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ARD Themenwoche 2012: Leben mit dem Tod

ARD-Themenwoche 2012 - 17. bis 23. November

Rosafarbene Blüten. Quelle: colourbox.com

Wenn jemand gestorben ist

Wenn ein Mensch gestorben ist, gibt es viel zu regeln. Doch der Verlust ist ein schwerer Einschnitt, der emotional stark belastet. In dieser Situation die Übersicht zu behalten und einen klaren Kopf zu wahren, fällt schwer.

Bereits in den ersten 24 Stunden stehen für die Hinterbliebenen vielfältige Aufgaben wie die Benachrichtigung von Verwandten und Freunden an, im Anschluss gibt es für die Beisetzung viele Fragen zu klären.

Nach der Bestattung beginnt der wohl umfangreichste und mühevollste Teil der Aufgaben, den die Angehörigen zu erledigen haben: Der Haushalt muss aufgelöst und der Nachlass geregelt werden. Versicherungen und Verträge sind zu kündigen, Behörden, Arbeitgeber, Vereine zu informieren und Finanzfragen zu klären.

Schritt für Schritt finden Sie hier in zeitlicher Abfolge alle Punkte, die nach einem Todesfall zu beachten sind.

:: Literaturhinweise zur ARD-Themenwoche ::

Stand: 26.11.2012

Wenn jemand gestorben ist

:: Unmittelbar nach dem Tod ::

Der Tod eines nahestehenden Menschen kommt meist unvorbereitet und kann zu einer Art Schockstarre führen. Woran Sie in den ersten Stunden nach dem Tod dennoch unbedingt denken sollten.

Den Totenschein ausstellen lassen

Wenn Sie einen Angehörigen tot auffinden, muss sofort ein Arzt gerufen werden. Er ermittelt die Todesursache, erklärt den Verstorbenen für tot und stellt einen Totenschein aus. Das ist mit Kosten zwischen 50 und 100 Euro verbunden. In einigen Fällen muss die Kriminalpolizei eingeschaltet werden, zum Beispiel dann, wenn sich die Todesursache vor Ort nicht eindeutig klären lässt beziehungsweise der Verdacht auf Freitod oder ein Verbrechen besteht.

Angehörige und Freunde verständigen

Benachrichtigen Sie Familienangehörige, Verwandte und Freunde des Verstorbenen. Besprechen Sie mit den nächsten Angehörigen das weitere Vorgehen. Dabei ist es hilfreich, die Aufgaben untereinander aufzuteilen.

Aufbahrung und Aussegnung regeln

In der Regel ist es möglich, dass der Tote zum Abschiednehmen zu Hause aufgebahrt wird, bevor er in ein Bestattungsinstitut überführt wird. Die Dauer dafür ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt und liegt zwischen 24 und 36 Stunden. Auf Wunsch kann ein Pfarrer zur Aussegnung herbeigerufen werden. Soll der Verstorbene kirchlich bestattet werden, machen Sie mit dem Pfarrer gleich einen Termin für ein Gespräch.

Die Wohnung versorgen

Inspizieren Sie die Wohnung des Toten. Gibt es Haustiere, die versorgt oder in Obhut gegeben werden müssen? Müssen Pflanzen gegossen werden? Schauen Sie nach, ob verderbliche Lebensmittel entsorgt, Heizkörper heruntergeregelt, Boiler und andere elektrische Geräte abgeschaltet und Abfalleimer geleert werden müssen.

Wenn die Zeit knapp ist, sollte am Anfang nur das Nötigste erledigt werden. In den nachfolgenden Tagen sollten Sie die Wohnung noch einmal gründlich in Augenschein nehmen.

Wichtige Unterlagen suchen

Um auf dem Standesamt bzw. Bürgeramt die Sterbeurkunde beantragen zu können, benötigen Sie den Personalausweis und die Geburtsurkunde des Toten, bei Eheleuten außerdem die Heiratsurkunde, bei Verwitweten die Sterbeurkunde des Ehepartners und bei Geschiedenen das Scheidungsurteil.

Möglicherweise hat der Verstorbene zu Lebzeiten in einer schriftlichen Willensbekundung (Bestattungsverfügung ) bereits festgelegt, ob er beerdigt oder eingeäschert werden will, ob er seinen Körper der Wissenschaft spenden will, oder ob nach seinem Tod Organe entnommen werden sollen.

Es kann auch sein, dass der Verstorbene einen Vorsorgevertrag mit einem Bestattungsinstitut oder eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen hat. Vielleicht existiert ein Testament. All diese Dokumente sollten Sie jetzt in seiner Wohnung suchen bzw. klären, ob sie eventuell an einem anderen Ort hinterlegt sind, zum Beispiel bei einem Notar.

Versicherung informieren (Lebensversicherung, Sterbegeldversicherung)?

Informieren Sie frühzeitig die Versicherungsgesellschaften, bei denen der Verstorbene eine Lebensversicherung oder Sterbegeldversicherung abgeschlossen hat, über den Todesfall. Sie vermeiden damit mögliche Schwierigkeiten bei der Auszahlung.

Urlaub beantragen

Bedenken Sie, dass die Aufgaben, die jetzt anstehen, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden sind. Falls Sie berufstätig sind, beantragen Sie Urlaub. Klären Sie mit ihrem Arbeitgeber, ob Sie Anspruch auf Sonderurlaub haben und wie Sie ihn geltend machen.

Persönliche Gegenstände aushändigen lassen

War der Verstorbene am Todestag in einem Krankenhaus oder in einem Heim, lassen Sie sich seine persönlichen Gegenstände aushändigen.

:: Am nächsten Tag ::

Der Schock sitzt noch tief, trotzdem muss das Abschiednehmen vorbereitet werden - die Beisetzung und die Trauerfeier erfordern Planungsaufwand. Kleinere organisatorische Aufgaben nehmen Zeit in Anspruch, und auch die Sterbeurkunde muss beantragt werden.

Sterbeurkunde beantragen

Mit dem Totenschein und den im vorangegangenen Abschnitt genannten Unterlagen muss innerhalb eines Tages auf dem Standesamt oder dem Bürgeramt die Sterbeurkunde beantragt werden. Einige Städte und Gemeinden bieten auf ihren Internetseiten die entsprechenden Antragsformulare zum Herunterladen an.

Die Sterbeurkunde muss an viele Institutionen gesendet werden, zum Beispiel an das Einwohnermeldeamt, an Banken, die Krankenversicherung, die gesetzliche Rentenversicherung und private Rententräger, aber auch Social-Media-Netzwerke und andere Online-Dienste verlangen zur Abmeldung/Löschung eine Sterbeurkunde. In der Regel stellen die Behörden gleich mehrere Exemplare kostenfrei aus. Reichen sie nicht, müssen weitere bestellt werden, für die dann Gebühren anfallen.

