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Der mobile Mensch. ARD-Themenwoche 2011 vom 22. bis 27. Mai

ARD-Themenwoche 2011 - 22. bis 27. Mai

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Haltestelle auf dem Land, Quelle: picture-alliance/dpa

Immer mobil – auch auf dem Land

Wie kommen Jugendliche nachts von der Disco nach Hause und Oma morgens zum Supermarkt im nächsten Ort? Auf dem Land ist das eine schwierige Frage. Mit flexiblen Fahrplänen, Bürgerbussen und Ruftaxis versuchen Landkreise, das zu ändern. Die ARD stellt ausgewählte Projekte vor.

In Deutschland wohnen immer weniger Menschen in ländlichen Regionen. Vor allem die Jungen ziehen in die Städte. Das schafft Probleme für den öffentlichen Nahverkehr auf dem Land: Ältere Menschen müssen nicht täglich zur Schule oder zur Arbeit fahren. Trotzdem müssen sie Einkaufsläden, Postfilialen oder Arztpraxen erreichen können.

Die Fahrgastzahlen gehen folglich zurück, die üblichen Stoßzeiten werden unwichtig. Stattdessen ist ein flexibler Fahrplan gefragt. Bei vielen Kommunen ist das Geld jedoch knapp. Für den öffentlichen Nahverkehr stehen immer weniger Mittel zur Verfügung. Der Bus kommt nur alle zwei Stunden und nach 19 Uhr nicht mehr – so oder so ähnlich ist es in vielen Regionen.

Wie kommen Jugendliche ohne Führerschein oder Rentner also von einem Fleck zum anderen? Oft werden die Bürger selbst aktiv. Zum Beispiel als ehrenamtliche Busfahrer. Etwa 150 “Bürgerbusse” gibt es in Deutschland. Einer davon fährt seit 2001 durch die Gemeinde Bassum in Niedersachsen. Und zwar dort, wo die “normalen” Busse nicht hinfahren. Er soll die vorhandenen Linien ergänzen. Und das klappt gut: Im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen nutzten im letzten Jahr über 100.000 Fahrgäste die Bürgerbusse.

Im Alter beweglich bleiben

Menschen steigen in einen Bürgerbus ein, Quelle: Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen - ZVBNBehindertengerecht: Ein Bürgerbus des ZVBN

Besonders für ältere Menschen  ist es schwierig, auf dem Land von A nach B zu kommen. Sie können oder wollen nicht mehr Auto fahren, sind aber auch unsicher im Umgang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. “Manche Senioren sind ihr Leben lang mit dem eigenen Auto gefahren oder konnten auf ihre Familie zurückgreifen”, erklärt Ralf Dick von der Kreisverwaltung Heinsberg. Dann sei die Hemmschwelle groß, Bus und Bahn zu nutzen. Viele müssten ganz neu lernen, wie man Fahrpläne liest oder das Ticket kauft.

Der Kreis Heinsberg plant ein Projekt, das Rentnern die Scheu nehmen soll: Künftig sollen freiwillige Helfer ihnen erklären, welcher Tarif der richtige ist und wie das Rufbussystem funktioniert. Dafür finden Schüler mit Fragebögen heraus, wie ihre Großeltern öffentliche Verkehrsmittel nutzen und welche Veränderungen sie sich wünschen.

Vom Feiern heil zurückkommen

Auch Jugendliche sitzen oft auf ihrem Dorf fest. Zur Schule kommen sie mit dem Bus – der fährt aber abends nicht mehr. Der Ausflug in die Disko fällt deswegen oft flach. Im Neckar-Odenwald-Kreis in Baden-Württemberg gibt es daher – wie in vielen anderen Kreisen – ein so genanntes Ruftaxi-Angebot. Der Kleinbus hat einen festen Fahrplan. Er kommt allerdings nur, wenn er mindestens eine Stunde vorher per Telefon bestellt wird. So vermeiden die Verkehrsbetriebe Leerfahrten zu Randzeiten – und die Jugendlichen kommen nachts sicher nach Hause.

Die tägliche Fahrt zur Schule wird manchmal ebenfalls zum Problem: Im Bus wird gedrängelt und geschubst, immer wieder kommt es zu Rangeleien. Wie die “RegioBus Hannover” bilden daher einige Verkehrsgesellschaften so genannte Busbegleiter aus: Schüler ab der achten Klasse lernen, Konflikte friedlich zu lösen und Ärger im Bus zu verhindern.

