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ARD Themenwoche 2012: Leben mit dem Tod

ARD-Themenwoche 2012 - 17. bis 23. November

Laub. Quelle: colourbox.com

Wenn jemand stirbt

Die Mutter liegt im Sterben. Oder der beste Freund aus Kindertagen. Oder die alleinstehende Nachbarin, die sich immer liebevoll um die Balkonblumen kümmerte, während man selbst im Urlaub war. Der Tod kann plötzlich kommen, doch oft ist er auch vorhersehbar.

Sterben ist ein Prozess, der unterschiedlich lange dauern kann. Wie steht man Menschen in einer emotional so belastenden Situation bei, wenn man sich selbst hilflos fühlt? Woran erkenne ich, dass ein Leben bald zu Ende geht? Und was bedeutet der Tod für den Sterbenden?

Besonders belastend wird die Situation für Angehörige, wenn sie für den Sterbenden entscheiden müssen, weil er selbst es nicht mehr kann und keine Vorsorge getroffen hat.

Der Schwerpunkt Sterbebegleitung soll bei diesen Fragen Orientierung, Unterstützung und weiterführende Informationen bieten.

:: Literaturhinweise zur ARD-Themenwoche ::

Stand: 26.11.2012

Zeit, die noch bleibt

:: Die letzte Lebensphase in Würde verbringen ::

Einen schwerkranken oder sterbenden Menschen zu betreuen, ist eine Leistung, die oft nicht allein vom privaten Umfeld des Pflegebedürftigen erbracht werden kann. Doch in welcher Umgebung der Sterbende seine letzte Zeit verbringt, hat großen Einfluss auf sein Wohlbefinden.

Was bedeutet Sterbebegleitung?

Beistand in der letzten Lebensphase können Angehörige und Freunde sowie Ärzte, Pflegepersonen, Psychologen, Seelsorger und ehrenamtliche Helfer geben.

Krankenhäuser und Pflegeheime sind heute verpflichtet, für Bedingungen zu sorgen, die Menschen in ihrer letzten Lebensphase in Würde sterben lassen. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen über Ihre Wünsche für diese Zeit.

Was sollte das soziale Umfeld des Sterbenden beachten?

Laut der Befragung »Sterben in Deutschland – Wissen und Einstellungen zum Sterben« im Auftrag des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbands haben 72 % aller Befragten und 66% der Befragten im Alter von mindestens 60 Jahren großes Vertrauen in ihr soziales Umfeld. Sie gehen davon aus, dass sich jemand aus Familie, dem Freundeskreis oder der Nachbarschaft um sie kümmern wird - sollten sie pflegebedürftig werden. Einen schwerkranken oder sterbenden Menschen zu betreuen, ist jedoch eine Leistung, die meist nicht allein vom privaten Umfeld des Pflegebedürftigen erbracht werden kann. Im Zuhause der bedürftigen Person können professionelle Pflegedienste die Angehörigen unterstützen. Ist eine häusliche Pflege nicht mehr möglich, kommen Institutionen wie Pflegeheime und Hospize in Frage.

Wenn Sie Fragen haben, scheuen Sie sich nicht, auf Ärzte oder Pfleger zuzugehen, falls diese sich nicht von sich aus an Sie wenden.

Neben der medizinischen Versorgung spielen jedoch Bedürfnisse eine Rolle, die spiritueller oder psychischer und sozialer Natur sind, wie der Wunsch nach Geborgenheit und Nähe. Die optimale Betreuung eines pflegebürftigen Menschen ist daher das Ergebnis ein Zusammenspiel aus all diesen Aspekten. Sogar das Schmerzempfinden scheint durch die Betreuung beeinflusst zu sein - je aufgehobener sich ein Mensch fühlt, desto besser kann er den Schmerz verarbeiten.

Sterben in Institutionen

Es existieren keine repräsentativen Studien zu Orten, an denen Menschen sterben. Allerdings gibt die Befragung »Sterben in Deutschland« zumindest Anhaltspunkte anhand regional erhobener Daten. Das Ergebnis: Der Wunsch nach dem Tod im gewohnten Umfeld kann in der Realität oft nicht erfüllt werden: Über 40% der Menschen sterben im Krankenhaus, rund 30% in einer stationären Pflegeeinrichtung, etwa 25% daheim, 5% im Hospiz.

