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Essen ist Leben. ARD-Themenwoche 2010 vom 23. bis 29. Oktober

ARD-Themenwoche 2010 - 23. bis 29. Oktober

Selbst Kinder können mit der Nährwertampel schnell erfassen, ob das Müsli viel oder wenig Zucker enthält. In den USA und Großbritannien werden viele Produkte mit der Ampel bedruckt; in Deutschland ist das nicht zu erwarten. Das EU-Parlament hat es abgelehnt, die Lebensmittelhersteller auf dieses Modell zu verpflichten. Verbraucherschützer sind enttäuscht.

Statt der plakativen Farben Grün, Gelb und Rot zur Bewertung von Lebensmitteln hat sich die EU für die so genannte GDA-Variante entschieden. Schon jetzt sind auf vielen Verpackungen die prozentualen Angaben für Kalorien, Fett, Zucker und Salz zu sehen, die ab 2014 zur Pflicht werden sollen. Nationale Alleingänge sind dann nicht mehr möglich.

Die GDA-ListeDas reicht weder den Verbraucherzentralen noch den „Essensrettern“ von Foodwatch. Die Ampelkennzeichnung gewähre dem Verbraucher eindeutige Orientierung auf einen Blick. Selbst Kinder könnten schnell begreifen, was die verschiedenen Farben bedeuteten und welche Pizza im Kühlregal weniger Fett enthält als die anderen. Die GDA-Kennzeichnung sei zwar ein Fortschritt, verlange den Konsumenten aber mehr Nachdenken ab als nötig. Foodwatch-Chef Thilo Bode bezeichnete Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, als „die perfekte Dienstleisterin der Nahrungsmittelindustrie“. Die großen Lebensmittelkonzerne haben sich die GDA-Kennzeichnung einiges kosten lassen: Laut Foodwatch soll etwa eine Milliarde Euro in die entsprechende Lobbyarbeit geflossen sein.

Lebensmittelverband stört sich an Wertung

Der BLL, Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft, dagegen spricht von einem „Sieg der Vernunft“. Er stört sich an der Wertung, die mit der Lebensmittel-Ampel einhergeht. Nahrungsmittel würden wegen ihre Fett- oder Zuckergehalts mit rot „abgekanzelt und negativ bewertet“, obwohl sie hochwertig seien. Als Beispiele nennt der Verband Früchtemüslis, Bananen und Olivenöl. „Es gibt keine guten und keine schlechten Lebensmittel“, heißt es in einer Stellungnahme, es komme auf die Dosis und die Kombination an.

Doch nicht die ganze Branche steht der Ampel so kritisch gegenüber. Die Bremerhavener Tiefkühlfirma Frosta etwa hat die Ampel-Kennzeichung vor einem Jahr für einige Tiefkühl-Fertiggerichte freiwillig eingeführt – Foodwatch war begeistert, die Branchenkollegen waren es nicht. Jetzt erwägt das Unternehmen die Nährwertampel zugunsten der geforderten GDA-Kennzeichnung aufzugeben. Einerseits hätten die Kunden ungemein positiv auf die Ampel reagiert, sagt die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, Friederike Ahlers. Andererseits sei die Ampel unter anderem dazu gedacht, einfach und unmissverständlich zwischen den gleichen Produkten verschiedener Hersteller vergleichen zu können. Ein Alleingang mache deshalb nicht viel Sinn.

50.000 Internet-Stimmen gesammelt

Auch wenn sich die Politik gegen sie entschieden hat: Der Kampf um die Ampel ist noch nicht zu Ende. Die Verbraucherrechtsorganisation Foodwatch kämpft weiter. Der Verein sammelt im Internet Stimmen für einen gemeinsamen Brief an den EU-Ministerrat. Denn dieses Gremium muss der Verordnung noch zustimmen. Bislang haben sich bei der Foodwatch-Aktion mehr als 50.000 Teilnehmer angemeldet.