
Nach neuen Erkenntnissen gilt inzwischen jeder Zweite in den westlichen Industrieländern als übergewichtig: In Deutschland sind 60 Prozent der Männer zu dick, bei den Frauen sind es 45 Prozent, zudem sind immer mehr Kinder betroffen. Eine neue OECD-Studie hat festgestellt, dass Fettleibigkeit (Adipositas) zur neuen Volkskrankheit Nummer 1 wird.
Übergewichtige belasten nicht nur sich selbst, sondern nach Ansicht der OECD vor allem die Gesundheitssysteme: Sie sind öfter und schwerwiegender krank, durchschnittlich sterben sie acht bis zehn Jahre früher; Fettleibige finden zudem schwerer einen Job, leben also häufiger auf Kosten der Sozialsysteme.
Für Kids oft das Größte: ein Hamburger Der Teufelskreis beginnt bereits im Mutterleib. Babys werden bei der Geburt immer schwerer, sind besser genährt. Kinder, bei denen mindestens ein Elternteil übergewichtig ist, haben ein vierfach erhöhtes Risiko, ebenfalls zu dick zu werden. Deutschlands Jugend wird zum Schwergewicht: 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren sind laut der KIGGS-Studie des Robert-Koch-Institus zu dick, ein Drittel davon gilt gar als adipös. Das entspricht etwa 1,9 Millionen übergewichtigen Kindern und Jugendlichen, darunter 800.000 mit Adipositas. Das sind Steigerungen um mehr als die Hälfte innerhalb von nur 20 Jahren!
Die Folgen: Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle – auch schon bei Jugendlichen. Übergewicht und Fettleibigkeit gehören inzwischen in allen Altersgruppen zu den größten Risikofaktoren in Industriestaaten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht bereits von einer Fettsucht-Epidemie. Die Zahl der Übergewichtigen insgesamt hat sich seit 1990 verdreifacht. Die WHO geht davon aus, dass bis zum Jahr 2015 weltweit etwa 2,3 Milliarden Menschen übergewichtig und rund 700 Millionen adipös sein werden.
Vor dem Fernseher essen Kinder häufig Süßigkeiten und Fertiggerichte. Ausgewogene Ernährung von Anfang an wird seit langem propagiert, die Ratgeberbücher füllen ganzen Bibliotheken. Angefangen mit dem Plädoyer für die Muttermilch oder selbst gekochten Brei bis hin zum Appell für ein gesundes Pausenbrot. Dennoch konsumiert der Nachwuchs immer öfter Instantsuppen, Fischstäbchen, Dosenravioli und Tiefkühlpizza. Viel zu viele Fertiggerichte bestimmen den Lebensalltag der Kleinen, häufig werden Unmengen von Süßigkeiten genascht – am liebsten vor der Flimmerkiste! Dazu kommen die Verlockungen der Fast Food-Ketten: Dank coolem Spielzeug im Happy Meal oder Kids Menü wird der Cheeseburger leicht unters Kindervolk gebracht! Und was Hänschen schon gern mag, mag Hans umso mehr …
Die OECD appelliert an die Gesundheitsminister der Mitgliedsstaaten, dringend etwas gegen den Trend zu tun. Eine Kultur mit gesundem Essen und einem aktiven Lebensstil müsse etabliert, populäre Aufklärungskampagnen müssten gestartet werden. Die Bundesregierung zum Beispiel stellt bereits jährlich fünf Millionen Euro für den “Nationalen Aktionsplan IN FORM” zur Verfügung – damit soll die Bevölkerung zu besserem Essen und mehr Bewegung angehalten werden. Doch ein Schulfach “Ernährung” wäre da sicher sinnvoller. Nach Ansicht der OECD-Experten jedenfalls kann die Politik “neue Werte festigen für das, was Menschen als einen gesunden Lebensstil ansehen”.
Ein Beitrag von Ulrike Herm, BR
Was kann die Politik gegen die zunehmende Fettleibigkeit unternehmen? Kommentieren Sie!
93 Meinungen zu diesem Thema … Meinungen schließenMeinungen öffnen
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Essen ist Leben - Die Essensfälscher und email an Bertolli... | 01.11.2010 | 14:15 Uhr
[...] Rahmen der Themenwoche “Essen ist Leben” der ARD machte mich meine Kollegin auf die Sendung mit Tim Mälzer: “Deutschland isst … mit Tim [...]
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crahan 31.10.2010 | 01:38 Uhr
Fettleibigkeit hat m.E. nur mit falscher Ernährung (FastFood, Fertiggerichte etc.) zu tun, selbst frisch kochen ist preiswerter, gesünder und macht auch noch Spaß, denn wer Spaß am Essen hat, sollte das auch beim Kochen (...) haben. Dazu noch ein bischen Sport ist hilfreich und kann nicht schaden. Und die alte Weisheit f (riß) d (ie) H (älfte) gilt nach wie vor.Mehr zeigenweniger zeigen
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Marie-Louise G. 30.10.2010 | 13:49 Uhr
Unsere gesamte Familie dankt allen Mitarbeitern für die äußerst umfangreiche Recherche und die Vielfalt der Themen. Ich persönlich bin schwergewichtig und wäre interessiert an komprimierter Information dagegen. Ich (...) bin sehr informiert was die Essgewohnheiten beträgt, aber medizinisch weiß ich zu wenig. Ich wäre auch interessiert an einer medizinischen Aufklärung ohne erhobenen Zeigefinger und evtl. einer Jahresbegleitung, jedoch ohne Coach Honorare bezahlen zu müssen.Mehr zeigenweniger zeigen
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Tatjana 30.10.2010 | 13:06 Uhr
Diese Themenwoche ist großartig!Der ständig steigende Konsum macht mich wahnsinnig und ich hoffe sehr, dass viele Menschen durch diese Themenwoche zum Nachdenken gebracht wurden.Vielen Dank für ein interessantes (...) Programm!Mehr zeigenweniger zeigen
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Franz Leuthold 29.10.2010 | 13:53 Uhr
Warum ist das so?Kaum jemand findet sich schön, wenn er zu viel wiegt! Fertignahrung mit appetitanregenden Geschmacksverstärkern (neuerdings hinter der Bezeichnung "Hefeextrakt" versteckt, fördert die (...) Fettleibigkeit.Das Angebot schafft hier die Nachfrage - es läge in der Macht der Politik, für gesündere Nahrungsmittel zu sorgen. Bei der Macht der Lobbyisten scheint das unwahrscheinlich."Kummerspeck" wegen Sozialabbau und Aussicht.Nicht zuletzt sind unregelmäßige Mahlzeiten schuld.Mehr zeigenweniger zeigen
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