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Der mobile Mensch. ARD-Themenwoche 2011 vom 22. bis 27. Mai

ARD-Themenwoche 2011 - 22. bis 27. Mai

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Mobilitätspyramide 2010, Quelle: Netzwerk Slowmotion/ARD.de

Mobilitätspyramide 2010: Kein “weiter so”!

Steigende Benzinpreise, Krankheiten durch Bewegungsmangel und Ölkatastrophen wie im Golf von Mexiko zeigen, dass wir nicht weitermachen können wie bisher. Es ist notwendig, die eigene Mobilität auf den Prüfstand zu stellen. Dafür wurde die Mobilitätspyramide entwickelt.

Ein Flug ans Meer, eine Spazierfahrt mit dem Motorrad oder eine Jogging-Runde im Park – das sind Momente, in denen wir uns aktiv für Mobilität entscheiden, wenn wir Genuss oder Ausgleich suchen, Abschalten oder Neues kennenlernen wollen. Doch die meiste Zeit des Alltags nehmen wir sie nicht bewusst wahr – oder aber als notwendiges Übel:  wenn wir zur Arbeit fahren, zum Einkaufen, die Kinder zum Musikunterricht bringen oder das Bad putzen. All diese Aktivitäten können unter dem Begriff „Mobilität“ zusammengefasst werden. Und viel zu oft werden sie passiv ausgelebt: im Auto, im Bus oder im Zug.

Peak Oil, knapper Lebensraum und Bewegungsarmut

Großstadt, Quelle: colourbox.comAutos und Straßen dominieren vielerorts das StadtbildWarum aber sollte man sich gerade die alltägliche Mobilität ins Bewusstsein rufen? Warum ist es notwendig, Mobilitätsempfehlungen zu geben? Dafür gibt es diverse Gründe: Die fossilen Brennstoffe gehen zur Neige. Der Peak Oil – das Fördermaximum des konventionellen Öls – wurde erreicht. Dadurch werden Auto- oder Bahnfahrten zunächst teurer, später im jetzigen Stil unmöglich werden. Für den motorisierten Individualverkehr wurde immer mehr öffentlicher Raum in reine Fahrbahnen umgewandelt und Böden versiegelt. Für immer mehr Menschen gibt es weltweit immer weniger Lebensfläche. Die Bewegungsarmut, die mangelnde körperliche Aktivität im Alltag ist schon jetzt ein gravierendes Problem und auch mit Blick auf den Klimaschutz ist der Übergang zu einer postfossilen, menschen- und klimafreundlichen Mobilität dringlich.

Geldbeutel und Klima schonen

Es gilt folglich, nicht nur die eigene Gesundheit zu fördern und den Geldbeutel zu schonen, sondern auch das Klima zu schützen und den Lebensraum neu erfahrbar zu machen. Und dafür muss man gar nicht weit in die Zukunft blicken. Schon jetzt kann jeder Mensch in seinem Alltag durch kleine Änderungen viel bewirken. Die Mobilitätspyramide, die das Netzwerk Slowmotion im Jahr 2010 entwickelt hat und das der bekannten Ernährungspyramide angelehnt ist, soll Denkanstöße geben und helfen, die eigene alltägliche Mobilität auf den Prüfstand zu stellen.

Anpassung an individuelle Bedürfnisse

Bei der Entwicklung der Mobilitätspyramide haben die Forscher um Dr. Martin Held von der Evangelischen Akademie Tutzing und Jörg Schindler von ASPO Deutschland berücksichtigt, dass Mobilitätsbedürfnisse  individuell sehr unterschiedlich sind, je nach Lebensalter, Temperament, sozialen und beruflichen Bedingungen, Verpflichtungen und Einkommensverhältnissen. Für wen gelten die Mobilitätsempfehlungen?
Sie sind für gesunde, erwachsene Bürgerinnen und Bürger in Mitteleuropa gedacht. Sie stellen vorrangig auf den persönlich, privat beeinflussbaren Lebensstil ab. Sie sollten, soweit möglich, auch für die in der Berufsausübung bedingten Fahrten beachtet werden. Diese Empfehlungen können zugleich für die Verkehrs-, Siedlungs- und Raumplaner ebenso wie für alle politisch Aktiven als Leitlinie dienen, um die gesellschaftliche und individuelle Lebensqualität zu steigern.
 Zugleich werden die Mobilitätschancen durch die Raumstrukturen, Verkehrsinfrastruktur und verfügbaren Verkehrsmittel bestimmt. Dennoch konnte das Netzwerk Slowmotion allgemeine Grundsätze formulieren, die bei der persönlichen Mobilität beachtet werden können und sollten.

Regelmäßige aktive Mobilität sollte die Basis Ihrer Gesamtmobilität bilden und den größten Teil jeglicher Fortbewegung einnehmen. Konkret heißt das: Täglich mindestens eine Stunde aktive Bewegung. Damit ist nicht nur der abendliche Besuch des Fitness-Studios und auch nicht nur die Fortbewegung von A nach B gemeint, sondern jede Art der Bewegung, die durch die eigene Muskelkraft erzeugt wird – über den ganzen Tag verteilt. Das Netzwerk Slowmotion rechnet hier auch aktive Haus- oder etwa Gartenarbeit dazu.

Wie können Sie Ihre Mobilität optimieren?

