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Die Helden von Bern :: damals - heute :: Fußball wird Geschäft


 Fußball wird Geschäft
Prämien: Von 2000 Mark auf 100.000 Euro

Eigentlich hat sich an den Weisheiten eines Sepp Herbergers wenig verändert. Der Ball ist immer noch rund und muss nach wie vor ins Eckige - nur das mit den elf Freunden ist anders geworden. "Scheiß Millionäre" hallt es heute aus den Fankurven, wenn die Spieler über längere Zeit schlechte Leistungen bringen. Das Geld hat den Fußball verändert.

 
Jubelnde WM-Spieler 19654, Foto: dpa
Die WM-Helden von 1954 erhielten 2000 Mark Prämie.Vergößern
Nehmen wir das Finale der Weltmeisterschaft 1954 als Wiege des deutschen Fußballs. Streng genommen verhält es sich natürlich anders. Das kollektive Gedächtnis aber denkt weiter kaum zurück. Alles begann also mit Fritz Walter, Helmut Rahn und den anderen tüchtigen Recken von Bundestrainer Sepp Herberger, die am 4. Juli 1954 die hochfavorisierte ungarische Mannschaft im Endspiel von Bern bezwangen. Jeder Spieler bekam hierfür neben der Unsterblichkeit seines Namens 2000 Mark Prämie vom DFB überwiesen. Das war damals beinahe schon nobel vom Verband, denn in Deutschland wurde die Tugend des Amateurfußballs gepflegt. Sportler für ihre Leistungen zu bezahlen, galt beinahe als unanständig.

 
 Von den Tugenden der frühen Jahre blieb schon bald nicht mehr viel übrig. Nationalspieler bekamen für große Leistungen nicht mehr nur ein wohlwollendes Taschengeld, sondern eine vor jedem Turnier ausgehandelte Erfolgsprämie. Die Weltmeister von 1974 erhielten so schon etwa 30.000 Euro die Titelträger von 1990 über 60.000 Euro vom DFB überwiesen. Der vorläufige Höhepunkt wird bei der EM 2004 in Portugal erreicht: Für den Titelgewinn kassiert jeder Spieler der aktuellen deutschen Nationalmannschaft 100.000 Euro.

Michael Ballack 2004, Foto: dpa
Nationalspieler Michael BallackVergößern
Oliver Kahn, Foto: dpa
Oliver Kahn verdient angeblich über 7 Millionen Euro im Jahr.
Gehalt: Von 320 Mark auf 7.000.000 Euro

Dabei stemmte man sich hierzulande lange gegen die Kommerzialisierung des Fußballs. Länger als anderswo blieben die Spieler im Amateurstatus, weil der DFB in der höchsten deutschen Spielklasse keine Profis erlaubte. Erst 1950 lockerte der Verband seine Bestimmungen und führte für die Oberliga den Vertragsspieler ein, ein Mittelding zwischen Profi und Amateur. Als Gehaltsobergrenze wurden 320 Mark monatlich festgelegt. 1963 - nach Gründung der Bundesliga - stockte man die Bezugsobergrenze noch einmal auf 1200 Mark auf, bis die Deckelung 1970 endgültig aufgehoben wurde. Heute verdienen Spitzenfußballer bis zu sieben Millionen Euro pro Jahr alleine an Gehalt, hinzu kommt das Geld aus eigenen Werbeverträgen. "Fußball ist Geschäft. Und Geschäft ist Geschäft", bemerkte Uli Hoeneß bereits 1974. Für die Elf-Freunde-Romantik vergangener Jahre bleibt da nicht mehr viel Platz.

