Logo der ARD Themenwoche
Wir sind eins. ARD
Der mobile Mensch. ARD-Themenwoche 2011 vom 22. bis 27. Mai

ARD-Themenwoche 2011 - 22. bis 27. Mai

Startseite Mobilversion
„Ohne Auto geht hier gar nichts“ – warum die Landbevölkerung nicht aufs Auto verzichten kann

“Ohne Auto geht hier gar nichts” – mobil auf dem Land

Hohe Verkehrsdichte, lange Staus und überteuerte Parkplätze – in vielen Metropolen erreicht man sein Ziel oft schneller und vor allem entspannter mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch abseits der Städte, in ländlichen Regionen, ist das Auto nach wie vor das Fortbewegungsmittel Nummer eins. Aus gutem Grund.

Erfweiler-Ehlingen im saarländischen Mandelbachtal. Das kleine Dorf im idyllischen Bliesgau ist die Heimat von Kerstin und Patrick Hahn mit ihren vier Kindern. Die nächste Großstadt Saarbrücken ist nur 20 Kilometer entfernt – doch ohne Auto geht gar nichts. Die Familie besitzt gleich zwei: Einen großen Familien-Van und einen Kleinwagen, mit dem Patrick zur Arbeit in die Stadt fährt. „Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist man hier aufgeschmissen“, sagt Kerstin. Einzig der Schulbus wird von den beiden ältesten Kindern genutzt. Alle anderen Fahrten werden mit dem Auto erledigt.

Autofahrerland Saarland
Das Saarland hat seit Jahren bundesweit die höchste Pkw-Dichte: auf 1000 Einwohner kommen hier 578 Pkw.

„Ein solches Mobilitätsverhalten ist typisch für ländliche Regionen“, erklärt Oliver Dümmler, Verkehrsingenieur vom Institut für Mobilität und Verkehr der Uni Kaiserslautern. Busse und Bahnen sind für die meisten Menschen auf dem Land keine Alternative zum Auto. Schlechte Anbindungen und Fahrzeiten machen den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in ländlichen Regionen unattraktiv.

Tatsächlich hat Patrick noch nie ernsthaft überlegt, mit dem Bus zur Arbeit zu fahren. Mit dem Auto braucht er nach Saarbrücken 30 Minuten. Mit dem Bus wäre er bis zu drei Mal länger unterwegs, wobei die meiste Zeit für Wartezeiten und Umsteigen verstreicht. Bei Kerstin sieht die Rechnung ähnlich aus: Mit dem Auto 25 Minuten, mit dem Bus über eine Stunde. Zudem müsste sie die jüngste Tochter auf dem Weg zur Arbeit noch in der KiTa abliefern – mit dem Auto kein Problem, mit dem Bus umständlich und zeitraubend.

Der klassische Linienverkehr ist ein Auslaufmodell

Familie Hahn aus Erfweiler-Ehlingen (Quelle: S.Schick)Familie Hahn kann sich ein Leben in der Stadt nicht vorstellenSo wie Familie Hahn geht es den meisten Menschen, die in Deutschland auf dem Land leben. Um den ländlichen ÖPNV ist es schlecht bestellt. Ein Grund dafür sind die netzartigen Siedlungsstrukturen. Der ländliche Raum ist stark zersiedelt, hat zudem mit Abwanderung und Bevölkerungsrückgang zu kämpfen. Immer weniger Menschen leben auf großer Fläche und haben unterschiedliche Fahrziele. Da ist es schwer, einen attraktiven ÖPNV zu organisieren, denn: „ÖPNV funktioniert nach dem Bündelungsprinzip, versucht dort ein Angebot zu machen, wo Menschen auf der gleichen Strecke unterwegs sind“, so Dümmler. „In der Stadt funktioniert das durch die hohe Einwohnerdichte ganz gut. Aber auf dem Land ist die Nachfrage zeitlich und räumlich zu sehr gestreut.“

Hinzu kommt der Faktor Kosten. Schon in den Städten ist der öffentliche Nahverkehr als Gesamtangebot ein Verlustgeschäft. Zwar können einzelne Strecken, auf denen viele Fahrgäste befördert werden, ihre Kosten durchaus erwirtschaften. Das Gesamtangebot aber ist unterm Strich immer abhängig von Zuschüssen der öffentlichen Hand. „In ländlichen Regionen ist es unmöglich, die Kosten eines Linienbusverkehrs durch Fahrgeldeinnahmen zu erwirtschaften“, sagt Dümmler. Deshalb ist der klassische Linienbusverkehr mit festem Fahrplan für Verkehrsexperten dort ein Auslaufmodell. „In Zukunft wird es auf dem Land nur noch auf bestimmten Hauptachsen Linienbusverkehr geben“, ist Dümmler überzeugt.

Kleine Dörfer – individuelle Verkehrslösungen

Seit Jahren wird deshalb nach bedarfsorientierten Lösungen gesucht, die den ländlichen ÖPNV fit für die Zukunft machen sollen. Ob Anruf-Sammeltaxi, Rufbus, Linientaxi oder Bürgerbus – alle Modelle haben zum Ziel, den ländlichen Raum möglichst flexibel zu bedienen. Die Fahrgäste werden mit Kleinbussen in den Dörfern eingesammelt – oft sogar vor der eigenen Haustür – und zu zentralen Umsteigepunkten des regulären ÖPNV gefahren. „Jede Region muss die passende Lösung für sich und ihre Bewohner finden“, sagt Dümmler.

Mobilitätskriterien spielen kaum eine Rolle beim Hauskauf

Ob Familie Hahn irgendwann auf das eigene Auto verzichten kann? Im Moment schwer vorstellbar. „Selbst wenn der Sprit irgendwann fünf Euro kostet, wir haben ja keine andere Alternative,“ meint Patrick. Auch ein Umzug in eine verkehrsgünstiger gelegene Region kommt nicht in Frage. Bezahlbar muss es sein – und das sind die Häuser auf dem Land auch für den kleinen Geldbeutel. Solange Autofahren erschwinglich bleibt, geht diese Rechnung auf. Die Frage ist, wie lange noch.

Sandra Schick (SR)

  1. 24

    Clarchenbears 23.05.2011 | 14:01 Uhr

    Solch eine Schandtat, so über unser beschauliches Albersloh zu spotten! Ich bin empört! Diese ganzen Vorurteile...waren sie jemals in Albersloh? Wir fahren sehr wohl mit dem Träcker und der Kutsche, jedoch "stinkt" es (...) bei uns in keinster Weise. Dies ist Landluft, meine Lieben! Mit Grüßen an Bauer und BAuerin, ClarchenbearsMehr zeigenWeniger zeigen

  2. 23

    Bauer 23.05.2011 | 10:40 Uhr

    @ BAuerin schöne grüße zurück

  3. 22

    BAuerrin 23.05.2011 | 10:39 Uhr

    @Bauer: ich stimme ihnen aus voller Gülle zu! Albersloh is ein stinkendes kaff! ich grüße ihnen von den schweinen!

  4. 21

    Bauer 23.05.2011 | 10:38 Uhr

    @ BAuerin sehr richtig! Bauernhof stiiiinkt

  5. 20

    Bauer 23.05.2011 | 10:35 Uhr

    Albersloh und Rinkerode FTW!!! diese ganze diskussion ist einfach nur lächerlich! alle leute auf dem land bewegen sich auf ganz normaleweise fort. (träcker, kutschen usw...) jaja das bauernleben :) herrrrrlich