Falls Ihre persönliche Mobilitätspyramide von diesem Ideal abweicht, haben die Forscher einige Ideen und Anregungen zur Verbesserung Ihrer Bilanz:

  • Statt mit dem Auto, lieber mit dem Bus zur Arbeit fahren, ein oder zwei Stationen früher aussteigen und den Rest der Strecke zu Fuß gehen. Oder: Mit dem Fahrrad zum Bahnhof fahren, um dann den Zug zu nehmen.
  • Bei Besorgungen mit dem Auto einen zentralen Parkplatz wählen und dann die verschiedenen Geschäfte zu Fuß ansteuern.
  • Für regelmäßige Besorgungen keine gesonderte Fahrt unternehmen, sondern diese auf dem Arbeitsweg erledigen.
  • Zu Fuß oder mit dem Fahrrad öfter einen Umweg machen, zum Beispiel die längere, aber schönere Route wählen.
  • Regelmäßig die Treppe anstelle des Aufzugs oder der Rolltreppe nehmen.
  • Wie wäre es mit der Anschaffung eines Pedelecs? Gerade bei kurzen Strecken ist das Fahrrad mit elektrischer Unterstützung eine echte Alternative zum Auto.
  • Spielen Sie mit Kindern.
  • Ausgedehnte Spaziergänge unternehmen, egal bei welchem Wetter.
  • Garten- oder Hausarbeit trägt ebenfalls zu einer positiven aktiven Mobilitätsbilanz bei.
  • Sport in der Freizeit erhöht den aktiven Anteil Ihrer Mobilitätsbilanz.

Tipps für eine umweltschonende Mobilität

Grundsätzlich gilt, dass die aktive Bewegung immer der motorisierten vorzuziehen ist. Statt des Autos sollten Sie also auf kurzen Strecken lieber zu Fuß gehen oder das Fahrrad bzw. das Pedelec nutzen. Handelt es sich um längere Strecken, gibt es Alternativen zur Fahrt im eigenen Wagen, wie etwa Fahrgemeinschaften oder Car-Sharing-Projekte. Bei längeren Strecken, gerade innerhalb Deutschlands, sollte die Bahn das Verkehrsmittel erster Wahl sein. Und je weiter Sie reisen, umso mehr Zeit sollten Sie sich dafür nehmen. Also lieber eine längere Fernreise, als viele Kurztrips unternehmen.

Sybille Klormann, ARD.de

  1. 20

    chomibu 28.05.2011 | 23:57 Uhr

    Die Empfehlung eines Pedlecs sollte auf gebrechliche Menschen und/oder besonders steigungsreiches Gelände beschränkt werden. Ein herkömmliches Fahrrad bringt einen deutlich höheren Aktivitätsgewinn, ist zuverlässiger, (...) leichter und produziert keinen unnötigen Resourcenverbrauch und keinen Batterie-Sondermüll. Ein entscheidender Tipp fehlt: Wählen Sie Ihren Wohnort so, dass sie alle notwendigen Wege möglichst aus eingener Kraft oder mit dem ÖPNV bewältigen können.Mehr zeigenWeniger zeigen

  2. 19

    Rainer Arnold 24.05.2011 | 15:39 Uhr

    Schön, dass endlich jemand dran denkt, den Weg zur Arbeit, also das notwendige, mit dem nützlichen (aktive Bewegung) zu verbinden. Wenn Sie das jetzt jedem Radwegeplaner hammerhart verdeutlichen, kommt am Ende auch noch (...) ein brauchbares Radwegkonzept raus, das einlädt zum Radwege benutzen und nicht wie bislang oft dem Radler die rote Karte zeigt. Na ja, vielleicht dann bis 2050. Viel Erfolg dabei!Mehr zeigenWeniger zeigen

  3. 18

    Klaus Bödeker 24.05.2011 | 08:33 Uhr

    Wenn die Flüge in ferne Länder zu teuer werden und es ohne revolutionäree Lösungen nicht geht, dann können wir doch die fernen Länder zu uns holen. Kleine Inseln des Skifahrens, Bergsteigens und der Tropen gibt es (...) doch schon. Macht sie größer und variabler. Die Riesenschiffe wie Aida sind doch schon das Abbild einer Großstadt. Verankert sie vor Afrika usw, wo die Menschen gerne in die europäischen Großstädte kennen lernen würden. Die Expedition zum Nordpol lässt sich nachbilden usw.usw.Mehr zeigenWeniger zeigen

  4. 17

    Mark Breitenbücher 22.05.2011 | 22:22 Uhr

    Ich verzichte schon seit vielen Jahren auf das eigene Auto. Selbst als vierköpfige Famile ist das kein Problem. Man ist in der Stadt flexibler, günstiger, schneller und umweltfreundlicher als mit dem Auto unterwegs. (...) Gleichzeitig hat man mehr Bewegung. Wenn man mit dem Rad fährt oder zu Fuß geht, hat man gleich Sport wenn man mit ÖV fährt kann man nebenbei Zeitung lesen oder arbeiten. Netto also immer schneller als mit dem eigenen Auto. Zur Not auch mal CarSharing.Mehr zeigenWeniger zeigen

  5. 16

    Weltenbummler 22.05.2011 | 07:29 Uhr

    Leider geht die reale Entwicklung in eine andere Richtung. In China gab es vor 25 Jahren deutlich mehr Fahrräder. Wenn man in Peking zum Sommerpalast fuhr, fühlte man sich wie beim Volksradfahren. Die Einheitskleidung tat (...) ein übriges. Heute sieht es in chinesischen Metropolen vollkommen anders aus. Das Fahrrad führt ein Schattendasein und der Wunsch nach einem Auto ist ungebrochen. Sind dies alles nur Fehlentwicklungen? Nein vermutlich ist das die realistische Zukunft.Mehr zeigenWeniger zeigen