Dass heute eine wachsende Anzahl von Menschen in Institutionen stirbt, liegt auch daran, dass in den modernen Familienstrukturen nur selten ein Familienmitglied bereit ist oder sich zeitlich und finanziell leisten kann, eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu übernehmen. Sind zudem für die Pflege außergewöhnliche Rahmenbedingungen nötig wie aufwendige medizinische Apparaturen, kann die notwendige Versorgung im gewohnten Umfeld nicht sichergestellt werden. Auch wenn der Pflegeaufwand enorm ist und über die Kräfte der Angehörigen geht, kann der Tod im Krankenhaus oder anderen stationären Einrichtungen die einzige Alternative sein. In diesem Fall sollten Angehörige versuchen, sich nicht schuldig zu fühlen. Auch wenn sie sich nicht für eine häusliche Pflege entscheiden, können sie für den Sterbenden da sein.

Welche Form für den Sterbenden die richtige ist, sollte in Absprache mit ihm und anderen ihm nahestehenden Menschen sowie den betreuenden Ärzten entschieden werden. Ein wichtiger Ansprechpartner für Ratschläge zu professioneller Pflege und Einrichtungen, die in Frage kommen, ist der Hausarzt, der seinen Patienten im besten Fall schon lange Zeit begleitet.

Was passiert im Hospiz?

Für Menschen, die nur noch eine sehr begrenzte Lebenserwartung haben, sind Hospize ein Ort, an dem sie Beistand finden. Voraussetzung für einen Wechsel in ein Hospiz ist, dass keine Behandlung im Krankenhaus notwendig und eine ambulante Betreuung nicht möglich ist.

Hospize sind meist kleinere Häuser ohne Krankenhausatmosphäre, die Geborgenheit vermitteln und Platz für Privatsphäre bieten. Speziell ausgebildete Pflegekräfte kümmern sich rund um die Uhr um die Bewohner. Die verbleibende Lebenszeit wird so menschenwürdig und schön wie möglich gestaltet. Angehörige dürfen hier auch übernachten und den Patienten jederzeit besuchen.

Ambulante Hospizdienste betreuen schwer kranke und sterbende Menschen und deren Angehörige zu Hause, in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern. Meist sind das ehrenamtliche Mitarbeiter, die speziell geschult wurden. Auch über den Tod eines Angehörigen hinaus können Hinterbliebene Unterstützung bekommen. In der Regel ist Sterbebegleitung und die Aufnahme in ein Hospiz für den Betroffenen kostenlos.

Sterben im gewohnten Umfeld

Zuhause im gewohnten Umfeld zu sterben, ist nicht mehr so normal, wie es einmal war. Obwohl es sich laut der Bevölkerungsbefragung »Sterben in Deutschland« 66% der Befragten wünschen würden. Nur 18% möchten in einer Einrichtung zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen sterben, 3% im Krankenhaus und 1% im Pflegeheim.

Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Der Sterbende ist in seinem gewohnten und vertrauten Umfeld, im besten Fall umgeben von den Menschen, die er liebt. Er ist eingebettet in den Alltag der Angehörigen und kann damit besser am Leben teilhaben. Und auch für die Angehörigen hat diese Form Vorteile, sie erleben den Sterbeprozess mit, können ihn dadurch oft leichter akzeptieren und sich in Ruhe verabschieden. Außerdem empfinden die Angehörigen bei dieser Form der Sterbebegleitung weniger Schuldgefühle und werfen sich nicht selbst vor, sie würden den Sterbenden abschieben oder ihn mit seinen Ängsten alleine lassen.

Voraussetzungen für das Sterben daheim

Wenn sich jemand wünscht, zuhause zu sterben, müssen Angehörige sich detailliert informieren, was bei der Pflege auf sie zukommen kann und auf welche Situationen sie sich einstellen müssen. Auch auf mögliche Todesarten sollten sie vorbereitet sein sowie wissen, in welcher Notlage vielleicht doch die Einweisung in ein Krankenhaus unvermeidlich wird. Regelmäßige Absprachen mit betreuenden Ärzten und Pflegern und ein steter Austausch sind unverzichtbar. Nur wenn die häusliche Pflege voraussichtlich von den Angehörigen geleistet werden kann und natürlich wenn die Angehörigen dies auch wollen, können sie dem Wunsch des Sterbenden entsprechen.

