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Essen ist Leben. ARD-Themenwoche 2010 vom 23. bis 29. Oktober

ARD-Themenwoche 2010 - 23. bis 29. Oktober

Schlechte Ernte, guter Preis. Die Bauern rechnen in diesem Jahr wegen des schlechten Wetters mit deutlich weniger Ertrag. Deshalb ist es für die Landwirte jetzt umso wichtiger, ihr kostbares Gut zum richtigen Zeitpunkt zu verkaufen. Denn der Bauer von heute ist nicht nur Nahrungsmittelproduzent, sondern auch Börsen-Spekulant! Mit abstrusen Folgen …

Traktor (Bild: picture-alliance/dpa)Der Bauer muss heutzutage auch Spekulant sein. Vorbei sind die Zeiten, als der Getreidepreis hierzulande kaum schwankte und die Landwirte ihre Ware sicher loswurden.  Vater Staat kaufte große Mengen Getreide auf und lagerte diese ein. Die Politik wollte die Ernährung der Bevölkerung sichern und den Preis für die Landwirte stützen. Die Folge: Überproduktionen mit Getreidebergen, Milchseen etc. Die EU hat deshalb in den 90er Jahren angefangen, ihre Agrarpolitik zu reformieren. Die Bauern werden jetzt unabhängig davon subventioniert, wie viel sie produzieren – also zum Beispiel anhand der bearbeiteten Fläche.

Dazu kommt, dass seit einigen Jahren Kapitalanleger und Indexfonds die Rohstoff- und Agrarmärkte als Weg für schnellen Profit entdeckt haben – verstärkt seit der Finanzkrise 2008 als die Investition in Sachwerte an Bedeutung gewann. Zudem wird vor allem Getreide immer öfter an Tiere verfüttert – wegen des gestiegenen Fleischbedarfs – und zu Biosprit verarbeitet.

Nun müssen sich die Landwirte an der globalen Nachfrage orientieren  – und mit den Unwägbarkeiten der Börse und stärker schwankenden Preisen zurechtkommen. Der moderne Bauer sitzt nun desöfteren am heimischen Computer und beobachtet das internationale Treiben an den Getreidebörsen. Denn verkaufen will er erst, wenn der Preis stimmt. Als in den vergangenen Wochen der Weizenpreis explodierte, freuten sich die Landwirte  - und die Bäcker! Diese erhöhen nun die Preise für Brot und Kuchen.

Leere Speicher, steigende Nachfrage

Rohstoffbörse in New York (Bild: picture-alliance/dpa)An den Rohstoffbörsen geht's heiß her. An den Agrarbörsen spielen heute viele Faktoren eine Rolle: der Wechselkurs des Dollars, der Mineralölpreis und natürlich das weltweite Angebot an Getreide. Sind die Speicher voll, geht der Preis runter. Dieses Jahr haben die Hitzewelle in Russland und der Regen in Europa für eine magere Ausbeute gesorgt – unterm Strich nicht dramatisch, doch allein die Schlagzeilen reichten, um Panik zu schüren.

Weltweit steigt zudem die Nachfrage nach Getreide, denn die Ernährungsgewohnheiten ändern sich rasch. Die Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern brauchen und wollen mehr Getreide. Explodieren die Preise für Grundlebensmittel, kann es dort wie 2008 in Haiti, Ägypten und Indien zu wütenden Protesten der Bevölkerung kommen. Vorboten einer sich verschärfenden Krise?

Schneller Profit für Anleger

Fest steht: Die Ressourcen an Land und damit für die Produktion von Lebensmitteln sind begrenzt. Immer intensiver muss gewirtschaftet werden mit immer mehr Einsatz von Wasser und Dünger. Für ein Kilo Weizen braucht man 1.300 Liter Wasser – ein ökologisches Desaster. Nachhaltiges, umweltfreundliches und sozial ausgewogenes Wirtschaften scheint aus dem Blick zu geraten. So wird das Grundnahrungsmittel Getreide schnell zum kostbaren Gut – mit unabsehbaren ökonomischen Folgen. Da niemand mehr voraussagen kann, wie sich die Preise an den Getreidebörsen entwickeln, ist dieser Markt für Spekulanten sehr interessant. Sie können dort ständig neue Wetten auf Preisschwankungen abgeben und schnellen Profit erzielen.

