Wir sind eins. ARD
Essen ist Leben. ARD-Themenwoche 2010 vom 23. bis 29. Oktober

ARD-Themenwoche 2010 - 23. bis 29. Oktober

Wir wissen alles was wichtig ist, über unser Essen, doch wir verhalten uns anders. Das ist OK, denn ständige Kontrolle ist auch ungesund. Ein Kommentar von Werner Eckert, Leiter der SWR-Redaktion Umwelt und Ernährung.

Mal ganz ehrlich, eine der wenigen Gewissheiten, die es beim Thema Ernährung gibt, ist: Wer auf Dauer nichts isst, der lebt ungesund. Am Ende stirbt er sogar.

Also: Essen ist besser als nichts essen. Das ist kein Freibrief, aber im Grund weiß doch fast jeder halbwegs intelligente Mensch, wie und was er essen sollte. Wenn Sie und ich das nicht tun, dann doch deshalb, weil wir nicht wollen. Die schönste Ausrede ist dann: Wer weiß, ob nicht auf dem Salat Pestizide sind und die Tomaten umweltschädlich in Spanien angebaut wurden. Und ist es nicht so, dass die Schweine allzu oft aus der so genannten Massentierhaltung kommen, Hühner nicht artgerecht gehalten werden und selbst Bio-Äpfel gespritzt sind? Ja, ja, ja!

Nur: Wir leben nicht im Paradies, nicht in einer Wunschwelt. Ein 80 Millionen Volk, eine Welt mit sechs ein halb Milliarden Menschen, da ist ein bisschen Realismus angebracht – ein Kompromiss hier und da. Wer nach absolut artgerechter Hühnerhaltung ruft, der muss Tiere alter Rassen in Kleingruppen halten, mit Auslauf und mit 100 Meter Abstand zur nächsten Gruppe. Da reicht unser Platz nicht mal für das Frühstücksei, geschweige denn für die versteckten Eier in Nudeln, Pudding und Kuchen. Und im Winter wird die Ware noch knapper. Wer absolute Regionalität und Umweltverträglichkeit beim Gemüse einklagt, der muss in den nächsten Monaten mit Sauerkraut und Möhren vorlieb nehmen. Tomaten sind jetzt einfach nur dann zu haben, wenn sie in Spanien unter Folie wachsen.

Spaghetti mit Hackfleischsoße. Foto: colourbox.comNicht ohne totes Tier zu haben - Spaghetti mit Sauce bolognese. Auch wenn das vielen Menschen weh tut: Selbst Hackfleisch für die Bolognese-Soße gibt’s nur, wenn dafür ein Tier geschlachtet wurde. Und das hat nicht ein erfülltes Leben unter Gottes freiem Himmel gelebt. Es ist ziemlich effizient gemästet worden. Weil wir eben mehr als nur einmal in der Woche Fleisch essen wollen.

Schütten wir also nicht das Kind mit dem Bade aus: Missstände in der Landwirtschaft gehören angeprangert. Aber wenn wir uns nur noch voll Ekel über unser täglich Essen beugen, dann ist das bestimmt nicht gut für die Verdauung.

Genau so wenig wie die ständige Konzentration auf gesundes Essen. Der Glaube, jeder von uns müsse nur die richtigen Nahrungsmittel zur richtigen Zeit zu sich nehmen, um 100 Jahre alt zu werden, der verursacht nur – lebensverkürzenden – Stress und paranoides Sektierertum. Wir sind ziemlich robuste Allesfresser. Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, sagte meine Oma. Wer nicht übertreibt, der kann sich genau daran halten.

Ein Kommentar von Werner Eckert,  SWR

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