Fällt die Entscheidung für das Sterben daheim, sollten alle Bewohner des Hauses und das soziale Umfeld davon wissen. Außerdem müssen die Räume, in denen der Sterbende die letzte Zeit verbringen soll, angemessen gestaltet und ausgestattet sein. Mitzudenken sind auch räumliche Gegebenheiten wie Treppen oder enge Bäder, die Schwierigkeiten bereiten könnten. Unterstützend sollten der Hausarzt sowie eventuell ambulante Pflegedienste der Familie regelmäßige Besuche abstatten - sowie 24 Stunden erreichbar sein. Der Zustand des Patienten muss auch nachts und am Wochenende überwacht werden, um auf Veränderungen rechtzeitig reagieren zu können. Alle Hilfsmittel, die für die Pflege nötig sind, sollten im Haushalt vorhanden und griffbereit verstaut sein, ebenso eine Liste aller Ansprechpartner des Pflegeteams mit Kontaktdaten.

Wo finden Begleiter Unterstützung?

Wenn man Angehöriger oder Freund eines todkranken Menschen ist, wird man beinahe automatisch zum Sterbebegleiter. Gerade wenn es bisher wenig oder keine Berührungspunkte mit dem Tod gab, ist dies eine schwierige Situation - für den Sterbenden genauso wie für die Sterbebegleiter. Auch sie haben Bedürfnisse, die leicht in den Hintergrund geraten. Ein intaktes soziales Netz aus Familie, Freunden und Bekannten ist daher gerade für nichtprofessionelle Sterbebegleiter wichtig. So lässt sich die Verantwortung auf mehrere Betreuer verteilen, die sich um den sterbenden Menschen kümmern und sich gegenseitig unterstützen können. Gemeinsam Erinnerungen wachzurufen, Bilder anzusehen, vielleicht auch Tagebuch zu führen, kann den nahenden Abschied erleichtern.

Menschen, die andere im Sterben begleiten, benötigen als Ausgleich Zeit für sich selbst und erholsame Momente, in denen sie sich nicht mit dem Tod beschäftigen. Neben dem medizinischen Beistand des Fachpersonals bieten professionelle Hospizdienste oder auch Geistliche psychologische und seelische Unterstützung an. Vor allem kirchliche Organisationen und Hospizvereine bieten auch zudem Kurse an, die sich mit diesem Thema Sterben und Tod befassen. Außerdem finden sich in Selbsthilfegruppen oder auch in Internetforen Menschen, die ähnliche Erfahrungen durchleben oder durchlebt haben. Private Sterbehelfer sollten sich nicht scheuen, Hilfe anzunehmen.

Manchen Menschen hilft es, noch unausgesprochene Themen anzugehen, solange dies noch möglich ist. Wenn dies auch der Wunsch des Sterbenden ist, kann es ein Weg zu einem friedlichen Abschied ebnen und verhindert Gedanken wie »Hätte ich ihm doch noch gesagt ...«, die nach dem Tod eines Angehörigen quälen können. Dazu gehören allerdings keine schwelenden Konflikte, die unter den Familienmitgliedern und womöglich noch vor Todkranken ausgetragen werden. In dieser Ausnahmesituation sollte der Zusammenhalt im Vordergrund stehen.

:: Abschied in kleinen Schritten ::

Fünf Sterbephasen definierte die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross anhand Ihrer »Interviews mit Sterbenden« (»On Death and Dying«, 1969). Ob ein Mensch alle Phasen durchlebt und in welcher Reihenfolge, ist individuell verschieden.

Leugnung: »Das hat nichts mit mir zu tun.«

Der Mensch will seinen bevorstehenden Tod nicht wahr haben, er leugnet ihn sogar, glaubt an einen Irrtum. In dieser Phase stehen die Betroffenen unter Schock, glauben auch bei der Diagnose noch an einen Irrtum.

Was tun? Diese Phase erfordert von den Begleitern viel Verständnis. Sie sollten des Gemütszustand des Todkranken versuchen zu akzeptieren und zu respektieren, auch wenn ihnen eher danach zumute ist, ihn mit Nachdruck wachzurütteln. Bleiben Sie an seiner Seite, seien Sie für ihn da, hören Sie ihm zu.