Bestattung organisieren

Mit Totenschein und Sterbeurkunde kann ein Bestattungsunternehmen ausgesucht werden. Es organisiert die Überführung des Leichnams und die Bestattung. Informationen dazu finden Sie im Hintergrund »Bestattung«.

Beisetzung vorbereiten

Dienstleistungen abbestellen, Termine absagen

Hat der Verstorbene Dienstleistungen wie zum Beispiel eine mobile Essensversorgung, einen Pflegedienst oder eine Haushaltshilfe in Anspruch genommen, informieren Sie den jeweiligen Anbieter und bestellen Sie gebuchte Leistungen ab. Klären Sie gleich die Modalitäten, wie der Vertrag gekündigt werden kann.

Schauen Sie nach, ob der Verstorbene vor seinem Tod noch Termine ausgemacht hat (zum Beispiel Arzt, Friseur, Physiotherapie, Behörden, private Verabredungen) und sagen Sie sie ab.

Dokumente aufbewahren, Ausgaben notieren

Achten Sie von Anfang an darauf, dass Sie alle Rechnungen, Urkunden und anderen Dokumente, die Sie im Zusammenhang mit dem Todesfall erhalten, sorgfältig aufbewahren. Viele Belege werden später noch einmal gebraucht (zum Beispiel Regelung des Nachlasses, Einkommensteuererklärung). Führen Sie auch eine Liste über alle Ausgaben, die Sie vom Konto oder dem Barvermögen des Verstorbenen bezahlen.

:: Innerhalb von 36 Stunden ::

Piktogramm einer Kerze

Stand der Verstorbene mitten im Leben, ist besonders viel zu regeln. Versicherungen und Ämter müssen informiert und der Bankverkehr geregelt werden. Versuchen Sie sich ein Bild darüber zu machen, was der Verstorbene in den letzten Wochen getan oder geplant hatte.

Rentenversicherung informieren

Lassen Sie bei der Rentenversicherung prüfen, ob ein Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente (Witwenrente, Waisenrente) besteht. Informationen gibt es auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung oder unter der kostenlosen Telefonnummer (0800) 10 00 48 00. Beantragen Sie gegebenenfalls die Zahlung eines Übergangsgeldes. Die Rentenversicherung bietet dafür auf ihrer Internetseite einen Antrag zum Herunterladen an.

Unfallversicherung informieren

Ist der Verstorbene bei einem Unfall ums Leben gekommen und hatte er eine Unfallversicherung abgeschlossen, beantragen Sie die Auszahlung der Versicherung.

Bankverkehr regeln

Prüfen Sie, ob der Verstorbene Zahlungsaufträge bei Banken und Sparkassen eingerichtet hatte. Daueraufträge müssen gegebenenfalls geändert, andere Aufträge gelöscht werden.

Hinweis: Am einfachsten ist der Zugang für Ehepartner, die ein gemeinsames Konto hatten oder dem anderen eine Vollmacht über ihr Konto erteilt haben. Aufträge per Online-Banking können nur bearbeitet werden, wenn der Hinterbliebene die Zugangsdaten kennt und weiß, wie die Freigabe erfolgt (TAN-Liste, SMS). Wer diese Daten nicht hat, über keine Vollmacht verfügt oder feststellt, dass das Konto bereits gesperrt worden ist, muss sich direkt an die jeweilige Bank wenden. Allerdings kann es einige Wochen dauern, bis Erben Zugriff auf ein gesperrtes Konto haben, denn die Banken warten die Testamentsvollstreckung ab.

Achtung: Auch wenn einige Banken von den Erben einen Erbschein fordern, ist das gesetzlich nicht notwendig. Eine beglaubigte Kopie des Testaments reicht aus. Besteht die Bank trotzdem auf einem Erbschein, ist sie verpflichtet, ihn zu bezahlen.

Prüfen Sie, wer vom Konto des Verstorbenen Beträge abbucht und ob diese Abbuchungen berechtigt sind. Kündigen Sie gegebenenfalls Einzugsermächtigungen und fordern Sie, falls nötig, Beträge zurück.

Hinweis: Bei der Regelung der Finanzen kann es sinnvoll sein, einen Anwalt zu konsultieren.

Arbeitslosengeld abmelden

Wenn der Verstorbene arbeitslos war und Arbeitslosengeld 1 oder 2 erhalten hat, benachrichtigen Sie das Arbeitsamt bzw. das Sozialamt. Die jeweilige Behörde wird nach dem Tod gezahlte Beträge wieder zurückfordern.

Bestellungen stornieren

Prüfen Sie, ob der Verstorbene vor seinem Tod noch Waren bestellt oder eine Reise gebucht hat und stornieren Sie die Bestellung/Buchung.

:: Innerhalb von 14 Tagen ::

Wenn der Verstorbene beigesetzt wurde und die wichtigsten Formalitäten erledigt sind, müssen sich die Angehörigen um die regelmäßigen Verpflichtungen des Verstorbenen kümmern, darunter die Kündigung von Miet- und sonstigen Verträgen, Mitgliedschaften oder Versicherungen.

Mietvertrag für die Wohnung übertragen oder kündigen

Nach dem Tod eines Menschen, ist oft auch zu klären, ob die Wohnung weiter genutzt wird oder gekündigt werden muss. Bleiben Hinterbliebene darin wohnen, sollten der Mietvertrag und alle anderen Verträge (Wasser, Strom, Gas, Wärme, Telefon, Internet, Kabelfernsehen, GEZ etc.) auf sie übertragen werden. Wenn der Verstorbene allein gelebt hat oder die Hinterbliebenen umziehen wollen, müssen die Verträge gekündigt werden.

Hier ist es sinnvoll, sich frühzeitig an den Vermieter zu wenden und zu klären, ob die geltende Kündigungsfrist möglicherweise verkürzt werden kann und in welchem Umfang die Wohnung renoviert werden muss. Auch mit den anderen Vertragspartnern (z.B. Energieversorger, Telefon- und Internetanbieter, Kabelfernsehanbieter) sollten Sie sprechen und das weitere Vorgehen abstimmen.

Hat der Verstorbene in einem Heim gelebt, müssen Sie den Heimplatz kündigen und sein Zimmer räumen. Außerdem ist mit der Heimverwaltung zu klären, wie lange noch Leistungen gezahlt werden müssen.