Die Politik will eingreifen

Nun fordert auch Bundesagrarministerin Ilse Aigner, den Spekulanten das Wasser abzugraben. Doch das geht nur international. Bis sich die Staatengemeinschaft allerdings auf wirksame Maßnahmen einigen wird – wenn überhaupt –  steigen die Preise, und damit der Profit für die Spekulanten und der Hunger in der Welt.

Ein Beitrag von Ulrike Herm, BR

Was meinen Sie? Was kann die Politik oder die Weltgemeinschaft machen, damit Lebensmittel auch für Arme erschwinglich bleiben?

  1. 21

    Landfrau 29.10.2010 | 09:52 Uhr

    Müßte jeder Spekulant den Weizen oder welchen Rohstoff auch immer abholen, einlagern und dann wieder wegtransportieren lassen könnte dieser ganzen Spekulationswut schnell ein Ende gemacht werden. Aber so lange alles nur (...) auf dem Papier gehandelt wird, wird sich am Spekulationsverhalten nichts ändern. Und alle Politiker in der Welt schauen diesem Treiben zu und unternehmen nichts. Letztendlich sind alle Bauern auf der Welt die leittragenden.Mehr zeigenweniger zeigen

  2. 20

    Max Straub 27.10.2010 | 19:44 Uhr

    Jedem/r der sich mehr mit der Thematik beschäftigen will, schlage ich vor, das Buch "Wie kommt der Hunger in die Welt?" von Jean Ziegler zu lesen. Jean Ziegler hat sich als Sonderberichtserstatter der (...) UN-Menschenrechtskommission intensiv mit der Hungerproblematik beschäftigt. Er schlägt u.a. vor, die Börse für landwirtschaftliche Produkte in Chicago zu schließen. Mein Vorschlag: Würdige Bezahlung aller Arbeit, Güter und Dienstleistungen sowie Begrenzung der wirtschaftlichen Macht (Demokratie)Mehr zeigenweniger zeigen

  3. 19

    Tagesfrau 26.10.2010 | 14:12 Uhr

    Wenn diese Spekulationsgewinne VERSTEUERT würden und diese STEUERN dann direkt in die ENTWICKLUNG der Länder, in denen die Not am größten ist, fließen würden... vielleicht wäre die Welt noch zu retten... aber die (...) einfachste Lösung: ein bedingungslose Grundeinkommen für ALLE MENSCHEN mittels LUXUSSTEUERN und jeder, der was verdienen will muss dafür ARBEITEN ... diese Arbeit wäre mit einem Mindestlohn bezahlt ... und dafür zahlt man STEUERN um die POLITIK DER MENSCHLICHKEIT unterzuordnen.Mehr zeigenweniger zeigen

  4. 18

    Sanne 26.10.2010 | 10:45 Uhr

    Mein Tip, das Buch von J.S. Foer "Tiere essen". Er bescheibt genau, wohin uns die Politik, die Konzerne mit ihrer Geldgier und wir unwissend gehaltenen Verbraucher mit unserem Verhalten führen. Die Themenwoche täte gut (...) daran, eine klare Stellung zu beziehen. Aber am Ende bestimmt eben doch das Geld.Mehr zeigenweniger zeigen

  5. 17

    wmül 25.10.2010 | 19:51 Uhr

    nun was darf ich denken? Ist die Börse überfordert? Wer sagt denn, dass die Ökonomie als Referenzmodell richtig ist. Meines Erachtens nach würde ich es mal versuchen die Kultur als Referenzmodell zu verwenden. Geld ist (...) ein Tauschmittel, und wenn man dieses mehr Bedeutung schenkt, ist hier wohl ein Denkfehler aktiv.Mehr zeigenweniger zeigen

  6. 16

    Genius 24.10.2010 | 12:51 Uhr

    Die Menschen verlernen das Handwerk. Die Folge: Alles wird nur noch von großen Stellen aus produziert und die haben dann alle und alles in Griff. Die Gier wird immer größer. Die Schere zwischen Arm und Reich wird (...) größer. Spekulanten ebnen wir den weg, weil wir immer bequemer werden. Es ist nicht schwer zu behaupten und man ist auch kein Prophet, wenn man sagt: Das nimmt ein böses Ende, da bin ich mir sicher!Mehr zeigenweniger zeigen

  7. 15

    Walter Alex 24.10.2010 | 11:01 Uhr

    Man muss den Hqandel von Nahrung, an der Börse, verbieten.

