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Der mobile Mensch. ARD-Themenwoche 2011 vom 22. bis 27. Mai

ARD-Themenwoche 2011 - 22. bis 27. Mai

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Grafik: Ölfass und auslaufendes Öl (c) dpa-infografik

Das Ende des billigen Öls

Kurz tanken, ins Auto steigen und ab zur Arbeit: Für viele ist diese bequeme Art der Mobilität eine Selbstverständlichkeit. Aber wie lange noch? Die weltweiten Ölvorkommen sind begrenzt. Gleichzeitig steigt die Nachfrage und damit auch der Preis.

Mit dem Auto zur Arbeit fahren, einkaufen oder Freunde besuchen: Das gehört nicht nur in den Industriestaaten für viele zum Alltag. Auch in bevölkerungsreichen Schwellenländern wie China oder Indien nimmt die Motorisierung rapide zu. Allein im Dezember 2010 wurden in China 1,8 Millionen neue Pkw zugelassen. Zum Vorankommen benötigen sie Öl, genauso wie Schiffe, Flugzeuge und Lkw, die das Rückgrat des globalen Transportwesens bilden. 95 Prozent der weltweiten industriellen Produktion hängen ebenfalls vom Öl ab.

Aber wie lange reicht der Treibstoff für diese bequeme Art der Mobilität noch aus? Die weltweiten Ölvorkommen sind begrenzt. Wächst die Nachfrage, ohne dass die Fördermenge erhöht werden kann, wird Rohöl teurer. Allein seit Anfang Dezember 2010 ist der Preis um knapp 28 Prozent gestiegen. Nach Schätzungen der International Energy Agency (IEA) wird sich die Nachfrage in Asien in den nächsten sechs bis zehn Jahren verdoppeln.

Peak Oil: Ist das Fördermaximum schon erreicht?

Silhouette einer Ölförderpumpe, (c) picture-alliance / OKAPIA KGIn den USA sind einige konventionelle Erdölquellen bereits erschöpft.Dass Öl ein endlicher Rohstoff ist, ist eine unbestrittene Tatsache. Bereits seit Ende der 50er-Jahre warnen Wissenschaftler davor, dass das globale Fördermaximum (Peak Oil) in einigen Jahrzehnten erreicht werde – also 50 Prozent des weltweit vorhandenen Öls gewonnen wurden und die Verfügbarkeit dann kontinuierlich abnimmt. Für einige ist der so genannte Peak Oil schon überschritten oder steht unmittelbar bevor. So geht die Energy Watch Group (EWG), eine regierungsunabhängige Organisation, davon aus, dass das weltweite Fördermaximum bereits 2006 erreicht wurde.

Andere Experten, wie die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), schätzen die Lage optimistischer ein: “Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen ist eine Steigerung der weltweiten Produktion bis maximal 2035 möglich”, heißt es in der neuesten Energiestudie. Allerdings macht die BGR auch deutlich, dass es Grenzen gibt: “Die Erdölproduktion kann nicht grenzenlos gesteigert werden. Die weltweite Produktion aus den bekannten Erdöllagerstätten ist schon weit vorangeschritten. Eine Steigerung ist zwar noch mit den sogenannten nichtkonventionellen Vorkommen wie Ölsanden, Schwerstölen und Erdgaskondensat möglich, aber auch diese verzögern das bevorstehende Maximum der Erdölproduktion voraussichtlich nicht wesentlich.”

Lediglich die Erdölkonzerne kritisieren die Peak-Oil-Diskussion als Panikmache und weisen darauf hin, dass der Rohstoff noch lange ausreichend verfügbar sein wird – zumal ständig neue Ölfelder erschlossen und die Technik verbessert würde.

Mit Öl wird viel Geld verdient

Wir kommt es zu diesen unterschiedlichen Einschätzungen? “Wann das weltweite Maximum der Rohölförderung überschritten sein wird, ist in Expertenkreisen umstritten, da die weitere Entwicklung von zahlreichen Unwägbarkeiten bestimmt sein wird”, schreibt das Bundeswirtschaftsministerium dazu in einem Bericht. Zu diesen Unwägbarkeiten zählen etwa die Ungewissheit, welche neuen Quellen in Zukunft noch entdeckt werden, sowie Probleme bei der Datenerhebung. ”So kann beispielsweise die von der Organisation erdölexportierenden Länder (OPEC) offiziell angegebene Höhe der Reserven aufgrund intransparenter Datenerhebung und zum Teil politisch motivierter Angaben angezweifelt werden”, heißt es in einer aktuellen Bundeswehr-Studie. In erster Linie sind sicherlich wirtschaftliche Interessen im Spiel. Sowohl die Förderländer als auch die Erdölkonzerne wollen noch so lange wie möglich gute Geschäfte mit dem Schwarzen Gold machen, denn die Gewinnmargen sind hoch. Besonders der OPEC wird immer wieder vorgeworfen, die Förderquote bewusst niedrig zu halten, um den Preis in die Höhe zu treiben.