Dienstleistungsverträge kündigen

Wenn vorhanden, kündigen Sie Dienstleistungsverträge, die der Verstorbene geschlossen hat, beispielsweise mit einem mobilen Essensanbieter, einem Pflegedienst oder einer Haushaltshilfe.

Um die Post kümmern

Bedenken Sie, dass der Verstorbene immer noch Post bekommt. Bringen Sie zunächst einen Hinweis am Briefkasten an, dass keine Werbung und kostenlosen Zeitschriften eingeworfen werden sollen. Falls Sie keine Zeit haben, regelmäßig den Briefkasten zu leeren, können Sie bei der Post einen Nachsendeauftrag an Ihre Adresse einrichten. Das ist auch online möglich.

Die Krankenversicherung abmelden

Melden Sie den Verstorbenen bei der Krankenversicherung ab. Sollte der Tote seine Versicherungsbeiträge selbst gezahlt haben, muss unter Umständen noch der Beitrag für den laufenden Monat gezahlt werden. Das ist vor allem bei Selbstständigen der Fall. Bei den meisten werden die Beiträge aber bereits vom Lohn bzw. der Rente abgezogen. Achtung: Familienangehörige, die über den Verstorbenen mit krankenversichert waren, müssen sich jetzt neu versichern!

Die Pflegeversicherung informieren

Die Pflegeversicherung muss vor allem dann informiert werden, wenn der Verstorbene Leistungen bezogen hat. Zahlungen nach dem Tod müssen zurückgezahlt werden. Außerdem ist zu prüfen, ob die Pflegeversicherung gegebenenfalls die Rentenbeiträge für Pflegende eingezahlt hat.

Weitere Versicherungen, Rententräger und Pensionskassen informieren

Finden Sie heraus, welche Versicherungen der Verstorbene abgeschlossen hat (Haftpflicht-, Rechtsschutz-, Hausratversicherung u.ä.) und ob über die gesetzliche Rentenversicherung hinaus Verträge zur privaten oder betrieblichen Altersvorsorge existieren.

Informieren Sie die Versicherungen, Rententräger oder Pensionskassen und klären Sie, wie die Verträge gekündigt werden können. Lassen Sie sich eventuell ausstehende Beträge auszahlen.

Behörden informieren

Benachrichtigen Sie frühzeitig vor allem jene Stellen, von denen der Verstorbene Zahlungen erhalten hat. Bei Älteren sind das die bereits genannten Rentenstellen. Bei Jüngeren muss gegebenenfalls die Familienkasse informiert werden, die für das Kindergeld zuständig ist.

Bei Menschen mit Behinderung muss das Versorgungsamt informiert werden. Es wird den Behindertenausweis zurückfordern. Vorher sollten Sie eine vollständige Kopie anfertigen, die wird für die Steuererklärung gebraucht. Hat der Verstorbene Bafög bezogen, ist das Bafög-Amt zu informieren. Zahlte er noch ein Bafög-Darlehen ab, so wird es den Hinterbliebenen erlassen. Sie müssen aber das Bundesverwaltungsamt über den Todesfall informieren.

Testament zum Nachlassgericht bringen

Sofern der Verstorbene ein Testament hinterlassen hat, bringen Sie es zum Amtsgericht und dort zum Nachlassgericht bzw. zur Nachlassstelle. Hier können Sie sich auch über das weitere Vorgehen informieren. Das Gericht kümmert sich um die Testamentseröffnung und verschickt an die Erben eine beglaubigte Kopie des Testaments.

Den Erbschein beantragen

Falls Sie zu den Erben gehören, können Sie beim Nachlassgericht einen Erbschein beantragen, der Sie als Erben legitimiert. Die Gebühren dafür hängen von der Höhe des Erbes ab. Ein Erbschein wird vor allem bei Immobilien benötigt. Für Bankkonten und die meisten anderen Erbschaften reicht in der Regel die amtliche Kopie des Testaments.



Wenn der Verstorbene berufstätig war

War der Verstorbene noch in einem Arbeitsverhältnis oder hat als Selbstständiger gearbeitet, dann informieren Sie alle Vertragspartner:

Klären Sie auch, bei wem möglicherweise noch Forderungen offen sind (z. B. Rechnungen, Lohnkosten, Essengeld) beziehungsweise von wem der Verstorbene eventuell noch Geld zu bekommen hat (z. B. Gehalt, Honorar, offene Rechnungen).

Verträge und Mitgliedschaften prüfen

Nehmen Sie alle Verträge unter die Lupe. Vor allem, wenn es um Geld geht, kann es sinnvoll sein, dass ein Angehöriger den bestehenden Vertrag übernimmt, etwa bei Bauspar- oder Darlehensverträgen. Lassen Sie sich von einem Fachmann beraten!

Bei Mitgliedschaften in Genossenschaften informieren Sie sich, was in der Satzung der Genossenschaft zur Verfahrensweise im Todesfall festgelegt ist.

Verschaffen Sie sich einen Überblick, ob der Verstorbene Mitglied in Gewerkschaften, Verbänden, Vereinen, Förderkreisen oder anderen Organisationen war. Prüfen Sie, was sofort gekündigt werden kann und wo noch Vertragsbedingungen einzuhalten sind.

Digitalen Nachlass regeln (Online-Verträge, Social-Media-Netzwerke)

Die meisten Menschen hinterlassen heute auch Daten auf Computern und Mobiltelefonen. Informieren Sie sich, ob es bei dem Verstorbenen auch einen digitalen Nachlass zu regeln gibt. Wichtig ist, schnell herauszufinden, ob der Verstorbene im Internet Verträge abgeschlossen hat, die jetzt geändert oder gekündigt werden müssen.

Hatte der Verstorbene ein Facebook-Profil oder Accounts bei Google+, Twitter oder anderen Social-Media-Netzwerken, muss entschieden werden, ob diese Nutzerkonten-Konten gesperrt und gelöscht werden sollen oder aber ein Gedenkstatus eingerichtet werden soll. Informationen zum digitalen Nachlass finden Sie hier:

Ausgeliehenes zurückgeben

Bringen Sie ausgeliehene Bücher, Zeitschriften oder DVDs in die Bücherei bzw. die Videothek zurück. Sehen Sie nach, ob der Verstorbene noch andere Dinge ausgeliehen hatte, die zurückgebracht werden müssen, zum Beispiel Sportgeräte, medizinische Hilfsmittel oder Autozubehör. Lassen Sie hier keine Zeit verstreichen, weil sonst Gebühren anfallen können. Denken Sie auch an die Dinge, die von Freunden und Bekannten geliehen worden sind.