  8. 14

    VEBU 23.10.2010 | 23:51 Uhr

    Ich möchte Ihnen gerne eine Utopie vorstellen: Würden alle Menschen fleischlos leben, dann könnten wir 10 Mrd. Menschen ernähren. So viele wie wir 2050 sein werden. 10 kg Getreide ernährt pro Tag 14 Menschen, über (...) den Umweg Fleisch allerdings nur einen einzigen. Es ist genug für alle da - es müsste nur gerecht verteilt werden. Solange unsere "Nutztiere" direkt mit den 1 Mrd. Hungernden konkurrieren, solange wird sich nichts ändern. Weniger Konkurrenten würde evtl. eine Wende bedeuten.Mehr zeigenweniger zeigen

  9. 13

    Heinz-Friedbert Wedi 23.10.2010 | 23:25 Uhr

    Hallo,wann senden Sie, Tag Urzeit??

  10. 12

    Peter Seeger 22.10.2010 | 19:31 Uhr

    Der Ruf nach dem Staat kommt nur wenn Sachen zu teuer werden. Die Spekulanten sorgen aber auch dafür, dass sich viele Länder in den letzten Jahren einen sehr billigen Vorrat an Getreide anlegen konnten. Dazu gehört auch (...) die EU mit einigen millionen Tonnen Gerste und Weizen in ihren Lägern, die sie jetzt gewinnbringend verkaufen kann.Mehr zeigenweniger zeigen

  11. 11

    Dr.Food 21.10.2010 | 20:51 Uhr

    Wir leben (gewollt) in einer freien Marktwirtschaft und handeln mit Land, Öl, Emissionsrechten und eben auch mit Lebensmitteln; die Preise können nach oben oder nach unten gehen, die Händler können gewinnen und (...) verlieren. Sozialistische Planwirtschaft hatten wir gerade und dort war/ist die Lebensmittelversorgung noch unzureichender. Das Lebensmittelproblem in den armen Ländern resultiert aus der unendlichen Korruption in den jeweiligen Staaten und hat ihre Ursache nicht in den Warenterminbörsen.Mehr zeigenweniger zeigen

  12. 10

    oldiebutgoldie 21.10.2010 | 19:05 Uhr

    Es ist eine Frechheit und verwerflich, dass diese Börsen-Spekus die Preise in die Höhe treiben. Aber das ist ja so toll angesehen + die verdienen auch noch ein Vermögen daran-Wie prophezeite schon mein alter (...) BWL-Professor vor fast 40 Jahren-die Welt wird in einem Desaster enden-auf grund dieser ausbeutenden Börsianer.RECHT HATTE ER!!!!!!Mehr zeigenweniger zeigen

  13. 9

    Wahrheitssucher 21.10.2010 | 09:18 Uhr

    Soziale Marktwirtschaft muss politisch Auswüchse verhindern. Mit Grundnahrungsmitteln sollte nicht spekuliert werden dürfen. Es gibt doch genügend andere Spekulationsobjekte....

  14. 8

    Gerhard 21.10.2010 | 08:46 Uhr

    Ein Spekulant macht das Gleiche wie alle Kaufleute: kaufen und mit Gewinn verkaufen. Dazu muss er die Preise realistisch einschätzen. Das ist völlig in Ordnung. Problematisch wird es dann, wenn einzelne Spekulanten über (...) zu viel Marktmacht verfügen und den Markt in eine bestimmte Richung drücken können oder viele kleine Spekulanten den markt falsch einschätzen und eine Spekulationsplase entsteht.Mehr zeigenweniger zeigen