Steigende Nachfrage treibt Preis in die Höhe

sen für Öl-Angebot und -nachfrage, Quelle: EnergyComment Hamburg Prognosen für Öl-Angebot und -nachfrageOb jetzt, in zehn oder 20 Jahren: Viel entscheidender als die Frage, wann der Peak erreicht ist, ist die Tatsache, dass die Verknappung bereits vorher zum Problem werden kann. Vor diesem Hintergrund gibt die aktuelle Entwicklung zu denken. “Die Nachfrage wächst seit zwei Jahren erheblich schneller als die Angebotskapazität”, sagt der Hamburger Ölexperte Dr. Steffen Bukold. “Bleibt das so, wird das Öl ab 2014 knapp, und der Preis steigt noch schneller als bisher.” Auch Leon Leschus vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) ist der Ansicht, “dass sich die starke Ölnachfrage aus den Schwellenländern weiter preissteigernd auswirken wird”.

“Bei der drohenden Gefahr geht es nicht um das Ende des Öls, sondern um das Ende des billigen Öls, und damit gleichzeitig um das Ende unseres Wirtschaftssystems, welches auf der Verwendung billigen Öls beruht”, heißt es dazu treffend in der Bundeswehr-Studie. Und das bedeutet auch das Ende der uneingeschränkten Mobilität, denn sie wird zum teuren Luxus, den sich viele nicht mehr leisten werden können. Mal eben ins Auto steigen, zur Arbeit fahren oder Freunde besuchen – das ist dann nicht mehr drin, es sei denn, die Industrie entwickelt bald marktfähige und bezahlbare Alternativen.

Kathrin Weber, NDR.de

  1. 39

    M.U. 28.05.2011 | 13:29 Uhr

    @Frank Es freut mich sehr Sie zum Lachen angeregt zu haben. Hoffentlich können Sie in 20 bis 30 Jahren (eine Genaration) über sich selbst genauso herzlich lachen. Unsere Kinder und Kindeskinder werden einen hohen Preis (...) für diesen Hochmut bezahlen. Wir überziehen derzeit alle Grenzen unseres Biotops und glauben das dies ewig so weitergeht. Die Krone der Schöpfung ein nakter Affe mit Realitätsverlust und Größenwahn?Mehr zeigenWeniger zeigen

  2. 38

    Falk 26.05.2011 | 22:34 Uhr

    "Es geht ja nicht nur um Öl? Peak Uran, Peak Wasser, Peak Soil, Peak Phosphat, Peak Neodym, Peak Lithium, Peak Kohle, Peak Fish, Peak Biodiversität. " (Zitat von M.U.) da konnte ich nur noch lachen :-D

  3. 37

    Kathrin Weber 25.05.2011 | 18:09 Uhr

    Sie scheinen zu verkennen, dass unabhängige und kritische Wissenschaftler wohl kaum von der Ölindustrie finanziert sind. Dasselbe gilt für mich als Autorin.

  4. 36

    Helmut Abel 25.05.2011 | 17:38 Uhr

    Es ist genug Öl da. Ihr Artikel ist von den Ölgesellschaften finanziert. Dem Verbraucher erzählt man das es knapp ist. Dann kann man mit hohen Preisen noch lange viel Geld verdienen.

  5. 35

    BB 23.05.2011 | 12:36 Uhr

    Genau! Jeder Schüler lernt, das Stoffe nicht verloren gehen. In der Natur ist das auch so. Doch wir Menschen sind dbzgl. Amateure-am Ende der Nutzung steht meist Deponie oder Verbrennung. Wir schmeißen knappe (...) Rohstoffe(seltene Erden!) unsortiert und nicht rückholbar weg. Oder wir wandeln Stoffe in der Verbrennung in flüchtige Gase und minderwertige Asche um. Die Natur kann sich solchen Luxus nicht leisten. Alles ist Anfang und Ende zugleich. Nur der Mensch ist in Effizienzdingen rückentwickelt.Mehr zeigenWeniger zeigen