Zorn: »Warum ausgerechnet ich?«

Die Phase ist von Wut geprägt, Wut auf das eigene Schicksal, auf sich selbst, bei religiösen Menschen auch auf Gott. Auch die Menschen in der Umgebung des Sterbenden trifft oft der Zorn, da sie gesund sind und nicht dem Tod entgegen sehen. Den Begleitern gegenüber zeigt sich der Sterbende missmutig.

Was tun?Diese Phase ist für die Menschen in der Umgebung des Sterbenden schwer zu ertragen. Die Stimmung drückt auch die Laune der Begleiter. Versuchen Sie, sich von den negativen Gefühlen des Kranken so weit es geht abzugrenzen, um sich selbst zu schützen, aber ihm dennoch nahe zu sein. Sollten Schmerzen oder andere Symptome die Ursache sein, müssen diese natürlich ernst genommen werden.

Verhandeln: »Ich verspreche, mein Leben zu ändern!«

Vielleicht ließe sich ja verhandeln? Eigentlich ist sich der Sterbende seines nahenden Todes bewusst, doch akzeptiert hat er ihn nicht. Dennoch macht er häufig einen ruhigen, entspannten Eindruck. Insgeheim hat er immer noch Hoffnung und versucht daher mit Ärzten, sozialem Umfeld oder Gott Abmachungen für den Fall seiner Genesung zu vereinbaren - etwas Gutes tun, sein Leben ändern oder noch wichtige ausstehende Dinge erledigen.

Was tun? Der Umgang mit dem Sterbenden ist in dieser Phase einfacher als in vielen anderen. Versuchen Sie seine Versprechungen oder Vorhaben nicht abzutun oder zu kritisieren, auch wenn sie unrealistisch scheinen. Seine Hoffnungen sollten Sie zulassen, aber keine unberechtigen schüren. Sie dürfen ihm ruhig sagen, wie Sie die Lage einschätzen.

Depression: »Ich muss sterben. Ich bin unsagbar traurig.«

Sobald der Sterbende spürt, dass der Tod unvermeidlich ist, setzt eine tiefe Depression ein. Die Trauer nimmt von ihm Besitz, auch wenn sich manche Menschen immer noch an ein Weiterleben klammern wollen.

Was tun? Für Angehörige ist dies eine Phase, die sie meist am besten nachvollziehen können. Da sein, zuhören, reden steht nun im Mittelpunkt. Man kann den Tod nicht "hinweg trösten", daher reden Sie lieber mit dem Sterbenden über seine Trauer - wenn er das möchte. Lassen Sie sich von seinen Bedenken erzählen, was die Zukunft der ihm nahestehenden Personen ohne ihn betrifft und finden Sie vielleicht gemeinsam Lösungsansätze.

Begleiter müssen in dieser Phase viele Tränen aushalten, auch die eigenen, und Geduld mitbringen. Auch im Schweigen gemeinsam verbrachte Zeit hilft. Manchmal kommt es zu Konflikten, wenn der Sterbende aufgegeben hat und sein Umfeld noch kämpfen möchte. Angehörige sollten die Gefühle des Todkranken jedoch respektieren.

Akzeptanz: »Ich sterbe. Damit kann ich leben.«

Nicht alle Sterbende erreichen einen Zustand, in dem sie ihr Schicksal vollends akzeptieren und sich damit aussöhnen. Die Phase ist auch gekennzeichnet vom Rückzug in sein Inneres, alles was in der Außenwelt passiert, verliert an Wichtigkeit. Der Mensch scheint erfüllt von Frieden und Gelassenheit.

Was tun? Oft ist es den Sterbenden in dieser Phase nicht mehr wichtig, Menschen um sich zu haben, auch Gesprächsangebote weisen sie zurück. Haben Sie keine Angst vor dem Schweigen, fühlen Sie sich nicht zurückgewiesen. Wenn es sein Wunsch ist, zu gehen, sollten Sie ihm dies gewähren. So schwer es auch fällt. Wenn das Umfeld loslassen kann, gelingt dem Sterbenden der Abschied leichter.

Im Sterben

:: Ist tot gleich tot? ::

Der Tod hat in unserem Alltag oft keinen Platz. Nur wenige wissen daher, was sich im Sterbeprozess abspielt und was eigentlich »tot« bedeutet. Auch um Ängste abzubauen, ist es sinnvoll, über die Abläufe informiert zu sein.

