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Etikett vom SWR Foto: SWR

Ernährung

Erziehung fängt beim Essen an

Einen Keks zum Probieren hier, ein Lutscher als Geschenk da. Eltern können sich kaum gegen die ihren Kindern ständig hingehaltenen Süßigkeiten wehren. Überall bunte Verpackungen und zusätzlich der Kindergeburtstag mit Pommes und Burger. Seinen Kindern eine vernünftige Ernährung zu vermitteln, scheint fast unmöglich.

Schon im Kleinkindalter findet die Geschmacksprägung statt. Danach entscheidet das direkte Umfeld der Kinder über geschmackliche Vorlieben oder Abneigungen. Ernährungsexpertin Petra Renner-Weber erklärt: "Man weiß, dass sich die Abneigungen der Mutter überdurchschnittlich oft auf die Kinder übertragen."

Was die Mutter dagegen oft anbietet, prägt den Geschmack ganz enorm. Also: Was man oft isst, mag man. Wenn immer wieder auf aromatisierte Produkte zurückgegriffen wird, also beispielsweise Breie oder Joghurt mit Vanillegeschmack oder auch Halbfertig- und Fertigprodukte, die stark gewürzt sind und die viel Glutamat enthalten, geht die Geschmacksprägung des Kindes ganz stark in diese Richtung. Es wird diese Produkte frischen immer vorziehen.

Eltern und Schule als Vorbild

Nur was Eltern ihren Kindern selbst vorleben, übernehmen die Sprösslinge auch. Außerdem helfen Kinder gern beim Kochen. Und Broccoli oder Möhrensalat schmecken viel besser, wenn man sie selbst zubereitet hat.

"Eltern können die kindliche Neugier auch bei der Ernährungserziehung nutzen," rät Ernährungsberaterin Melanie Busch. Sie leitet seit drei Jahren die Kinderküche in der Ganztagesschule "Boos von Waldeck" in Zell/Mosel. Mit den Schülern macht sie Halloweenpizza, Paprikaboote und Möhrenmäuse - oder einfach Grießpudding. "Die sind gerade in einem Alter, wo sie super gerne ausprobieren, wo sie viele Sachen auch erforschen wollen, mit allen Sinnen. Auch alles, was mit Händen zu erfassen ist," meint sie.

Und während die Schüler schnippeln und kochen, erfahren sie nebenbei, dass sie Äpfel besser ungeschält essen, weil die meisten Vitamine direkt unter der Schale sitzen. Am Ende der Kochstunde machen sich alle Kinder mit großem Appetit über ihr Essen her und schwärmen, wie lecker Paprika, Vollkornbrot und Gurken sind.

Mädchen isst Eis am Stiel Foto: Picture-Alliance/Sander

Die Esserziehung sollte langfristig orientiert sein: Ab und an Süßes ist in Ordnung

Die gesunde Mischung macht's

Wer Essen interessant macht und früh beginnt, seinen Nachwuchs beim Einkaufen und Kochen mit einzubeziehen, der braucht sich keine übermäßigen Sorgen um das Essverhalten seiner Kinder machen. Der Erziehungsstil der Eltern spiegelt sich in der Ernährung. Sind Kinder an klare Regeln gewöhnt, dann stellen sie die auch beim Essen nicht in Frage.

"Übertreiben muss man es aber nicht," beschwichtigt Renner-Weber: "Einmal am Tag Schokolade essen ist okay, aber nicht ständig." Wichtig sei, dass man als Eltern flexibel reagiert und nicht gleich Panik bekommt, wenn Kinder irgendwo mal etwas mehr zugreifen. Das passiere einem selber ja auch manchmal. Essen muss nicht jeden Tag perfekt sein. Essen soll im Zeitraum von rund vier Wochen im Schnitt ausgewogen sein.

Projekt mit Erfolg

Weil die Kinderküche zu den beliebtesten Projekten an der Grundschule in Zell gehört, will der Schulleiter demnächst eine tägliche Obst- und Gemüsepause machen. Dazu werden einige Schüler beispielsweise Apfelspalten und Paprikastreifen vorbereiten und ihren Klassenkameraden anbieten. Dass die Kinder da nicht widerstehen können, steht für Ernährungsberaterin Busch fest. Mundgerechte Bissen verführen viel mehr zum Zugreifen als etwa ein ganzer Apfel. Und wer mehr vom Grünzeugteller nascht, der greift automatisch weniger zu Süßigkeiten.

Autorin: Sabine Schütze

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swr | Stand: 04.04.2007
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