:: Nach circa vier Wochen::

In der schweren ersten Zeit haben Freunde, Nachbarn und Kollegen an Sie gedacht und ihr Mitgefühl bekundet. Für die Anteilnahme können Sie sich mit einem Brief oder einem Inserat in der Zeitung bedanken. Auch mit der Grabpflege sollten Sie sich nun beschäftigen.

Danksagung verschicken

Für die verschiedenen Zeichen der Anteilnahme von Verwandten, Freunden, Kollegen, Nachbarn usw. können Sie sich mit einem Danksagungsbrief oder einem Danksagungsinserat in der Zeitung bedanken.

Bestattungsrechnungen bezahlen

Wurden die Rechnungen für Sarg, Priester, Blumen und die Trauerfeier noch nicht beglichen, so ist dies spätestens nach einem Zeitraum von vier Wochen zu erledigen.

Grabpflege organisieren

Nach etwa sechs Wochen werden Kränze und Blumen vom Grab abgeräumt. Organisieren Sie rechtzeitig die Gestaltung und Pflege der Grabstelle. Bestellen Sie, wenn gewünscht, einen Grabstein und eine Grabeinfassung beim Steinmetz.

:: Innerhalb von acht Wochen ::

Regulär wird innerhalb von acht Wochen nach dem Tod das Testament eröffnet. Dies kann in Familien zu Streitigkeiten führen. Ist ein umfangreicheres Erbe zu erwarten, sollte daher ein Nachlassverzeichnis angefertigt werden.

Rund ums Erbe

Sollte das Nachlassgericht das Testament bis acht Wochen nach dem Tod noch nicht eröffnet haben, fragen Sie nach. Falls noch nicht geschehen, klären Sie, ob es einen Erbvertrag gibt.

Nachlassverzeichnis anfertigen

Ist ein umfangreicheres Erbe zu erwarten, sollten Sie ein Nachlassverzeichnis anfertigen. Es umfasst das gesamte wirtschaftliche Vermögen des Verstorbenen und wird als Übersicht bei der Aufteilung des Erbes genutzt.

Es hilft zudem bei den Angaben zur Erbschaftssteuer. Das Nachlassverzeichnis kann von den Hinterbliebenen erstellt werden, sie müssen dazu jedoch einen Notar konsultieren. Das Nachlassgericht kann aber auch einen Testamentsvollstrecker beauftragen. Im Nachlassverzeichnis werden auf der einen Seite sogenannte Aktivposten aufgeführt, also sämtliches Eigentum des Verstorbenen. Dazu gehören unter anderem Bankkonten, Depots, Edelmetall- und Aktienbestände (alles mit Stand vom Todestag), Bargeld, Wertgegenstände, Grundstücke, Immobilien, Unternehmen und Beteiligungen, Patent- und Urheberrechte sowie Außenstände. Auf der anderen Seite werden Passivposten aufgelistet, also alle Ausgaben, Forderungen und offenen Rechnungen.

Wer erbt wie viel?

Über die Frage, wer von den Erben wie viel bekommt, entscheidet zum einen das Testament. Existiert kein Testament, entscheidet die Erbfolge. Das bedeutet: Wer dem Verstorbenen, also dem Erblasser, näher steht, bekommt mehr als fernere Verwandtschaft. Kinder werden also beim Erbe besser bedacht als Neffen oder Nichten.

Allerdings gibt es immer wieder Konstellationen, in denen die Berechnung komplizierter ausfällt. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn nicht mehr alle Kinder des Erblassers leben und die verstorbenen Kinder selbst Kinder hinterlassen haben.

Auch bei einem Testament kann die Erbfolge eine Rolle spielen. Wenn ein Familienmitglied darin vom Erbe ausgeschlossen, also enterbt wurde, kann es trotzdem einen Pflichtteil fordern.

:: Nach zwei Monaten ::

Wenn die wichtigsten Aufgaben erledigt sind, geht es an finanzielle Fragen. Im Falle eines Erbes muss das Finanzamt in einem Zeitraum von drei Monaten informiert werden. Verwitwete sollten daran denken, ihre Lohnsteuerklasse ändern zu lassen.

Das Finanzamt nicht vergessen!

Haben Sie geerbt, müssen Sie das Finanzamt innerhalb von drei Monaten darüber informieren. Es wird sich dann mit Ihnen wegen der Erbschaftssteuer in Verbindung setzen. Für den Verstorbenen muss eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden.

Bei Alleinstehenden kann sie gegebenenfalls vorgezogen und bis zum Todestag ausgefüllt werden.

Bei Verheirateten ist sie von der Witwe bzw. dem Witwer für das ganze Jahr auszufüllen. Jetzt ist von Nutzen, wenn Sie alle Unterlagen und Belege des Verstorbenen sorgfältig geordnet und aufbewahrt haben. Dazu gehören auch alle Belege, die erst nach dem Tod zugesandt wurden.

Lohnsteuerklasse ändern lassen

Verwitwete haben im Todesjahr und im darauffolgenden Jahr Anspruch auf die günstigere Steuerklasse 3. Sie müssen sie lediglich beim Bürgeramt oder Finanzamt beantragen.

Mietkaution zurückfordern

Falls der Mietvertrag für die Wohnung des Verstorbenen gekündigt wurde, denken Sie daran, nach der Übergabe der Wohnung an den Vermieter die Mietkaution zurückzufordern.

Forderungen begleichen

Bedenken Sie, dass auch mehrere Monate nach dem Tod eines Angehörigen noch Forderungen eingehen können, zum Beispiel die Nebenkostenabrechnung für die Wohnung (die allerdings auch mit einem Guthaben abschließen kann). Nachträgliche Forderungen können aber auch von anderer Seite, zum Beispiel von der Kranken-, Renten- oder Pflegeversicherung kommen.

Vorsicht! Auch Betrüger lesen Todesanzeigen. Einige von Ihnen schicken fingierte Rechnungen an den Verstorbenen - und hoffen, dass die Angehörigen sie bezahlen. Prüfen sie darum alle Rechnungen genau. Verlangen Sie bei Zweifeln eine Legitimation oder eine Kopie des Vertrages.

Auto vorübergehend stilllegen lassen

Hatte der Verstorbene ein Auto und nimmt die Klärung der Frage, ob es weitergenutzt oder verkauft werden soll, einen längeren Zeitraum in Anspruch, ist es unter Umständen sinnvoll, das Auto vorübergehend stilllegen zu lassen. Sie sparen dadurch die Kosten für Kfz-Steuer und –Versicherung. Voraussetzung für eine vorübergehende Stilllegung ist, dass das Auto auf einem nicht öffentlichen Grundstück sicher abgestellt werden kann.