Klinischer Tod

Beim Sterben versagen im Körper nach und nach alle körperlichen Funktionen und Organe. Die Hirnaktivität verringert sich, die Wahrnehmung wird eingeschränkt. Die Atmung wird flacher, die Sinne verschlechtern sich und fallen schließlich ganz aus. Der Herz-Kreislauf-System bricht zusammen. Der Kreislaufstillstand lässt sich potentiell durch Wiederbelebungsmaßnahmen rückgängig machen, wenn diese in den ersten Minuten durchgeführt werden. Durch den Sauerstoffmangel beginnen nach und nach alle Organe abzusterben. Das Gehirn trägt als erstes gravierende Schäden davon.

Biologischer Tod

Auf den klinischen Tod folgt der biologische Tod. Der Stoffwechsel ist zum Erliegen gekommen, die Organe sind abgestorben, die Körperfunktionen endgültig erloschen. Der biologische Tod ist durch die sicheren Todeszeichen wie Totenflecke und Totenstarre gekennzeichnet.

Hirntod

Der Hirntod wurde von der Bundesärztekammer definiert als "Zustand des irreversiblen Erloschenseins der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms." Er wird durch eine mehrere Minuten dauernde Unterversorgung mit Sauerstoff (z.B. durch Herzstillstand) verursacht, die zur Folge hat, dass das Hirngewebe abstirbt. Durch eine Herz-Lungen-Maschine kann die Herz-Kreislauffunktion jedoch noch aufrecht erhalten werden, zum Beispiel um bei Organspendern die Organe nicht zu schädigen und ein Transplantation zu ermöglichen. Dass der Hirntod mit dem Tod des Menschen gleichzusetzen ist, galt lange als unzweifelhaft. Allerdings gibt diese Definition inzwischen immer wieder Anlass zu der Grundsatzdiskussion, ob ein hirntoter Mensch tatsächlich tot, lebendig, oder in einem Schwebezustand ist.

:: Der Tod kündigt sich an ::

Woran merke ich, das ein Mensch im Sterben liegt? Und wie kann ich ihm dabei zur Seite stehen? Wenn man auf die Anzeichen vorbereitet ist, die auftreten können, kann dies die Angst vor der ungewohnten Situation lindern. Wie lange der Sterbeprozess dauert, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Körperliche Symptome

Schwäche, Frieren oder Schwitzen, der Blutdruck sinkt, der Puls wird schwach oder unregelmäßig - eine Vielzahl von kleinen Veränderungen können kurz vor dem Tod auftreten.

Was tun? Reagieren Sie, wie Sie auch sonst im Alltag reagieren würden. Wenn der Sterbende friert, decken Sie ihn zu, wenn ihm zu warm ist, verschaffen Sie ihm ein wenig Kühlung. Mancher empfindet es als angenehm, wenn Sie vorsichtig seine Liegeposition verändern oder Kopf und Oberkörper ein wenig hochgelagert sind. Es kann aber auch sein, dass ihm nicht nach Bewegung zumute ist. Achten Sie daher auf die Signale. Respektieren Sie die Wünsche des Sterbenden und kommen Sie ihnen sofern möglich nach.

Die Atmung verändert sich

Auf den Tod hinweisen kann eine schnellere oder langsamere bzw. unregelmäßige Atmung, auch die häufig beschriebene rasselnde Atmung oder Schwierigkeiten beim Luftholen können auftreten.

Was tun? Lindernd kann ein kleiner Wechsel der Position sein, lockern Sie die Kleidung, öffnen Sie das Fenster. Gegen Schwierigkeiten beim Atmen hilft vielleicht schon die beruhigende Nähe der Anwesenden. Bringen diese Maßnahmen keine Besserung, können Medikamente zum Einsatz kommen, zum Beispiel um die Schleimbildung in der Lunge zu mindern. Holen Sie sich Unterstützung von Ärzten oder Pflegern.

Hunger und Durst verschwinden

Viele Sterbende möchten in den letzten Tagen kaum mehr essen oder trinken.

Was tun? Dass Hunger und Durst in den Hintergrund treten, ist ein natürliches Anzeichen des nahenden Todes. Der Körper benötigt immer weniger Energie. Solange der Sterbende noch trinken kann, sollten Sie ihm kleine Mengen Flüssigkeit geben oder zumindest regelmäßig den Mund befeuchten.