Forschung für die Zukunft

Auf dem Land müssen Lücken geschlossen werden: Zeitliche Lücken im Fahrplan und räumliche, wie die  Strecke von der Haustür bis zum nächsten Bahnhof. Die Wissenschaft sucht nach Lösungen – und setzt dabei vor allem auf die Neuen Medien.

Nicole Wagner vom Forschungsprojekt “immermobil” beschreibt die Zukunft so: Ein Rentner verlässt eine Arztpraxis. Er drückt nur einen Button auf seinem Smartphone und signalisiert damit: “Ich will jetzt nach Hause”. Im System ist gespeichert, wo “zuhause” ist. Und das Smartphone übermittelt automatisch den jetzigen Standpunkt. Ein Programm durchforstet nun die aktuellen Möglichkeiten: Fährt um die Ecke ein Bus? Hat jemand gerade ein Mitfahrangebot inseriert? Von öffentlichen Verkehrsmitteln über Taxen bis hin zu sozialen Fahrdiensten und Mitfahrgelegenheiten wird auf der Internet-Plattform “immermobil” alles gebündelt.

Das Angebot funktioniert auch ohne Smartphone. “Wir wollen vor allem die Generation 50plus mobil machen. Deshalb kann man auch einfach bei einem Callcenter anrufen”, erklärt Wagner, die das Projekt des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik leitet. Der Feldtest von “immermobil” startet Mitte des Jahres in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein in Bayern. Wie erfolgreich er wird, hängt wohl auch von der Bereitschaft der Bürger ab, jemanden mitzunehmen.

Franca Leyendecker, ARD.de

  1. 4

    Ted 07.05.2011 | 11:59 Uhr

    Bei uns in der Region werden Rufbusse angeboten. Frau Y bestellte sich Einen. Im Verlauf des Tages bekam sie Besuch von einer Bekannten die sich dazu entschied mitzufahren. Beide liefen zur Haltestelle als sie (...) zustiegen erklärte der Busfahrer dass er nur die bestellende Person mitnehmen dürfe aus versicherungstechnischen Gründen.Mehr zeigenWeniger zeigen

  2. 3

    Peter 06.05.2011 | 14:40 Uhr

    Anlässlich ihres Berichts möchte ich ihnen ein Projekt vorstellen, dass so einzigartig in Deutschland ist. http://www.rufbus-freising.de/ Ehrenamtlicher Verein, welcher das Ziel hat Jugendliche nach der Disco sicher (...) nach Hause zu bringen, aber es zugleich auch noch preiswert zu halten. Ich fände es gut wenn sie vielleicht das Projekt Rufbus in ihre Themenwoche einbinden. Alle weiteren Informationen finden sie auf der Homepage. Mfg PeterMehr zeigenWeniger zeigen

  3. 2

    Karsten Bucksch 06.05.2011 | 13:53 Uhr

    Auch in Sachsen-Anhalt gibt es seit 2009 eine Ausbildung von Schülerinnen und Schülern als Schulbusbegleiter. Dieses Projekt des Vereins KEG e.V. in Naumburg läuft sehr erfolgreich. Immer mehr Landkreise beteiligen sich (...) an diesem Projekt. Interesse haben auch die Bundesländer Thüringen und Brandenburg an der Umsetzung dieses Konzeptes angemeldet. Gespräche laufen. Mehr zeigenWeniger zeigen

  4. 1

    B'randenstein, Markus 06.05.2011 | 12:15 Uhr

    Wir im Hochtaunuskreis haben folgendes Ärgernis: Kreisübergreifend geht nichts. Von Weilrod z.B. kommt man definitiv nicht nach Weilburg, nur schwer nach Weilmünster oder gar nicht nach Bad Camberg und Idstein. So ist man (...) auf jeden Fall auf das Auto angewiesen. Wie soll meine Tochter in Weilburg eine Ausbildung machen? Geht nciht. Idstein? Geht nicht. Von Ringbusverbindungen hat hier noch nie jemand etwas gehört. Schade! Und am Abend werden die letzten Haltestellen oft " vergessen" anzufahren.Mehr zeigenWeniger zeigen