Hintergrund

:: »Trauer ist etwas zutiefst Individuelles« ::

Es gibt viele Anlässe traurig zu sein. Jeder kennt dieses Gefühl und hat gelernt, damit umzugehen. Anders verhält es sich mit Trauer. Sie stellt sich in der Regel nur bei tiefgreifenden Veränderungen ein, beispielsweise dem Tod eines uns sehr nahe stehenden Menschen. Ein Gespräch mit dem Leipziger Psychologen und Psychotherapeuten Dr. Dirk Baumeier.

Was unterscheidet Traurigsein von Trauer?

Psychologe und Psychotherapeut Dr. Dirk Baumeier, Bild: Volker Queck Dr. Dirk Baumeier Traurigsein ist eine normale Reaktion. Traurig sein kann man aus verschiedenen Gründen: Weil man ein Spiel verloren hat oder wenn etwas nicht klappt, wie man es sich vorgestellt hat. Trauer hingegen ist eine gesteigerte Traurigkeit. Trauer bedeutet, dass ich innerlich leide und bestimmte Symptome zeige, die über einen längeren Zeitraum stabil sind.

Wenn wir Verluste erleiden, dann haben wir das Gefühl, dass sich vieles verändert. Dieses Gefühl, dass Dinge in Fluss gekommen sind, dass vieles nicht mehr so sein wird, wie es einmal war, versetzt uns in Stress. Man fängt an, sich mit der neuen Situation, die sich aus dem Verlust ergeben hat, zu arrangieren, vieles durchzuspielen: Was wird wohl künftig kommen? Was wird anders werden im Leben? Kann ich überhaupt noch anknüpfen an das frühere Leben?

Ist Trauer in erster Linie ein biologisches oder ein kulturelles Phänomen?

Seit es Menschen gibt, wird getrauert. In allen Kulturen finden wir Trauer-Rituale. Und das weist darauf hin, dass die Trauer ein Stück weit angelegt ist. Es scheint eine genetische Disposition dafür zu geben. Es ist nicht nur eine kulturelle Vereinbarung, sondern es scheint so zu sein, dass wir in uns auch ein bestimmtes Programm tragen, was wir aktivieren, wenn wir andere Menschen, die uns nahestehen, verlieren. Das ist der Grund, warum wir Trauer auch bei Tieren beobachten können. Gerade bei hochentwickelten Tieren erleben wir, dass die typischen Symptome, die wir bei trauernden Menschern kennen, auch auftreten: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Rückzug von sozialen Kontakten, sexuelle Unlust.

Biologen haben das im Verlauf der letzten Jahrzehnte erforscht und haben einige ganz frappierende Erkenntnisse gemacht. So wurde beobachtet, dass Elefantenherden die Stoßzähne ihres langjährigen, nun aber verstorbenen Leit-Tieres, mitschleppen, dass Affen teilweise ihre verstorbenen Kinder mittragen. Also es scheint so zu sein, dass die Trauer eigentlich ein biologisches, kein soziales Phänomen ist.

Trauert jeder Mensch anders oder gibt es eine Art Protokoll?

Die individuellen Unterschiede zwischen den Menschen dominieren auch ihr Trauerverhalten. Die Stärke der Trauer ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Die Trauerphasen laufen aber nach einem gewissen Rhythmus und einer gewissen zeitlichen Reihenfolge ab. Es gibt Menschen, die trauern sehr schell, die sind nach wenigen Tagen durch. Die haben diese Trauerphasen schneller absolviert, vielleicht auch mit geringeren Amplituden. Und es gibt andere, bei denen dauert Trauer sehr lange, manchmal sogar mehrere Jahre. Und auch die durchlaufen die gleichen Trauerphasen, nur in gesteigerter Intensität. Man könnte also sagen, Trauer läuft nach einem bestimmten Schema ab. Aber die Dauer und die Intensität sind von Mensch zu Mensch verschieden.

Wie genau sieht ein Trauer-Schema aus?

Es gibt verschiedene psychologische Theorien darüber, wie Trauer abläuft. Stark vereinfacht kann man sagen, dass es drei wesentliche Phasen der Trauer gibt. Direkt nach dem Verlust erleben viele einen Zustand des Schocks. Im Schockzustand wollen wir Dinge nicht wahrhaben, wir sind wie paralysiert, wie gelähmt. Wir können in diesem Moment nicht frei denken, nicht essen, nicht trinken, nicht schlafen und wir sind kaum zugänglich für den Zuspruch anderer Menschen. An diesen Schockzustand schließt sich die Phase der aufbrechenden Emotionen an. Da machen die Trauernden in der Regel ein Wechselbad der Gefühle durch. Das reicht von Wut gegenüber dem Verstorbenen, weil er mich alleine gelassen hat, bis zu Gefühlen der Schuld. Man fragt sich beispielsweise, was man hätte tun können, um den Tod des Betrauerten zu verhindern.

In dieser Phase treten ganz merkwürdige depressive Verstimmungen auf, die sich abwechseln können mit aggressiven Phasen und Phasen der Desorientierung. Schließlich, als dritte Trauerphase, findet eine Art Neuorientierung statt. In der Regel gelingt es dann, den verstorbenen Menschen als inneren Begleiter zu akzeptieren. Man sieht dann den Verstorbenen nicht mehr als jemanden, der weg ist, sondern als jemanden, den man im Herzen trägt und mit dem man gewissermaßen gemeinsam die nächsten Jahre verbringt. Das ist die reifste Form von Trauer und auch das Ziel von Trauerarbeit. Das Wort Trauerarbeit zeigt an, dass es sich um einen aktiven Prozess handelt, nicht um einen passiven Prozess des Abwartens. Man muss etwas tun, muss versuchen, den Verstorbenen in sich einen Platz zu geben. Man muss versuchen, den Verlust auch als Chance für einen Neuanfang zu betrachten.

Gibt es Menschen, die Trauer überspringen können?

Überspringen kann man Trauerarbeit nicht. Es gibt jedoch Menschen, die sie gewissermaßen im Zeitraffertempo erledigen, denen gelingt es, die Trauer auf ganz, ganz wenige Tage, manchmal auf den Tag der Bestattung, zu konzentrieren. Das sind jedoch Ausnahmen. Alles, was wir in den Kulturen finden an Trauer-Ritualen, soll ja dazu dienen, den Verlust innerlich zu integrieren. Man hat in allen Kulturen die Erfahrung gemacht, dass Trauer im Normalfall ungefähr ein Jahr dauert und dass dieser Prozess oftmals nicht abgekürzt werden kann. Wer Trauerarbeit nicht leistet, verschiebt sie nur. Ich als Psychologe erlebe dann manchmal, dass später, manchmal nach einigen Jahren, diese Trauerarbeit doch noch einsetzt.

