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Essen ist Leben. ARD-Themenwoche 2010 vom 23. bis 29. Oktober

ARD-Themenwoche 2010 - 23. bis 29. Oktober

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Ein großer Teil der produzierten Lebensmittel landet auf dem Müll, Fleischkonsum ist häufig ethisch nicht vertretbar und außerdem essen wir häufig zu viel oder das Falsche. Die ARD-Themenwoche “Essen ist Leben” hat uns den Blick auf viele Ernährungsprobleme geöffnet. Doch was tun? Wie können wir uns im Alltag verantwortungsbewusst ernähren? Tipps, die Ihnen helfen sollen, einen Beitrag zur besseren Ernährung zu leisten.

Zweifellos: es gibt Probleme. Wir verschwenden und vernichten Lebensmittel. Wir quälen Tiere für unsere Luxusernährung. Dabei liefern uns die Ernährungswissenschaften oft nur Widersprüchliches  zur gesunden Ernährung. Selbst wo Bio draufsteht ist nicht immer Bio drin. Und nun? Widersprüche aushalten, lautet das Motto. Bewußt mit Essen umgehen, aber keine Ideologie daraus machen. Natürlich macht es weiterhin Sinn, auf die Saisonalität von Lebensmitteln zu achten. Einschlägige Kalender für Obst oder Gemüse gibt’s genügend. Äpfel im Herbst, Rosenkohl im Winter, und dann freuen wir uns auf die ersten Spargel im Frühsommer. Saisonalität ist doch nicht primär Verzicht – im Gegenteil: es ist die Chance, sich auf etwas zu freuen.

Luxuskonsum kompensieren

Wenn wir aber trotzdem unbedingt an Weihnachten ein paar Erdbeeren essen wollen? Erste Frage: Geht nicht auch was anderes? Wenn die Antwort lautet: “Erdbeeren, bitte, jetzt!”, dann sollten wir uns halt a) nicht grämen, wenn diese Früchte dann nicht so lecker schmecken wie frisch vom heimischen Feld im Juni. Außerdem könnten wir b) darüber nachdenken, den zusätzlichen Energieaufwand für den Transport über weite Entfernungen zu kompensieren, etwa bei Atmosfair. Die erzeugen dann etwa aus Resten der Senf-Ernte in Indien grünen Strom. Mit 40 Euro lässt sich auch kompensieren, was wir im Lauf eines Jahres für unser Essen an Kohlendioxid freisetzen: durchschnittlich 1,65 Tonnen Treibhausgas.

Bio ist oft die bessere Wahl

Vermeiden ist dennoch besser als kompensieren. Regionale Produkte verkürzen Transportwege und mindern damit Emissionen, das gilt zumindest während der jeweiligen Saison. Ebenfalls im Grundsatz richtig: Biogemüse ist weniger pestizidbelastet wie konventionelle Produkte. Auch hier haben wir Handlungsmöglichkeiten.

Nur sollten wir nicht denken, Biobauern wären Heilige und ein Biohof das letzte Refugium der heilen Welt. Auch ein Biobetrieb kann tausende Rinder auf Betonböden halten. Das muss deshalb nicht zwingend Tierquälerei sein. Umgekehrt waren es gerade Bio-Kleinbetriebe, die sich lange gegen die Abschaffung der quälenden Anbindehaltung der Kühe gewehrt haben. Auch hier gilt: die Richtung muss stimmen. Und da ist Bio oft die bessere Wahl, weil dort zumindest der Versuch gemacht wird, für einen höheren Preis nachweisbar nachhaltiger zu wirtschaften.

Bio ohne Siegel

Hingucken, nachfragen, das ist wichtig. Wo nicht Bio drauf steht, kann ja trotzdem Bio drin sein. Manche Winzer scheuen etwa schlicht die Kosten für die Mitgliedschaft in Bioverbänden, wirtschaften dennoch vielleicht sogar nachhaltiger als mancher Kollege mit Brief und Siegel. Deshalb: Hinschauen, Fragen stellen: Woher kommen die Rohstoffe? Was für Zutaten sind drin?  Gute Anregungen geben auch regelmäßig erscheinende Zeitschriften wie Test von Stiftung Warentest oder Ökotest. Oder bei Foodwatch.

