Sepp Herberger, Foto: dpa
SEPP HERBERGER
* 28.03.1897 - † 28.04.1977
SPORTLICHE Laufbahn
  • • Spieler bei SV Waldhof Mannheim, VfR Mannheim und Tennis-Borussia Berlin 1914 - 1930
  • • 3 Länderspiele (als Spieler)
  • • Sportlehrerdiplom 1930
  • • Fußballtrainer ab 1930
  • • Reichstrainer ab 1936
  • • Bundestrainer 1949 - 1964
  • • 167 Länderspiele als Trainer (1936 bis 1964): 94 Siege, 27 Unentschieden, 46 Niederlagen
  • • Weltmeister 1954
  • • WM-Vierter 1958

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Die Helden von Bern :: Die Helden :: Sepp Herberger


 Porträt Sepp Herberger
Fußballphilosoph und "Chef"

Sepp Herberger war der Vater des WM-Triumphes von Bern. Seine taktischen Schachzüge, seine akribische Vorbereitung sowie sein Einfühlungsvermögen haben die "Helden von Bern" erst dazu befähigt, ins Finale vorzustoßen und dort die übermächtigen Ungarn zu besiegen. Bekannt ist er bis heute außerdem für seine vielzitierten Fußballweisheiten.

 
Herberger mit Spielern im Trainingslager, Foto: dpa
Herberger mit Spielern im Trainingslager
"Der Ball ist rund", "der nächste Gegner ist immer der schwerste", "ein Spiel dauert 90 Minuten" oder "nach dem Spiel ist vor dem Spiel". Fußballweisheiten wie diese gehören noch heute zum Standard-Repertoire vieler Fußball-Experten. Der ehemalige Herberger-Assistent Dettmar Cramer schätzt, dass heute bei den Bundesligatrainern acht von zehn fachlichen Sätzen auf Herberger zurückgehen.

Entscheidend für seine Erfolge war aber vor allem seine Fähigkeit, Spieler zu formen, zu leiten, auch intern zu kritisieren ohne ihnen weh zu tun oder sie zu demütigen, wie Rudi Michel in seinem Buch "Deutschland ist Weltmeister!" erzählt. Dieses Einfühlungsvermögen hat ihm großen Respekt bei seinen Spielern eingebracht. Fritz Walter beispielsweise sprach, wenn er zu Herberger befragt wurde, immer vom "Chef".


 
 Der Chef

Den Ruf von Sepp Herberger als "lebende Trainerlegende" begründen knifflige Entscheidungen bei der WM 1954. So sein Schachzug, im Vorrundenspiel gegen die Ungarn am 20. Juni 1954 nur die zweite Garde auflaufen zu lassen. Sein Plan: Er will die Mannschaft für ein mögliches Entscheidungsspiel um den Viertelfinaleinzug gegen die Türkei schonen. Anstelle von Toni Turek, Max Morlock, Ottmar Walter oder Hans Schäfer kommen Heinrich Kwiatkowski, Hans Bauer, Alfred Pfaff und Richard Franz Herrmann zum Einsatz. Deutschland kommt mit 3:8 böse unter die Räder, und Herberger erhält Briefe aus der Heimat: "Wenn der Trainer einer Nationalmannschaft nicht weiß, was er in solchen Fällen dem Sportpublikum vorzusetzen hat, dann soll er sich besser einen Strick kaufen und sich am nächsten Baum aufhängen."

Herberger verteidigt seine umstrittene Entscheidung: "Ich bin der Meinung, dass wir an diesem Tag auch mit unserer stärksten Mannschaft verloren hätten." Das Entscheidungspiel gegen die Türken gewinnt die ausgeruhte Stammelf drei Tage später mit 7:2.

Wenig später treibt Herberger die Frage um, wer im Finale Rechtsaußen spielen soll. Am 3. Juli 1954 – dem Tag vor dem Endspiel in Bern – bricht der "Chef" mit Berni Klodt und Helmut Rahn zu einem Spaziergang auf: Hier erfährt Klodt, dass nicht er, sondern Rahn gegen Ungarn stürmen wird. Die Entscheidung ist dem Bundestrainer nicht leicht gefallen, hat Klodt doch mitgeholfen, die beiden wichtigen Hinrundensiege gegen die Türkei einzufahren. Einen Tag später macht Rahn in Bern das Spiel seines Lebens und erzielt zwei Treffer, darunter das legendäre Siegtor.


 
 Der ehrgeizige Fußball-Lehrer

Viele haben den Fußball-Lehrer aus Mannheim für einen "Magier" oder "Hexenmeister" gehalten. Eher war er wohl ein besessener Arbeiter und "Trainerfuchs". Früh lernte er, sich durchzusetzen: in der Familie als jüngstes von sechs Geschwistern; im Arbeiterviertel Waldhof, wo er aufwächst, gegen die anderen Kinder. Als er zwölf ist, stirbt sein Vater. Früh muss er deshalb zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.

Herberger ist ehrgeizig, vor allem dann, wenn es um Fußball geht. 1930 absolviert er als Jahrgangsbester die Berliner Sporthochschule. Bald trainiert er Tennis Borussia Berlin. Otto Nerz vermittelt ihm die Stelle als Verbandstrainer des Westdeutschen Fußballverbandes. 1936 schließlich übernimmt der erst 39-Jährige den Posten des Reichstrainers. Nach dem Krieg bekommt er als Mitglied der NSDAP zunächst Berufsverbot. 1947 wird er als "Mitläufer" entnazifiziert und 1949 schließlich zum Bundestrainer ernannt.



Sepp Herberger in Bern, 4. Juli 1954
Sepp Herberger während des Endspiels Vergößern
 Der Mensch

Dass Herberger trotz seines Ehrgeizes immer Mensch blieb, ist für die, die ihn kannten, kein Widerspruch. Für die Spieler, denen er das Vertrauen schenkte, war er "wie ein Vater", sagt der Spiegel-Autor und Herberger-Biograf Jürgen Leinemann. Im Zweiten Weltkrieg versuchte er immer wieder, "seine Spieler" von der Front zurückzuholen. "Er hat sich um sie gesorgt, hat für sie gekämpft und hat um sie getrauert, wie um seine Söhne" (Leinemann).

Am 28. April 1977 stirbt Herberger im Alter von 80 Jahren. Als der Vater des "Wunders von Bern" und als Fußball-Philosoph ist er über seinen Tod hinaus in den Herzen der Fans geblieben.


 
 Wolfram Porr

 

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