Herbert Zimmermann, Foto: dpa
HERBERT ZIMMERMANN
* 29.11.1917 - † 16.12.1966
BERUFLICHE LAUFBAHN
  • • 1937 Eintritt in die Wehrmacht
  • • 1942 Erste Reportagen
  • • 1945 Mitarbeiter beim NWDR (später NDR)
  • • ab 1946 Sportreporter

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 Porträt Herbert Zimmermann
Der 12. Mann von Bern

Der Sieg der deutschen Nationalmannschaft im WM-Endspiel von Bern 1954 wurde auch durch Herbert Zimmermann zum Mythos. Die leidenschaftliche Schilderung des Hörfunk-Reporters machte aus dem WM-Sieg ein nationales Wunder. Seine Reportage hat viele Deutsche so bewegt, dass sie sich - mit den Spielern - als Weltmeister fühlten.

 
Herbert Zimmermann als Sportreporter 1954, Foto: Wißner-Verlag
Herbert Zimmermann im StadionVergößern
"Halten sie mich für verrückt, halten sie mich für übergeschnappt, ich glaube, auch Fußball-Laien sollten ein Herz haben, sollten sich an der Begeisterung unserer Mannschaft und an unserer eigenen Begeisterung mitfreuen ..."
Es ist der NDR-Reporter Herbert Zimmermann, der fünf Minuten vor Schluss für Verständnis seiner emotionalen Reportage wirbt. 3:2 führt die deutsche Mannschaft gegen Ungarn. Eine Sensation. An den Radiogeräten in Deutschland sitzen 50 Millionen Hörer und fiebern mit. An diesem Tag verfolgen nicht nur Fußballbegeisterte das Finale von Bern. Weit über alle Schichten hinweg gibt es nur ein Thema, eine Frage: Werden wir Weltmeister? Auslöser der Emotionen sind die "Helden von Bern" um Mannschaftskapitän Fritz Walter, Toni Turek und Helmut Rahn. Aber auch der Reporter Herbert Zimmermann erobert mit seiner leidenschaftlichen Schilderung des Geschehens auf dem Rasen im Berner Wankdorfstadion die Herzen von Millionen Menschen. Er ist für sie der "zwölfte Mann" und wird zum ersten Star der Hörfunkreportage.



 
Herbert Zimmermann mit Spielern, Foto: dpa
Herbert Zimmermann mit WM-SpielernVergößern
Ein Soldat wird Reporter

Wer war dieser Herbert Zimmermann? Wie wurde er Sportreporter? Zimmermann beschreibt in einem Artikel für die Programmzeitschrift "Hören und Sehen" 1961, wie seine Rundfunkkarriere begann.

"Das war im Herbst 1942, als ich vom Lazarett aus den Sportchef des Deutschlandsenders Rolf Wernicke aufsuchte und zu meiner riesengroßen Überraschung sofort ein offenes Ohr für meine Wünsche fand. Man machte mit mir ein halbes Dutzend Probereportagen und liess mich am 28. November, dem Vorabend meines Geburtstages, auf die Menschheit los. Es war ein Fußball- Städtespiel zwischen Berlin und München im Olympia- Stadion, bei dem ich damals zehn Minuten übertrug, die mir länger vorkamen als heute eine anstrengende Originalübertragung von 100 Minuten. Den Grund für diesen freundlichen Start beim Rundfunk erfuhr ich erst Jahre später: Am Tage meiner Vorstellung war nämlich "von oben" eine Anweisung gekommen, mehr verwundete Frontsoldaten beim Rundfunk einzusetzen. Der erste Kandidat mit dem Silbernen Verwundeten-Abzeichen und einigen anderen Dekorationen, der danach humpelnd bei Wernicke erschien, war ausgerechnet ich. Scherzhaft meinte "Bob" Wernicke bei unseren ersten gemeinsamen Olympischen Spielen 1948 in St. Moritz: `Auch wenn Sie taubstumm gewesen wären, hätte ich mich an jenem Tag für Sie interessiert'".



 
 Karriere-Start mit Wasserstandsmeldungen

Herbert Zimmermann wird am 29.11.1917 in Alsdorf bei Aachen geboren. Er stammt aus einem streng katholischen Elternhaus. Nach dem Abitur 1937 macht er mehrere kurze Praktika bei Zeitungen, wird Wehrmachtsoffizier und dient bis zum Ende des 2. Weltkrieges.

Nach dem Krieg beginnt Zimmermann seine Laufbahn beim NWDR (später NDR) mit der Durchsage von Wasserstandsmeldungen. Bereits 1948 berichtet Zimmermann als Sportreporter von den Olympischen Spielen in St. Moritz und London. Mehr als 100 Auslandsreisen als Sportchef des NDR führen ihn in viele Länder. Er berichtet vom Fußball, Handball, von der Leichtathletik, vom Wintersport und Tennis.



 
Sepp Herberger und Herbert Zimmermann, Foto: dpa
Sepp Herberger (li.) und Herbert ZimmermannVergößern
Feuriger Reporter mit bildreicher Sprache

Herbert Zimmermann versteht es auch, sein Leben mit einem Hauch von Glamour zu umgeben. Er zählt zur Hamburger Prominenz, ist befreundet mit Sportlern wie Max Schmeling und Schauspielern wie Hans Albers. Zudem gilt Zimmermann als ein Liebling der Frauen.

Als die Bundesrepublik Deutschland 1966 zum zweiten Male das Finale bei einer Fußballweltmeisterschaft erreicht, sitzt Herbert Zimmermann wieder am Mikrofon – nun in Konkurrenz zur Fernsehübertragung. Noch einmal hört man ihn in seinem Element, als engagierten Reporter mit einer unverwechselbar lebendigen und bildreichen Sprache. Es ist Zimmermanns letzte große Reportage.

Noch im selben Jahr, kurz nach seinem 49-jährigen Geburtstag, stirbt Herbert Zimmermann an den Folgen eines schweren Autounfalls. Die Ursache des Unfalls ist bis heute nicht geklärt.


 
 Daniel Linke

 

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