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Der mobile Mensch. ARD-Themenwoche 2011 vom 22. bis 27. Mai

ARD-Themenwoche 2011 - 22. bis 27. Mai

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Containerschiffe im Hamburger Hafen, Quelle: picturealliance/dpa

Billig-Importe mit halber Kraft voraus

Mangos von den Philippinen, T-Shirts aus Vietnam: Der deutsche Verbraucher ist es gewohnt, Exotisches und Billiges aus fernen Ländern jederzeit kaufen zu können – und nimmt dabei ausbeuterische Produktionsverhältnisse und riesige Transportwege per Schiff hin. Unmoralisch? Unökologisch? Oder bald unmöglich, wegen explodierender Ölpreise?

Energie- und Frachtkosten galten einst für Unternehmen als eher zu vernachlässigende Posten. Doch angesichts schwindender Ölreserven und kriselnder Nahost-Regionen fließen solche Faktoren inzwischen durchaus in die strategischen Überlegungen ein.

Ozeanfrachter drosseln Geschwindigkeit

“Slow Steaming” heißt das neue Zauberwort der Schifffahrtsbranche. Reedereien lassen spätestens seit der Weltwirtschaftskrise 2008 ihre Großcontainerschiffe drastisch langsamer fahren, um Sprit zu sparen. “Statt mit 25 Knoten bringen die Ozeanriesen ihre Ladung nur noch mit 17 bis 20 Knoten nach Europa”, berichtet Max Johns, Pressesprecher des Verbandes Deutscher Reeder (VDR). Firmen nähmen damit in Kauf, dass die Waren um einige Tage länger unterwegs sind – außer, wenn Zinsausfälle drohen, etwa bei manchen Elektronikartikeln, so Johns.

Not macht öko

Eine gewisse Endzeitstimmung angesichts versiegender Ressourcen für fossile Energieträger hat zudem den Erfindergeist angeregt: Neue Leichtbauweisen machen Schiffe um mehrere Hundert Tonnen leichter. Mit Schwachstromfeldern von Bug bis Heck soll sich bremsender Algenbewuchs vermeiden lassen. Silikonartige Außenanstriche verringern den Wasserwiderstand und können damit den Brennstoffverbrauch um bis zu sechs Prozent reduzieren. Motorgetriebene Frachter mit zusätzlichen Segeln sollen – bei entsprechender Hochseebrise – die Treibstoffkosten gar um 40 Prozent sinken lassen.

Waren “fünf oder zehn Cent” teurer

Die Beispiele zeigen: Die Branche stellt sich auf Rohstoff-Verknappungen ein, mit gravierenden Einschnitten im globalen Handel rechnet sie aber nicht. Generell sei nicht zu erwarten, dass Billigwaren aus fernen Ländern bald nicht mehr zu haben sind. “Höchstens müssten sich die Verbraucher bei sehr hohen Ölpreisen daran gewöhnen, für solche Waren fünf oder zehn Cent mehr zu bezahlen. Die Logistikkosten sind insgesamt einfach viel zu niedrig, um die Globalisierung der Warenströme aufzuhalten”, sagt Stefan Wolff, Mitglied des Vorstandes der Bundesvereinigung Logistik. Ihm zufolge macht der Ölpreis für Frachten nicht einmal ein Prozent der Gesamtkosten eines Unternehmens aus. Selbst eine Verdoppelung des Ölpreises wäre für die meisten Unternehmen verkraftbar. Natürlich um den Preis, dass die Mehrkosten zumindest teilweise an den Verbraucher weitergegeben werden. Denn schon heute kalkulieren die Reedereien zusätzlich zu den Containerkosten (800 bis 2.000 US-Dollar netto) einen Zuschlag, der als eine Art Versicherung für steigende Ölpreise dient. Dieses sogenannte “Bunker Adjustment Factoring” bewegt sich laut Johns bis zu 400 US-Dollar, also bis zu 20 Prozent der Containerkosten, und landet schon heute – wenn auch in abgeschwächter Form – beim Kunden.

