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Essen ist Leben. ARD-Themenwoche 2010 vom 23. bis 29. Oktober

ARD-Themenwoche 2010 - 23. bis 29. Oktober

Nach neuen Erkenntnissen gilt inzwischen jeder Zweite in den westlichen Industrieländern als übergewichtig: In Deutschland sind 60 Prozent der Männer zu dick, bei den Frauen sind es 45 Prozent, zudem sind immer mehr Kinder betroffen. Eine neue OECD-Studie hat festgestellt, dass Fettleibigkeit (Adipositas) zur neuen Volkskrankheit Nummer 1 wird.

Übergewichtige belasten nicht nur sich selbst, sondern nach Ansicht der OECD vor allem die Gesundheitssysteme: Sie sind öfter und schwerwiegender krank, durchschnittlich sterben sie acht bis zehn Jahre früher; Fettleibige finden zudem schwerer einen Job, leben also häufiger  auf Kosten der Sozialsysteme.

Deutschlands Jugend wird zum Schwergewicht

Kind beißt in Burger (Bild: picture-alliance/dpa)Für Kids oft das Größte: ein Hamburger Der Teufelskreis beginnt bereits im Mutterleib. Babys werden bei der Geburt immer schwerer, sind besser genährt. Kinder, bei denen mindestens ein Elternteil übergewichtig ist, haben ein vierfach erhöhtes Risiko, ebenfalls zu dick zu werden. Deutschlands Jugend wird zum Schwergewicht: 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren sind laut der KIGGS-Studie des Robert-Koch-Institus zu dick, ein Drittel davon gilt gar als adipös. Das entspricht etwa 1,9 Millionen übergewichtigen Kindern und Jugendlichen, darunter 800.000 mit Adipositas. Das sind Steigerungen um mehr als die Hälfte innerhalb von nur 20 Jahren!

Die Fettsucht-Epidemie

Die Folgen: Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle – auch schon bei Jugendlichen. Übergewicht und Fettleibigkeit gehören inzwischen in allen Altersgruppen zu den größten Risikofaktoren in Industriestaaten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht bereits von einer Fettsucht-Epidemie. Die Zahl der Übergewichtigen insgesamt hat sich seit 1990 verdreifacht. Die WHO geht davon aus, dass bis zum Jahr 2015 weltweit etwa 2,3 Milliarden Menschen übergewichtig und rund 700 Millionen adipös sein werden.

Futtern vor der Flimmerkiste

Kinder und Vater futtern vorm Fernseher (Bild: picture-alliance/dpa)Vor dem Fernseher essen Kinder häufig Süßigkeiten und Fertiggerichte. Ausgewogene Ernährung von Anfang an wird seit langem propagiert, die Ratgeberbücher füllen ganzen Bibliotheken. Angefangen mit dem Plädoyer für die  Muttermilch oder  selbst gekochten Brei bis hin  zum Appell für ein gesundes Pausenbrot.  Dennoch konsumiert der Nachwuchs immer öfter Instantsuppen, Fischstäbchen, Dosenravioli und Tiefkühlpizza. Viel zu viele Fertiggerichte bestimmen den Lebensalltag der Kleinen, häufig werden Unmengen von Süßigkeiten genascht – am liebsten vor der Flimmerkiste! Dazu kommen die Verlockungen der Fast Food-Ketten:  Dank coolem Spielzeug im  Happy Meal oder Kids Menü wird der Cheeseburger leicht unters Kindervolk gebracht! Und was Hänschen schon gern mag, mag Hans umso mehr …

Die Politik ist gefragt

Die OECD appelliert an die Gesundheitsminister der Mitgliedsstaaten, dringend etwas gegen den Trend zu tun. Eine Kultur mit gesundem Essen und einem aktiven Lebensstil müsse etabliert, populäre Aufklärungskampagnen müssten gestartet werden. Die Bundesregierung zum Beispiel stellt bereits jährlich fünf Millionen Euro für den “Nationalen Aktionsplan IN FORM” zur Verfügung – damit soll die Bevölkerung zu besserem Essen und mehr Bewegung angehalten werden. Doch ein Schulfach “Ernährung” wäre da sicher sinnvoller. Nach Ansicht der OECD-Experten jedenfalls kann  die Politik “neue Werte festigen für das, was Menschen als einen gesunden Lebensstil ansehen”.

Ein Beitrag von Ulrike Herm, BR