  15. 7

    Benjamin Scholl 20.10.2010 | 22:13 Uhr

    In welcher Welt leben eigentlich die Politiker?Es kann jawohl nicht wahr sein. Seit wann darf man mit dem Leben der 1 Millarde Menschen spielen, die jetzt schon hungern? Meiner Meinung nach muss die internationale (...) Gemeinschaft schnellstmöglich Spekualtionen im Nahrungsmittelbereich verbieten und die Subventionen für Landwirtschaft überarbeiten. Denn 85% der Ärmsten weltweit sind Kleinbauern, die man nicht mit der bis zu 25% subventionierten Nahrung aus z.B. der EU in den Ruin treiben darf!Mehr zeigenweniger zeigen

  16. 6

    Tom 20.10.2010 | 15:10 Uhr

    Ich bin wahrlich kein Freund der Finanzmärkte. Aber Spekulanten treiben Preise nicht nach oben, sie verdienen an steigenden UND fallenden Märkten gleichermaßen. Die Richtung ist ihnen egal, was sie brauchen, sind (...) Schwankungen. Und: Warum freut sich der Bäcker, wenn der Weizenpreis steigt?! Welcher Bäcker freut sich über teurere Einkäufe, die er seinen Kunden vielleicht gar nicht vermitteln kann? Er verdient auch nicht mehr, nur sein Umsatz steigt. So eine Behauptung halte ich für UnfugMehr zeigenweniger zeigen

  17. 5

    Andreas J. 15.10.2010 | 15:36 Uhr

    - Subventionen in den Industrieländern treiben Bauern in Afrika in den Ruin - Die Schweiz kauft ihr Getreide aus Indien, wo täglich Leute verhungern, und baut auf ihren Feldern Mais für Biotreibstoff an - In Deutschland (...) werden große Tiermastanlagen errichtet, in welchen Futtermittel aus Soja aus brasilianischen Regenwäldern verfüttert wird. Der globalisierte Nahrungsmittelmarkt ist weder frei noch gerecht. Und das nicht erst seit gestern.Mehr zeigenweniger zeigen

  18. 4

    Stefan 06.10.2010 | 20:38 Uhr

    Die Gesetzgebung aller Länder ist dazu zu verpflichten, Gesetze zu erlassen, die Spekulationsgeschäfte mit Grundnahrungsmitteln verbieten.

  19. 3

    Glückskind 03.10.2010 | 10:34 Uhr

    Es ist tragisch, mit anzusehen, wie z.B. im Tourismus & Gesundheitsland (!) Mecklenburg-Vorpommern ein führender Private Equity Investor (Gilde Buy Out Partners AG) mit Unterstützung der Politiker durch offensichtliche (...) Trickserein mehrfache Fördergelder für eine Mega-Hähnchenmastanlage (4,2 Mio Hähnchen/Jahr !) akquiriert; das Tafelsilber des Landes, nämlich die Naturlandschaft, aber nachhaltig geschädigt wird. Das Land und seine Bewohner haben nichts davon, ausser sozialisierte Kosten.Mehr zeigenweniger zeigen

  20. 2

    albrecht 25.09.2010 | 06:47 Uhr

    meiner meinung nach haben die finanzmärkte schon sehr lange die kontrolle über alles, was auf unserem planeten kreucht u. fleucht, die politiker haben nur noch die aufgabe, uns schön ruhig zu halten, damit wir nicht (...) aufmüpfig werden und den börsianern den tag vermiesen, man darf hier nicht erwarten, dass sich so ein geldhungriger börsenfuzzi plötzlich ein schlechtes gewissen macht wegen ein paar getreidehungriger afrikanern, denn wenn doch ...? naja- lauter flaschen keine richtigen männer !!Mehr zeigenweniger zeigen

  21. 1

    Hedwig 13.09.2010 | 12:37 Uhr

    Den Spekulanten das Wasser abzugraben, wird eine (fast) unlösbare Aufgabe sein. Wir sehen doch, dass die Finanzkrise 2008 dazu geführt hat, dass nach zwei Jahren schon wieder alle so weiter machen wie immer. Der freie (...) Markt ist eben für den Kapitalismus eine heilige Kuh!Mehr zeigenweniger zeigen