Produktion rückt näher an Europa

Wird das Barrel aber doch eines Tages zu teuer, werden Billigprodukte vermutlich in geografisch näheren Regionen produziert, prognostiziert Wolff: “Pauschal kann man sagen, dass es bei deutlich steigenden Ölpreisen dazu kommen wird, Waren für den deutschen und den europäischen Markt statt aus Asien besser aus Osteuropa oder aus Nordafrika zu importieren. Wegen der hohen Lohnkosten müsste sich der Ölpreis aber schon sehr extrem entwickeln, um die Produktion wieder nach Deutschland zu holen.” So mancher Modehersteller hat die Produktion schon von Fernost in Richtung Westen verlagert, etwa in die Türkei. Damit steigen zwar wieder die Produktionskosten, “aber Schnelligkeit ist dieser Branche meist wichtiger”, sagt Ulrich Binnebößel, Logistik-Experte beim Handelsverband Deutschland (HDE). Dass Energiekosten für einen Standortwechsel noch nicht ausschlaggebend sind, bestätigt Wolff: “Deutsche Unternehmen haben Teile der Produktion für den deutschen Markt wieder nach Tschechien oder Polen verlagert. Die Hauptgründe dafür waren aber nicht etwa Befürchtungen vor hohen Ölpreisen, sondern eher eine bessere Reaktionsfähigkeit auf Marktschwankungen und kürzere Lieferzeiten.”

Trend zum regionalen Produkt

“Billig” ist ohnehin schon längst nicht mehr allein selig machend: Die Nachfrage nach regional hergestellten Lebensmitteln sei in den vergangenen 15 bis 20 Jahren signifikant gestiegen, beobachtet Martin Hofmeister, Ernährungswissenschaftler bei der Verbraucherzentrale Bayern. Eine Umfrage des Forsa-Instituts bestätigt: 65 Prozent der Verbraucher würden inzwischen auf die Herkunft des Produkts achten. Dafür greife der Konsument auch tiefer in die Tasche.

Ernst Eisenbichler, br-online

  1. 5

    Detlef Müller 21.05.2011 | 23:08 Uhr

    Es ist richtig: Kleidung, in Fernost produziert, ist hierzulande von preiswert bis extrem billig einzukaufen. Was die Verfügbarkeit von Saisonlebensmitteln angeht, sind wir extrem verwöhnt. Ich beteilige mich schon lange (...) nicht mehr an diesem Wahn: gekauft wird nur, was in der Region oder wenigstens dem westlichen Europa produziert wurde. Aber auch das lässt sich ändern. Was mich an dem Szenario erschreckt: kaufen wir die Sachen der Fernöstler nicht mehr, dann fachen die einen Wirschaftskrieg an.Mehr zeigenWeniger zeigen

  2. 4

    Freddy 21.05.2011 | 17:53 Uhr

    Mangos aus den Philippinien gibt es nicht in Germany/Europa. Leider! Sie gehören nämlich zu den besten Mangos der Welt und sind sehr transportempfindlich. Sollte ich mich getäuscht haben, wäre ich für eine Bezugsquelle (...) sehr dankbar!Mehr zeigenWeniger zeigen

  3. 3

    Falk 20.05.2011 | 00:56 Uhr

    Steigende Löhne in China und Währungsanpassungen werden dazu führen, dass die Produktion in China sowieso teurer wird. Daher werden die Unternehmen wieder woanders hin ziehen, aber nicht wegen dem Ölpreis. Und Respekt (...) zum Beitrag: Nachdem ich hier in der Themenwoche einige Beiträge durchgelesen, ist das hier endlich mal ein Beitrag, wo man nicht sofort auf die Idee kommt, dass dieser von Grünen, BUND oder NABU verfasst wurde.Mehr zeigenWeniger zeigen

  4. 2

    Dave The Berg 19.05.2011 | 18:09 Uhr

    An dem destabilen Rentensystem sind nicht der Handel und Co schuld, sondern die Fortpflanzungsunlust der Deutschen, bzw. ihr (unser) Egoismus für evtl. Kinder aufkommen zu müssen. Denn die haupt Ausrede ist ja immer das (...) liebe Geld, Kinder sind ja soooo teuer, stimmt, aber was bekommt man dafür auch bitte zurück (Väter und Mütter sollten jetzt bitte hierauf antworten)? KIS keep it simpleMehr zeigenWeniger zeigen

  5. 1

    Lothar König 18.05.2011 | 15:04 Uhr

    regionale würde die Umwelt entlasten und Arbeitspätze schaffen, damit mehr Steuereinnahmen bringen, damit die Renten sicherer machen und und und