Orientierungslosigkeit und Verwirrung

Am Lebensende geht der Bezug zur Realität verloren und das Zeitgefühl schwindet. Die Orientierung fällt schwer, der Sterbende kann verwirrt erscheinen oder ungewöhnlich müde. Manche Menschen erkennen selbst ihnen nahestehende Personen nicht mehr.

Was tun? Nehmen Sie dies nicht als Zeichen der Ablehnung. Die Wahrnehmung der Anwesenden hat für den Sterbenden immer weniger Bedeutung. Seine Welt kann so kurz vor dem Tod eine völlig andere sein.

Unerklärliche Wahrnehmungen

Es kann vorkommen, dass der Sterbende von Erscheinungen berichtet, die sonst niemand der Anwesenden wahrnimmt oder mit Menschen spricht, die längst verstorben sind. Man hört immer wieder von Schilderungen eines Tunnels oder Ganges oder eines hellen Lichtes. Solche Nahtoderfahrungen sind meist nicht mit Angst besetzt. Je nach (zum Beispiel religiösen) Hintergrund deuten die Sterbenden diese Wahrnehmungen unterschiedlich.

Was tun? Akzeptieren Sie, was Ihnen der Sterbende erzählt. Zweifeln Sie nicht an seinen Schilderungen, auch wenn Sie nichts von alldem nachvollziehen können und Sie der Meinung sind, dass er halluziniert. Versuchen Sie Anteil an seiner Welt zu nehmen und sprechen Sie mit ihm darüber.

Unruhe kommt auf

Zupfen an der Decke, an der Kleidung, fahrige Bewegungen. Es sind kleine Gesten, die die Unsicherheit des Sterbenden und den Verlust des Bezugs zum Diesseits signalisieren.

Was tun? Vermitteln Sie ihm das Gefühl, dass er nicht alleine ist. Bleiben Sie in seiner Nähe, beruhigen Sie ihn mit Worten oder einfach durch Ihre Anwesenheit.

Rückzug nach innen

Es kann sein, dass der Sterbende nur wenige oder gar keine Menschen mehr um sich haben möchte. Er will weniger sprechen oder kann es kaum noch. Es fällt ihm schwer, Anwesende zu fixieren. Er scheint verwirrt, spricht unverständlich oder in Symbolen.

Was tun? Respektieren Sie, wenn der Sterbende allein sein will, auch wenn Ihnen das schwerfällt. Nutzen Sie die kurze Auszeit. Wenn Sie mit ihm zusammen sind, genießen Sie auch die gemeinsame Zeit im Schweigen, ohne sich dabei seltsam vorzukommen.

Verlust des Bewusstseins

Auch wenn der Zeitpunkt gekommen scheint, an dem der Sterbende nicht mehr ansprechbar ist - es kann dennoch sein, dass er seine Umgebung wahrnimmt und noch viel von dem versteht, was im Zimmer gesprochen wird. Das Hören ist einer der letzten Sinne, die verschwinden.

Was tun? Reden Sie mit dem Sterbenden, ganz genau so, wie Sie es auch sonst tun würden. Wenn es noch etwas Wichtiges zu erzählen gibt, tun Sie das. Nutzen Sie die Gelegenheiten, die Sie haben.

:: Medizinische Maßnahmen ::

Die Angehörigen eines Sterbenden hoffen zum Einen, dass das Leiden ihres Verwandten oder Freundes bald endet - andererseits hoffen sie aber auch auf zusätzliche Lebenszeit mit ihm. Auch Ärzte tragen die schwere Verantwortung, finale Entscheidungen über Leben und Tod zu treffen.

Fortschritt - Segen oder Fluch?

Die medizinischen Möglichkeiten werden immer zahlreicher, die Ausstattung besser und die Fachkompetenz nimmt zu. Das bedeutet auf der einen Seite einen Fortschritt, denn viele Menschen gewinnen so wertvolle Lebenszeit, die ohne medizinische Hilfe nicht möglich gewesen wäre. Ärzte versuchen gemäß ihres Auftrags das Leben so lange wie möglich zu erhalten.