Woran erkennen Sie, ob jemand schnell getrauert oder nur verdrängt hat?

Als Psychologe gewinnt man ein Gefühl für die seelische Robustheit eines Klienten. Ist jemand sehr stabil und mit den Stürmen des Lebens gut zurechtgekommen, dann wird er auch seine Trauer sehr schnell verarbeiten können. Umgekehrt gibt es Menschen, die haben eine größere emotionale Labilität, die werden schneller aus der Bahn geworfen. Auch das hat sich bei ihnen schon früher gezeigt, beispielsweise beim Ende von Partnerschaften oder bei anderen gravierenden Veränderungen.

Wie schnell jemand über einen Verlust hinwegkommt, kann man oftmals daran erkennen, wie rational er ist. Wenn jemand sehr in der Realität verankert ist, gelingt es ihm in der Regel leichte, Trauerarbeit zu leisten und wieder Tritt zu fassen. Menschen, die sehr sensibel sind, brauchen meist länger.

Wie wichtig ist es, in seiner Trauer begleitet zu werden?

Als Psychologen glauben wir, dass Trauerbegleitung etwas sehr Essentielles ist. Wenn jemand in der Trauer alleine gelassen wird, wenn alle Angst haben, ihn anzusprechen, wenn sich alle von ihm zurückziehen, dann ist die Trauer in der Regel stärker. Witwen oder Witwer sagen mir oft: 'Bis zur Beisetzung war die Zuwendung noch da. Aber nach der Beerdigung reisen alle ab und dann bin ich plötzlich wieder ganz allein. Dann spüre ich den Verlust noch viel stärker.' Die Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass es leichter ist, Leid zu teilen. Und diese Erfahrung gibt es in allen Kulturen.

Wer ist der geeignete Trauer-Begleiter?

Geeignete Begleiter sind Menschen, die selber schon Trauernde waren oder professionelle Begleiter. Das kann im Idealfall ein guter Bestatter sein, bei Christen ist es in der Regel ein Seelsorger und bei allen anderen ist es ein Psychologe oder manchmal auch ein Philosoph.

Wie gehe ich mit einem Trauernden um? Ansprechen oder besser schweigen?

Der adäquate Umgang mit einem Trauernden besteht darin, dass ich ihn anspreche und Hilfe anbiete. Das kann eine Beileidsbekundung sein, dass kann aber auch einfach die Frage sein: Wie geht es Dir? Ich kann ihm anbieten, über seine Trauer zu sprechen. Wenn er nicht darüber reden will, dann wird er es sagen. Dann kann ich mich auch wieder zurückziehen. Aber in der Regel sind Trauernde sehr froh darüber, angesprochen zu werden. Viele erleben es als Erleichterung, über das Erlebte, über ihre Emotionen, sprechen zu können. Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen. Wir sind keine Einzelkämpfer und deshalb möchten wir mit anderen Menschen auch über unsere Befindlichkeiten sprechen.

Kann man sich in seiner Trauer festfahren?

Ja, neben der normalen, der gesunden Trauer, die etwa ein Jahr dauert, gibt es auch eine pathologische Trauer. Sie ist dadurch charakterisiert, dass sie sehr, sehr lange anhält, also über das Maß der gesunden Trauer hinausgeht. Ich habe Menschen erlebt, die haben noch zehn und 15 Jahre nach dem Tod ihres Partners stark getrauert und waren nicht in der Lage, ihr eigenes Leben in Angriff zu nehmen. Das geht oft mit Depressionen einher. Sehr häufig wollen solche Menschen dem Verstorbenen nachfolgen, entwickeln schwere Erkrankungen oder scheiden freiwillig aus dem Leben.

Wie lässt sich solchen Menschen helfen?

In solchen Fällen ist nur noch der Psychotherapeut der richtige Ansprechpartner oder vielleicht noch ein sehr erfahrener Seelsorger. Die Prognose für Menschen, die sich in ihrer Trauer festgefahren haben, ist sehr gut. In der Regel gelingt es immer, jemanden aus der Trauer zu befreien. Man versucht dann durch psychotherapeutische Maßnahmen den Verstorbenen als inneren Begleiter zu definieren, als Teil des Lebenden zu betrachten, den man mitträgt.

In Fällen, wo Eltern ihre Kinder verloren haben, besteht die adäquate Hilfe darin, die Eltern darin zu unterstützen, dem toten Kind gewissermaßen die Welt zu zeigen.

Bestattungsunternehmen beschäftigen immer häufiger geschulte Laien als Trauerbegleiter. Ist ihre Hilfe wirksam?

Ja. Wenn diese Trauerbegleiter erfahren sind, kann deren Hilfe auch wirksam sein. Ich veranschlage die persönliche Erfahrung eines Menschen höher als dessen Berufsabschluss. Wenn jemand als Bestatter beispielsweise jahrelang Trauernde begleitet hat, dann würde ich seine Kenntnisse höher veranschlagen als die eines ganz jungen Diplompsychologen, der gerade sein Studium abgeschlossen hat.

Der neue Trend heißt Trauer-Reisen. Menschen, die jemanden verloren haben, gehen gemeinsam auf Tour. Was halten Sie davon?

Das ist eine gute Variante, Trauerarbeit zu leisten. Ich unternehme mit anderen Trauernden eine Reise und betrachte diese Reise auch als innere Reise, von der ich auch innerlich gereift zurückkehre. Gerade in Zeiten der Not ist es oft hilfreich, mit Menschen zusammenzukommen, die das gleiche durchgemacht haben wie man selbst. Das kann sehr hilfreich sein, weil man merkt, dass man nicht allein ist und es anderen ebenso geht wie einem selbst. Man sieht, dass die anderen die gleichen Phasen durchmachen.

Trauernde fühlen sich oft sehr allein und sind irritiert von ihren Emotionen. Wenn sie beispielsweise Wut auf den Verstorbenen empfinden, weil sie sich alleine gelassen fühlen, dann gestehen sie sich diese Wut oft nicht ein. Sie halten diese Emotion für schlecht. Hören sie jedoch, dass andere Trauernde die gleichen Emotionen haben, kann diesem Gefühl die Schärfe genommen werden.

Wie wichtig ist es, seine Trauer öffentlich zu zeigen?

