica Horvat in der 10. Minute folgte ein Spiel auf ein Tor – auf das von Toni Turek. Die favorisierten Jugoslawen zwangen die deutsche Mannschaft zu einer Abwehrschlacht. Torhüter Turek glänzte mit Paraden, Kohlmeyer rettete dreimal auf der Linie und einmal "half" die Latte, um den Ausgleich zu verhindern. "Hinten kompakt stehen und schnelle Konter" – diese Anweisung von Herberger konnte die Mannschaft nur selten umsetzen, denn selbst die offensiven Walter-Brüder mussten ständig im eigenen Strafraum aushelfen. Vier Minuten vor Schluss brachte dann ein 16-Meter-Schuss von Rahn das erlösende 2:0. Deutschland stand sensationell im Halbfinale. Die deutschen Fans waren nach dem Ungarn-Spiel wieder versöhnt und trugen die Spieler auf den Schultern vom Spielfeld.


Sepp Herberger und sein Lieblingsspieler Fritz Walter
Fritz Walter und Sepp HerbergerVergößern
Halbfinale: Deutschland - Österreich, Foto: Mai
Halbfinale Deutschland - ÖsterreichVergößern
Halbfinale Deutschland – Österreich 6:1

Wieder war Deutschland Außenseiter, doch diesmal wurde es kein Zittersieg, sondern ein Fußball-Fest. "Basel kann nichts mehr überbieten", schrieb das Sport-Magazin. Es war das bis dahin beste Spiel einer deutschen Nationalmannschaft nach dem Krieg. Überragender Akteur auf dem Platz war Kapitän Fritz Walter, der an allen sechs Toren beteiligt war. Er verwandelte zwei Elfmeter (55., 65.) und bediente zweimal seinen Bruder Ottmar (61., 89.). Schäfer hatte die Halbzeitführung zum 1:0 erzielt, Morlock köpfte nach einem Eckball von Fritz Walter zum 2:0. Die Österreicher präsentierten sich erschreckend schwach. Wenige Tage nach der fulminanten Aufholjagd im Viertelfinale gegen die Schweiz, als sie einen 0:3-Rückstand in einen 7:5-Erfolg verwandelten, hatten die Fußball-Experten mehr erwartet. Vor allem in der zweiten Halbzeit wurden sie vom deutschen Sturm regelrecht überrannt. Die Begeisterung der deutschen Fans in Basel und daheim war riesengroß. Deutschland stand im Finale!


 
 Martin Heuser

 

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