Es gibt nicht “die” gesunde Ernährung

Im Internet finden sich eine Menge Informationsquellen, etwa der Ratgeber “Lebensmittel clever einkaufen” der Verbraucherzentralen. Dort sind eine Menge Tipps und Tricks zusammen gestellt, die dabei helfen, den Alltag nachhaltiger und das Essen gesünder zu gestalten. Aber auch dafür gilt: Widersprüche aushalten. Es gibt eben nicht “die” gesunde Ernährung. Darauf weist völlig zu Recht etwa der Ernährungswissenschafler Uwe Knop in seinem Buch “Hunger und Lust” hin. Wir können lernen, wieder besser in uns hinein zu horchen, um zu erfahren, was wir wirklich essen möchten.

Im Grunde weiß unser Körper meistens von selbst, was gut tut und was nicht. Und wenn er’s mal wieder nicht so genau sagen möchte, dann halt eben gerade nicht. Kein Grund zur Panik. Solche Widersprüche lassen sich aushalten.

Bei Mißständen: Politiker fragen

Eins noch: die Spielregeln der Lebensmittelindustrie sind menschengemacht. Manche gesetzliche Regelungen sind wenig verbraucherfreundlich. Oder enthalten viele Schlupflöcher für Betrügereien und zu milde Strafen. Wäre es anders, gäbe es nicht so häufig Lebensmittelskandale. Warum also nicht bei Gelegenheit beim Bundestagsabgeordneten des Vertrauens nachfragen: Wieso muss in Kalbsleberwurst kein Kalbfleisch drin sein? Und wieso enthält Schokopudding nur ein Prozent Kakao? Wieso gibt es keine übersichtliche Kennzeichnung der Nahrungsmittel, nur so viel Kleingedrucktes? Menschen wie Foodwatch-Chef Thilo Bode schreiben Bücher wie “Die Essensfälscher. Was uns die Lebensmittelkonzerne auf die Teller lügen.”  Essen muss auch Herr Bode. Wetten, dass es ihm trotz des vielen Wissens um Missstände meistens schmeckt? Und das ist gut so.

Ein Beitrag von Axel Weiß, SWR Redaktion Umwelt und Ernährung

  1. 3

    Udo Dageroth 14.11.2010 | 14:16 Uhr

    GRATULATION!! Diese Themenwoche war brillant und bitter notwendig!!! Sie sollte zu einem wiederkehrenden Format entwickelt werden!!! Bitte weiter so... u.d.

  2. 2

    Friedrich Henstorf 09.11.2010 | 15:13 Uhr

    Ihre Themenwoche war wirklich sehens- und hörenswert! Leider haben Sie die wichtigsten Themen zu nachtschlafener Zeit gesendet, und nicht jeder nimmt sie dann über einen Recorder auf. Daher meine Bitte: Wiederholen Sie bei Gelegenheit im Abendprogramm die Beiträge über die Tieraufzucht und besonders die Machenschaften von Monsanto bezüglich Saatgutmonopol und Pestizidanwendung! Jeder Verbraucher, der glaubt, besonders billig einzukaufen, sollte die Folgen für Mensch, Tier und Umwelt kennen. FH (...) bei Gelegenheit im Abendprogramm die Beiträge über die Tieraufzucht und besonders die Machenschaften von Monsanto bezüglich Saatgutmonopol und Pestizidanwendung! Jeder Verbraucher, der glaubt, besonders billig einzukaufen, sollte die Folgen für Mensch, Tier und Umwelt kennen. FHMehr zeigenweniger zeigen

  3. 1

    Birgit Brinkmann 08.11.2010 | 16:54 Uhr

    Ich denke, dass man sich in Zukunft mehr auf wildwachsende, regionale Ressourcen konzentrieren sollte. Gerade im Hinblick auf Nahrungsmittel gibt es in der Natur gigantische, bisher nicht genutzte Mengen an Lebensmitteln. (...) Die Herausforderung besteht darin neue, schmackhafte Nahrungsmittel zu kreiren, die keinen "Fleischersatz" im negativen, plagiativen Sinne, sondern Geschmackserlebnisse für ein neues Ernährungszeitalter bieten.Mehr zeigenweniger zeigen