Seine Trauer öffentlich zu zeigen, hat keinen Effekt auf den Prozess der Trauer. Wir leben in einer Gesellschaft, die das Ideal der Selbstbeherrschung pflegt. Gerade in einer Zeit der sozialen Netzwerke und der Beobachtbarkeit wird es für viele Menschen immer wichtiger, ihre eigenen Emotionen ein Stück weit im Griff zu haben. So wird auch erwartet, dass ich meine Trauer selbst verarbeite und anderen nicht zur Last falle. Das beginnt ja schon beim Sterben. Heute wird das Sterben auf Intensivstationen und in Altenheime verlagert. Viele haben noch nie einen Toten gesehen. Unser Verhältnis zum Tod hat sich gewandelt. Wir gehen nicht mehr so offen damit um wie frühere Generationen.

Da nimmt es auch nicht Wunder, dass wir unsere Trauer nicht mehr so offen zeigen, wie es früher üblich war. Und das hat auch seine guten Seiten. Denn auf diese Weise gelingt es oftmals leichter, Verluste durchzustehen. Wir haben ja auch eine gestiegene Lebenserwartung. Heute werden wir so alt, dass wir nach dem Tod, beispielsweise des Lebenspartners, noch Jahrzehnte leben können. Da ist eine Gesellschaft der Selbstbeherrschung gar nicht so schlecht, weil sie es uns ermöglicht, leichter wieder Fuß zu fassen, uns neu zu formatieren und noch einmal neu zu beginnen.

Jeder Mensch ist frei zu entscheiden, ob er seine Trauer ausdrücken will oder nicht. Ich kann ja auch heute im 21. Jahrhundert ein Jahr lang schwarze Kleider tragen, wenn ich meine Trauer auf diese Art zeigen will. Es zwingt mich aber niemand, es zu tun. Und diese Liberalisierung menschlicher Emotionen führt eigentlich zu etwas, was wir Psychologen gutheißen können, nämlich zu einer individuell angepassten Trauerarbeit. Der gesellschaftliche Druck, in einer bestimmten Form zu trauern, nimmt ab. Das schafft auch neue Freiheiten. Die Gesellschaft wandelt sich, die Menschen sind verschieden und jeder soll die Form der Trauer wählen dürfen, die ihm gemäß ist.

:: Die Bestattung ::

Gut die Hälfte der Deutschen wird beerdigt, knapp die Hälfte lässt sich einäschern. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, zum Beispiel die See- oder Weltraumbestattung. Ist eine kirchliche Beisetzung geplant, sollte möglichst früh ein Pfarrer hinzugezogen werden.

Die Kosten einer Bestattung

Die Wahl eines Bestattungsunternehmens sollte nicht überstürzt erfolgen. Es ist sinnvoll, sich von mehreren Bestattern ein Angebot machen zu lassen. Die Kosten für eine Bestattung können nämlich stark variieren. Sie hängen zum einen davon ab, welche Art der Bestattung gewählt und wie aufwendig die Beisetzung gestaltet wird. So kostet eine anonyme Feuerbestattung deutlich weniger als eine Beisetzung in einem prunkvollen Sarg mit großer Trauerfeier. Zum anderen unterscheiden sich die Preise aber auch je nach Region und Anbieter. Einige Menschen entscheiden bereits zu Lebzeiten, wie sie einmal beigesetzt werden möchten und treffen auch finanzielle Vorsorge dafür.

Auch eine anschließende Bewirtung der Trauergäste sollte finanziell mit eingeplant werden. Bei einer Erdbestattung mit Trauerfeier sollten Angehörige mit mindestens 2.000 Euro rechnen. Online-Portale für Bestattungen können beim Preisvergleich und der Suche nach einem Bestattungsunternehmen helfen.

Alternativen zum Friedhof

Neben der klassischen Beisetzung auf dem Friedhof werden heute auch andere Bestattungsarten angeboten. Gemeinsam ist ihnen, dass ihnen eine Einäscherung des Verstorbenen vorausgeht. Seebestattungen werden sowohl in der Nordsee als auch in der Ostsee durchgeführt, auf Wunsch aber auch im Mittelmeer oder in einem Ozean. Bei einer Seebestattung wird die Urne mit der Asche des Toten mit einem Schiff aufs Meer gefahren und dort versenkt. Je nach Wunsch ist dies entweder in aller Stille oder mit einer Feier und Trauergesellschaft an Bord möglich. In der Regel erhalten die Hinterbliebenen nach der Bestattung einen Logbuchauszug und die Koordinaten des Bestattungsortes. Viele Reedereien bieten regelmäßige Gedächtnisfahrten an.

Aus der Schweiz kommt der Trend der Waldbestattung. Die Betreiber Friedwald® und RuheForst® unterhalten in Deutschland inzwischen mehr als 20 Wälder, in denen die Urnen in einem sogenannten Baumgrab beigesetzt werden. Der Ort bleibt natürlich und schlicht. Lediglich ein Namensschild am Baum weist später noch auf die Grabstätte hin. Sie wird nach der Bestattung der Natur überlassen. Eine spätere Grabpflege ist nicht erlaubt. Die meisten Wälder befinden sich in Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg. Dünner ist die Verteilung in Bayern und den Neuen Bundesländern. In Sachsen und Thüringen gibt es bislang keine Bestattungswälder.

Bei einer Luftbestattung wird die Asche von einem Flugzeug aus verstreut. Das ist allerdings nicht in Deutschland möglich, kann aber in Frankreich oder in Tschechien organisiert werden.

Zu den ausgefallensten Bestattungsarten gehören die Weltraumbestattung und die Diamantbestattung. In beiden Fällen wird nur ein sehr kleiner Teil der Asche des Verstorbenen verwendet. Bei der Weltraumbestattung wird eine damit befüllte Kapsel mit einer Rakete ins All befördert, was meist von den USA aus erfolgt. Bei der Diamantbestattung wird ein Teil der Asche unter Hitze und hohem Druck über Monate hinweg in einen Diamanten verpresst. Auch die Diamantbestattung ist in Deutschland nicht zugelassen, kann aber unter anderem in der Schweiz und den Niederlanden durchgeführt werden. Bei beiden Bestattungsarten fallen Kosten in vier- bis fünfstelliger Höhe an. Hinzukommen die Kosten für eine Urnenbeisetzung, weil der größte Teil der Asche ja auch noch beigesetzt werden muss.

:: Der digitale Nachlass ::

Wenn ein Mensch gestorben ist, müssen sich die Hinterbliebenen um seinen Nachlass kümmern. Dazu gehören neben Hausrat, Geld, Wertsachen oder Verträgen auch Daten und Spuren im Internet: in Social-Media-Netzwerken oder auf virtuellen Online-Festplatten.

