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Der mobile Mensch. ARD-Themenwoche 2011 vom 22. bis 27. Mai

ARD-Themenwoche 2011 - 22. bis 27. Mai

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Skizze Elektroautos fahren in einen Fernzug (Quelle: Michal Wojtaszek, Montage SWR)

Das Auto der Zukunft denken

Staus, Lärm, Abgase und steigende Kosten für Mobilität – der moderne Massenverkehr steckt in einer Sackgasse. Mit alten Konzepten sind die Probleme nicht in den Griff zu bekommen. Neue Ideen sind gefragt. Arbeiten von Studenten der Hochschule Pforzheim zeigen, wie die mobile Zukunft aussehen könnte.

Mann betrachtet Design-Entwürfe (Quelle: SWR, Foto: Björn Lilienthal)Konzepte junger DesignerIm Congress Centrum in Pforzheim stellen Studenten im Fach Transportation Design ihre aktuellen Semesterarbeiten vor. Beim Blick auf die Entwürfe der jungen Designer wird deutlich: Die mobile Zukunft sieht ganz anders aus als die Gegenwart. Die Fahrzeuge, die die Studenten entworfen haben, haben nur wenig mit den Autos gemein, die draußen auf der Straße auf und ab fahren. Sie sind ein Vorgeschmack auf das, was wir vielleicht in 30 Jahren erwarten können.

Zeitreise 30 Jahre voraus

Den Umbruch bei den Antriebskonzepten, der die Industrie derzeit vor große Herausforderungen stellt, haben die jungen Leute bereits vorweg genommen. Statt mit Benzin und Diesel fahren ihre Autos zumeist mit Strom. “Wir sind momentan beim Elektroantrieb in einer Situation, die man mit der Zeit vor hundert Jahren vergleichen kann, als der Verbrennungsmotor in die Kutsche kam,” analysiert Professor Lutz Fügener, Leiter des Studiengangs Transportation Design. “Man hat erst einmal das genommen, was da war, und hat da einen Motor eingebaut. Die neuen Antriebssysteme werden sich aber massiv auf das Äußere der Autos auswirken. Dieser Prozess hat gerade erst begonnen,” prophezeit der Design-Experte.

Johannes Wolko, Student im vierten Semester, hat ein dreirädriges Fahrzeug mit Elektroantrieb designt. “Das Auto ist für diejenigen gemacht, die in Ruhe zur Arbeit fahren und nicht diesen Stress der Rush Hour haben wollen,” erklärt er.  Das Fahrzeug, das der junge Designer entworfen hat, fährt automatisch auf einer elektronischen, nicht sichtbaren Schiene durch die Stadt. “Dabei kann man sich bequem zurücklehnen,” so Wolko.



Auto bringt Besitzer zur Arbeit

Professor Fügener ergänzt: “Im täglichen Berufsverkehr macht Autofahren heute ganz oft keinen Spaß mehr. Da ist es ja ganz logisch, dass man autonomes Fahren einführt. Dass man also mit einem individuell geleiteten Fahrzeug zur Arbeit gebracht wird.” Der heute noch sehr Fahrer-bezogene Raum werde dadurch zum Lebensraum. “Da geht es dann mehr ums Wohlfühlen, um eine gute Sicht aus dem Fahrzeug auf die Umwelt, um passive Sicherheit. Das alles macht ein Auto massiv anders,” betont der Leiter des Studiengangs.

Auch aktives Fahren ist mit dem Elektroauto möglich. Dabei wird der Fahrer durch Computer-gesteuerte Sensoren und eine so genannte Augmented Reality-Darstellung unterstützt. Wolko erläutert: “Augmented Reality heißt so viel wie erweiterte Realität. Das heißt, Reklametafeln und Störelemente wie Lichtreflexionen werden ausgeblendet und zurückgenommen.  Und wichtige Elemente wie Bremsleuchten von anderen Verkehrsteilnehmern, Fußgänger, Verkehrsschilder oder Ampeln werden hervorgehoben und extra deutlich dargestellt.”

Andocken und Energie sparen

Skizze eines Elektroauto (Quelle: Alexander Makush)Elektroauto mit beweglicher FahrgastzelleEin weiteres Merkmal des Konzepts ist die Möglichkeit, ein baugleiches Fahrzeug an das Auto anzukoppeln. „Wenn beide Fahrzeuge auf der elektronischen Schiene fahren, wird nur ein Motor betrieben. Das spart Energie,“ erklärt Wolko. Die Energieversorgung spielt auch in dem Konzept seines Studienkollegen Alexander Makush eine wichtige Rolle. Er hat ein Fahrzeug für eine „schwimmende Stadt“ entworfen. Das Auto erzeugt elektrische Energie, während es vor dem Haus steht. Das Auto besitzt dazu eine bewegliche Fahrgastzelle. In der Parkposition wird sie ins Wasser abgesenkt, damit die Meeresströmung eine Turbine antreiben kann. Mit der Energie können die Autobatterie geladen und zusätzlich Geräte im Haushalt betrieben werden.