 
 TV-Gelder: Von 9 auf 355 Millionen Euro

Den größten Schub in finanzieller Hinsicht bekam der deutsche Fußball durch die privaten TV-Sender. Als 1988 erstmals seit Bestehen der Bundesliga mit RTL ein Privatsender die Übertragung der Bundesliga übernahm, steigerten sich die Einnahmen aus dem TV-Geschäft für den DFB auf Anhieb um mehr als 100 Prozent auf über 20 Millionen Euro pro Saison. Was folgte und letztendlich in der Kirchkrise gipfelte, war eine aus dem Ruder laufende Preisspirale nach oben. Kurz vor dem Crash überwiesen Premiere und Sat.1 rund 355 Millionen Euro auf das Konto der Deutschen Fußball Liga (DFL). Nach der Pleite reduzierten sich die Bezüge der DFL aus dem Fernsehgeschäft auf immerhin noch 280 bis 290 Millionen.

ARD-Kameramann, Foto: dpa
ARD-Kameramann im StadionVergößern
Trikotwerbung bei Bayern München, Foto: dpa
Nicht wegzudenken: Trikotwerbung bei Bayern MünchenVergößern
Trikot-Werbung: Von 100.000 Mark auf 20.000.000 Euro

Bis zum 24. März 1973 war der Platz auf der Brust der deutschen Fußballer den Vereinswappen vorbehalten. Als die Mannschaft von Eintracht Braunschweig aber an jenem Samstag gegen Schalke 04 den Platz betrat, hatte sich für den Profi-Fußball hierzulande etwas Entscheidendes verändert. Die Spieler trugen statt des Emblems ihres Clubs Schriftzug und Logo der Kräuterlikörfirma Jägermeister auf der Brust. Der erste Trikotsponsor in der Geschichte des deutschen Fußballs überwies der Eintracht dafür 100.000 Mark auf das leere Vereinskonto. Ein Meilenstein für den deutschen Fußball. Heute ist das Geld aus der "Werbung am Mann" aus den Etats der Vereine nicht mehr wegzudenken. Auf etwa 100 Millionen Euro summieren sich die Einnahmen der 18 Bundesligisten aus dem Trikotsponsoring; Branchenprimus Bayern München erhält von der Deutschen Telekom alleine 20 Millionen.

 
 Schulden: Von 25 auf über 500 Millionen Euro

Parallel zu den ständig steigenden Einnahmen ging die Verschuldung vieler Vereine vonstatten. Wiesen die Clubs in den frühen 80er Jahren noch eine erträgliche Schuldenlast von circa 25 Millionen Euro aus, so explodierten die Verbindlichkeiten bis heute auf geschätzte 500 Millionen. Prominenteste Beispiele für das Missmanagement vergangener Jahre sind Borussia Dortmund und der 1. FC Kaiserslautern. Der BVB hat die aus dem Börsengang generierten Millionen bereits verpulvert und muss nun nach Saisonabschluss einige Spieler verkaufen, um die Gläubiger bedienen zu können. Dem Traditionsclub aus der Pfalz droht bei Abstieg aus dem Fußball-Oberhaus sogar das endgültige Aus.

Michael Meier, Foto: dpa
Michael Meier, Manager von Borussia DortmundVergößern
 Kanzler Schröder: "Fußball ist nicht nur Geschäft"

Manch einen beschleicht hin und wieder das Gefühl, die finanziellen Interessen treten bei Fußballern, Vereinsbossen und Funktionären zu sehr in den Vordergrund. So hängte Ex-Nationalspieler Bernhard Dietz seinen Trainerjob in Duisburg an den Nagel. Dies sei nicht mehr seine Welt, meinte der Europameister von 1980 frustriert. "Nagelt man einen Hunderter an die Latte, kann man sicher sein, dass die Spieler den treffen." Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder mahnte anlässlich des 40-jährigen Bundesliga-Jubiläums im August 2003, der Kommerz dürfe den Fußball nicht kaputt machen. Der Profifußball, so der Regierungschef, sei nicht nur Geschäft. Im Vordergrund stehe immer noch das Spiel, auf das sich die Menschen in Deutschland Woche für Woche freuten.

 
 

 
 Markus Wessel

 

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