Zu Lebzeiten Vorkehrungen treffen

Für Hinterbliebene ist es immer einfacher, wenn der Verstorbene schon zu Lebzeiten bestimmt hat, was mit seinem Nachlass passieren soll - auch mit dem digitalen. Wer dem Ehepartner oder einem anderen Nahestehenden aus der Familie oder dem Freundeskreis seine Zugangsdaten anvertraut, macht es den Hinterbliebenen leichter, nach dem Tod Accounts zu löschen und über das Internet geschlossene Verträge wieder zu kündigen. Das setzt natürlich Vertrauen voraus.

Es gibt auch Dienste im Internet, die diese persönlichen Daten verwalten. Das garantiert zwar die von manchem gewünschte Anonymität, doch weiß man gleichzeitig nicht genau, wo sich die eigenen Zugangsdaten befinden und ob nicht doch trotz aller Verschlüsselung irgendjemand darauf zugreifen kann. In Tests haben sich solche Dienste jedenfalls nicht immer als unknackbar erwiesen. Alternativ dazu lassen sich die Zugangsdaten bei einem Notar oder Anwalt hinterlegen. Dort bietet es sich an, ein Testament zu machen, in dem auch der Umgang mit dem digitalen Nachlass geregelt wird.

Einen Überblick verschaffen

Weil bislang nur wenige zu Lebzeiten die nötigen Vorkehrungen zum Umgang mit dem digitalen Nachlass treffen, müssen meist die Hinterbliebenen aktiv werden. Schließlich geht es auch um Daten, die Rückschlüsse auf Verträge und Konten zulassen, letztlich also Vermögensfragen. Hinweise dazu werden vor allem in E-Mails zu finden sein. Möglicherweise gibt es auf dem Computer aber auch Ordner, die Vertragskopien oder Schriftwechsel enthalten.

Anhand dieser Anhaltspunkte sollte eine Liste der Anbieter erstellt werden, mit denen der Verstorbene vertragliche Beziehungen pflegte. Dabei sind Prioritäten zu setzen: Banken, Energieversorger oder Telekommunikationsunternehmen sollten schnell über den Tod informiert werden, damit keine nachträglichen Forderungen entstehen.

Darüber hinaus sollte die Suche auf dem Computer in zwei weitere Richtungen zielen:Nnach Social-Media-Accounts, die geschlossen werden sollen und nach Bildern, Filmen, Texten und anderen Dateien, die für die Hinterbliebenen von Bedeutung sein können.

Spuren im Netz

Solange Accounts in Social-Media-Netzwerken nicht gelöscht werden, lebt der Verstorbene in der Netzgemeinde weiter. Im Umgang mit dem Tod eines Nutzers haben die Social-Media-Plattformen unterschiedliche Vorgehensweisen:

Facebook als größter Anbieter bietet Hinterbliebenen neben dem Löschen des Nutzerkontos auch noch eine weitere Möglichkeit an: den Gedenkzustand. In diesen Zustand versetzt, wird die Facebook-Seite des Verstorbenen zu einem digitalen Kondolenzbuch, in dem nur bestätigte Freunde und Familienmitglieder Einträge hinterlassen können. Andere Personen haben keinen Zugang. Das Löschen des Nutzerkontos und das Aktivieren des Gedenkzustands geht relativ einfach . Alle Möglichkeiten hat Facebook recht gut und in Deutsch auf seinen Informationsseiten beschrieben.

Google betreibt mehrere Dienste, darunter das Facebook-Pendant Google+, die Videoplattform Youtube oder den E-Mail-Dienst Google Mail. Über die zentrale Verwaltung sämtlicher Dienste, das Google Dashboard, lassen sich alle Nutzerkonten, die über dieselbe E-Mail-Adresse laufen, auf einmal löschen. Auch dazu sind die Zugangsdaten notwendig.

Wer keine Zugangsdaten hat, muss sich direkt an Facebook, Google oder den Mikroblogging-Dienst Twitter wenden. In der Regel wird von den Hinterbliebenen neben der Sterbeurkunde auch die Kopie einer Todesanzeige sowie eine glaubwürdige Legitimation verlangt. Dabei können Kosten anfallen, zum Beispiel für beglaubigte Übersetzungen ins Englische.

Einen etwas anderen Weg gehen die Business-Netzwerke Xing und Linkedin. Bei Xing wird das Nutzerkonto eines Mitglieds deaktiviert, wenn andere Mitglieder seinen Tod gemeldet haben. Nach drei Monaten wird der Account dann endgültig gelöscht. Bei Linkedin können Hinterbliebene oder andere Nutzer ein in Englisch abgefasstes Formular herunterladen, das Fragen zum Tod des Nutzers enthält. Dieses Formular wird dann ausgefüllt über die Service-Seite wieder an Linkedin gemailt oder gefaxt.

Welche Dateien sichern?

Natürlich ist auch die Frage zu stellen, wie mit den übrigen Daten auf der Computerfestplatte des Verstorbenen umgegangen wird. Vielleicht hat der Tote Fotos, Videos oder Texte hinterlassen, die für die Angehörigen einen ideellen Wert haben. Auch andererdigitale Geräte sind nicht zu vergessen, vor allem Foto- und Videokameras, Mobiltelefone, Recorder.

Entscheidungen sind auch darüber zu treffen, wie verschlüsselte Dateien oder Ordner behandelt werden sollen. Die Hinterbliebenen können dann entweder den Willen des Toten respektieren und die verschlüsselten Daten ignorieren oder löschen. Oder sie versuchen, das Passwort zu finden, was mit einem erheblichen Aufwand verbunden sein kann, von dem man vorher nicht weiß, ob er sich lohnt.

Wer macht's?

Hinweise auf Verträge, Social-Media-Netzwerke und andere Online-Dienste im Computer des Verstorbenen zu suchen, kostet Zeit. Trotzdem sollte der Computer wenigstens so analysiert werden, dass rechtliche Belange schnell geklärt werden können, bei denen Fristen zu beachten sind. Für die Suche von Fotos, Video und weiteren Datenist dann immer noch Zeit. Wer macht das alles? Hier müssen sich die Hinterblieben verständigen. In Internet lassen sich auch Anbieter finden, die gegen Geld das Auswerten von Computerdaten übernehmen.

Ob privat oder kommerziell: Am Ende sollte die Festplatte so gelöscht werden, dass sich keine Daten mehr wiederherstellen lassen.