Neue Schnittstellen schaffen

Ausbildung zum Designer
Der Fachbereich Transportation Design an der Hochschule Pforzheim gilt als eines der weltweit wichtigsten Ausbildungszentren für Autodesigner. Die Absolventen sind in der Industrie sehr begehrt. Ehemalige Studenten arbeiten bei allen namhaften Design-Studios weltweit.
Der Student Michal Wojtaszek hat sich Gedanken über die Verbindung der Verkehrsmittel Automobil und Eisenbahn gemacht. Sein Konzept besteht aus kleinen, leichten Elektroautos und Fernzügen, die diese Autos auf längeren Strecken befördern können. Die zweisitzigen Fahrzeuge können platzsparend abgestellt werden, indem man sie einfach hochklappt und aufs Hinterteil stellt. Gewissermaßen ein Autoreisezug für den Alltag.

“Heute haben die unterschiedlichen Verkehrsmittel so gut wie nichts miteinander zu tun. Der Autofahrer und der Zugfahrer scheinen ja zwei vollkommen unterschiedliche Personen zu sein,” kritisiert Lutz Fügener. Die Schnittstelle zwischen öffentlichem Personenfernverkehr und Auto sei – im besten Fall – ein Parkplatz vor dem Bahnhof.  Nun gehe es darum, die Schnittstellen zwischen den Verkehrsmitteln “fluenter” zu machen. Daraus könnten dann auch ein anderes Nutzungsverhalten und neue Verkehrskonzepte entstehen.

Kein weiter so

“Im Moment entwickelt sich unter den jungen Leuten eine vollkommen neue Sicht auf das Automobil,” erklärt Professor Lutz Fügener, Die junge Generation stelle ganz andere Ansprüche an die individuelle Mobilität als die Generation, die heute Autos kauft. Fügener erzählt von einem seiner Absolventen, der nach dem Studium nach Berlin gezogen ist. “Er hat seinen kleinen Sportwagen verkauft und sich eine Bahncard 100 gekauft – für ihn die beste Lösung unter den jetzigen Bedingungen.”

Im Gespräch mit den jungen Designern und ihrem Professor wird deutlich, ein “weiter so, wie bisher” kann es beim Thema Mobilität, insbesondere in der Automobilindustrie, nicht geben. Die Hersteller müssen auf die veränderten Rahmenbedingungen und die neuen Ansprüche der jungen Generation reagieren. Passende Konzepte sind gefragt.

Björn Lilienthal, SWR.de

  1. 12

    Johannes 31.05.2011 | 17:16 Uhr

    Mein Komliment zu Ihrem kompetenten und ausführlichen Bericht - wir können uns (hoffentlich) auf eine grüne Automobilzukunft freuen!

  2. 11

    Autofahrer 28.05.2011 | 11:14 Uhr

    Bahncard? Nicht mit dieser (!) Bundesbahn!

  3. 10

    Hans Helmut Much 22.05.2011 | 23:27 Uhr

    Die Frage nach dem "Auto der Zukunft" wird viel zu stark als eine technologische Herausforderung dargestellt. Diese Sichtweise greift jedoch viel zu kurz. Für die Sicherung der (individuellen) Mobilität, die ja gesichert (...) werden soll, spielt jedoch ein neues, geändertes Mobilitätsverhalten der Menschen die entscheidende Rolle. So fehlen Beiträge zu dem revolutionierenden Gedanken n.d. Einführung eines "öffentlichen Autos", das jederm. jederzeit an jedem belieb. Ort für beliebige Zeitz.Vfg.steht.Mehr zeigenWeniger zeigen

  4. 9

    robert zimmermann 21.05.2011 | 18:16 Uhr

    Auch durch Elektroantrieb und Biosprit wird der Autoverkehr nicht zukunftsfähig. Beides ändert zu wenig am Auto selbst, bringt aber massive Zusatzprobleme. Beim Elektroauto im Stromverbrauch und der Batterieentsorgung. (...) Beim Biosprit in der Landwirtschaft und der Umwelt. Wir brauchen aber im Verkehr viel grundlegendere Änderungen. Politik und Verkehrsunternehmen müssen engagiert die Ausbreitung öffentlicher Elektromobilität mit Tram, O-Bus und elektrifizierten Bahnnetzen fördern.Mehr zeigenWeniger zeigen

  5. 8

    Falk 20.05.2011 | 00:33 Uhr

    Dieses Thema ist doch wohl der absolute Beweis, was für teils nebensächliche und teils politisch motivierte Inhalte diese Themenwoche hat. DESIGN studenten erarbeiten Mobilitätskonzepte für die Zukunft?, und das nimmt (...) die ARD ernst??? Als Ingenieurstudent kann ich darüber doch nur lachen. In 30 Jahren wird es Verkehr wie bisher geben, der Antrieb wird vielleicht anders sein, aber mehr auch nicht. Das Design wird so unterschiedlich sein, wie das Design heutige Autos von Autos vor 30 Jahren.Mehr zeigenWeniger zeigen