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Etikett vom WDR Foto: WDR

Kommentar

Kinder sind ... jetzt schon da!

Kinder sind Zukunft, klar, wer würde da widersprechen. Wir alle brauchen die nachwachsende Generation, als Arbeitnehmer, als Rentenzahler, Vereinsmitglieder. Und, oh Schreck, wenn die Leute kaum noch Kinder bekommen, dann muss natürlich was passieren. Ein Kommentar von Bergit Fesenfeld.

Das Thema Kinder- und Familienpolitik hat Hochkonjunktur. Gut so, es hat endlich das Image von "Gedöns" verloren, wird plötzlich zu den "harten" Politikthemen gerechnet. Da freuen sich all' diejenigen, die bisher sozusagen mit in "Sippenhaft" genommen wurden, die zum Beispiel als Sozialarbeiter oder Kinderbeauftragte darunter gelitten haben, dass sie - wie die Kinder in dieser Gesellschaft - einfach nicht ernst genommen wurden. Die UNO hat einmal in einer offiziellen Stellungnahme zur deutschen Kinderpolitik das "Herzblut", die Leidenschaft für Kinder hierzulande vermisst. Da ist was dran.

Mogelpackungen

Alle Verantwortlichen argumentieren vor allem mit Zahlen und neuen Vorschriften, von denen sicher jede für sich notwendig ist. Natürlich ist es richtig gut, dass wir endlich im Gesetz stehen haben, dass Kinder gewaltfrei zu erziehen sind. Natürlich sind mehr Kinderbetreuungsplätze wichtig. Aber: Auch unser vergleichsweise reiches Land schafft es bisher nicht, eine nachhaltige Politik für Kinder zu machen. Da gibt es jede Menge Kompetenzgerangel zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, und am Ende bleiben die Interessen der Kinder dann doch auf der Strecke.

Da werden wunderbare Konzepte verkündet, aber niemand weiß, woher die Planstellen für das notwendige zusätzliche Personal kommen sollen. Frühwarnsysteme etwa, die Kindesvernachlässigung verhindern sollen, funktionieren aber eben nur dann, wenn ausreichend Fachleute da sind, die sich vernetzen und schnell aktiv werden, und das nicht nur in Vorzeigemodell-Regionen, sondern flächendeckend. Alles andere sind Mogelpackungen.

Experten in eigener Sache

Wenn Deutschland tatsächlich ernst nehmen würde, was es 1992 mit der UN-Kinderrechtskonvention unterschrieben hat, nämlich bei allen politischen Entscheidungen die Interessen der Kinder vorrangig zu berücksichtigen, dann wäre vieles anders. Dann gäbe es Umweltgrenzwerte, die an den Bedürfnissen kleiner Menschen im Kinderwagen orientiert sind. Dann gäbe es auch gleiche Chancen für Flüchtlingskinder. Dann hätten Kinder in jedem Ort die Möglichkeit, sich an der Stadtplanung zu beteiligen.

Wahrscheinlich gäbe es dann mehr kindgerechte Spielflächen und rollstuhlgerechte Zugänge zu öffentlichen Gebäuden. Kinder sind nämlich pragmatisch. Und wenn sie sehen, dass ihr behinderter Freund nicht in die Stadtbücherei kommt, werden sie sauer und handeln, ohne wie die Erwachsenen an alle Wenns und Abers zu denken. Kinder sind Experten in eigener Sache.

Kinder ernst nehmen

Wenn wir die Zukunft sichern wollen, dann müssen wir Kinder viel häufiger fragen und vor allem ihre Antworten ernst nehmen. Das käme übrigens auch den Erwachsenen zugute, denn alles, was Kindern nutzt, das nutzt auch den Großen: vom Unweltschutz bis zur sozialen EU-Politik. Einen Haken hat dieses Argument allerdings: Es verführt dazu, sich um die Kinder nur deshalb mehr zu kümmern, weil es uns Großen etwas bringt. Wir sollten begreifen, dass Kinder nicht nur die Zukunft sind. Sie sind jetzt schon da. Sie haben das Recht darauf, von der ersten Minute an in ihrer Würde geachtet zu werden. Sie haben das Recht auf eine lebenswerte Zukunft. Und WIR müssen sie schaffen.

Ein Kommentar von Bergit Fesenfeld

Weitere Informationen zum Thema:


wdr | Stand: 04.04.2007
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