Doch der natürlich Tod ist durch den medizinischen Fortschritt immer seltener geworden. Infusionen oder künstliche Ernährung am Lebensende gehören heute scheinbar zum Sterben dazu. Und die Frage kommt auf, ob die medizinischen Möglichkeiten eine Verbesserung der Lebensqualität bedeuten oder nur eine Verlängerung des Sterbens.

Von Medizinern und Angehörigen müssen daher schwierige Entscheidungen getroffen werden. Vor allem, wenn der Sterbende nicht mehr selbst entscheiden kann und er für den Fall seines Todes keine Patientenverfügung verfasst hat. Hilfreich ist es, wenn Sie zumindest zu einem früheren Zeitpunkt mit dem Menschen über solche Themen gesprochen haben. Ist dies nicht der Fall, ist es umso wichtiger, die Meinung von Pflegepersonal, Betreuern und engen Vertrauten des Sterbenden einzuholen, um eine Entscheidung im Sinne des Sterbenden zu treffen.

Palliativmedizin

Die Palliativmedizin (nach lat. palliare = ummanteln, einhüllen) rückt die Würde der Menschen und ihre Schicksale in den Mittelpunkt und bezieht das soziale Umfeld der Kranken in die Behandlung mit ein. Über den Tod des Angehörigen hinaus sieht sie für die Hinterbliebenen Unterstützung vor.

»Palliative Care« soll nach der Definition der World Health Organization (WHO) die Lebensqualität von lebensbedrohlich erkrankten Patienten und deren Familienn verbessern sowie Leiden vorbeugen und lindern. Dazu gehört frühzeitiges Erkennen, gewissenhafte Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen körperlichen, psychosozialen und spirituellen Beschwerden. Es gilt der Grundsatz, das Sterben weder zu beschleunigen noch hinauszuzögern.

Lebensverlängernde Maßnahmen

Eine belastende, schmerzhafte Behandlung ist nur dann gerechtfertigt, wenn der Nutzen für den Patienten im Verhältnis größer ist. Wenn lebensverlängernde Maßnahmen nur einen quälenden und schmerzhaften Sterbeprozess des Patienten verlängern, aber nicht heilend oder lindernd wirken, sind sie nicht zu rechtfertigen.

Besonderer Gegenstand der ethischen Diskussion sind Patienten im Wachkoma mit irreparablen Hirnschädigungen, die zwar noch Reflexreaktionen zeigen, aber kein eigenes Bewusstsein mehr haben und komplett abhängig von Krankenpflege wären. Schwierig sind auch Entscheidungen über die Behandlung von Komapatienten, die auf keine äußeren Reize mehr reagieren und sich selbst nicht mehr bewusst sind. Es ist zwar sehr wahrscheinlich, dass der Zustand nicht mehr umgekehrt oder verbessert werden kann - andererseits gibt es auch Fälle, in denen Menschen mit vermeintlich hoffnungsloser Diagnose plötzlich wieder erwachten.

Sterbehilfe

Sterbehilfe lässt sich unterscheiden in aktive, passive und indirekte Sterbehilfe. Aktive Sterbehilfe ist das gezielte Herbeiführen des Todes (»Tötung auf Verlangen«) bei einer anderen Person. Passive Sterbehilfe ist der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen. Indirekte Sterbehilfe ist die Leidenslinderung bei Schwerkranken, wobei die Verkürzung des Lebens in Kauf genommen wird.

Darüber hinaus gibt es noch die Beihilfe zum Suizid, also die Hilfeleistung zur Selbsttötung zum Beispiel durch die Beschaffung und Bereitstellung eines tödlichen Medikaments. Beihilfe zum Suizid ist nach geltendem Recht nicht strafbar.

Nicht als Sterbehilfe gilt der Abbruch der medizinischen Behandlung durch den Arzt auf Verlangen des Patienten bzw. einer dazu bevollmächtigten Person, das Ausschalten von lebenserhaltenden Geräten oder das Unterlassen von Reanimationsversuchen nach Eintreten des Hirntods.

Passive und indirekte Sterbehilfe ist in Deutschland erlaubt, aktive Sterbehilfe dagegen verboten.

In Europa dürfen Ärzte in der Schweiz, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg – teils in engem Rahmen – Hilfe zum Sterben leisten. Davon ist es nur in einigen Ländern für Ausländer möglich, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen.