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Herbert Ahrens demonstriert seiner Auftraggeberin, wie er den Spiegel montiert hat„Was liegt denn heute an?“ Mit klaren Augen und einem freundlichen Lächeln begrüßt Herbert Ahrens vom Handwerkerdienst „Senioren helfen Senioren“ seine Auftraggeberin. Ingrid Göttsche möchte einen Schminkspiegel montiert haben. Für den 69-jährigen Ahrens kein Problem. Mit 21 ist er bei Bosch in die Lehre gegangen und hat bis zu seiner Pensionierung 1998 so ziemlich alles gemacht, was es an praktischer Arbeit in dem Unternehmen zu tun gab. „Wahrscheinlich sterbe ich irgendwann mit der Bohrmaschine in der Hand“, sagt der fitte Pensionär. Zum alten Eisen will er sich jedenfalls nicht zählen. „Ich bin Handwerker und ich möchte helfen.“ Noch bis vor kurzem hat er beim TUS Wettbergen Handball gespielt. Bis heute ist er im Vereinsvorstand aktiv. Nach seiner Pensionierung reichte ihm der Sport allein aber nicht. Deshalb sah er sich nach neuen Aufgaben um.

Handwerklich geschickte Rentner leisten ehrenamtlich Hilfe

Den Handwerkerdienst „Senioren helfen Senioren“ hat Ahrens von dessen Anfängen 2004 an miterlebt.  Hier helfen handwerklich geschickte Rentner ehrenamtlich und leisten hilfebedürftigen Senioren eine Art Nachbarschaftshilfe bei kleinen Arbeiten in Haus und Wohnung.  In Konkurrenz zu Handwerksunternehmen sieht sich der Seniorenservice nicht. Die Einsätze sind auf maximal zwei Stunden begrenzt. Wer einen Auftrag zu vergeben hat, meldet sich bei der Info-Hotline des Kommunalen Seniorenservice in Hannover. Die Mitarbeiter nehmen den Auftrag entgegen und leiten die Anfrage direkt an den Handwerkerservice weiter. Von da an kümmern sich ausschließlich Ehrenamtliche um Organisation und Einsatz.

“Mal klemmt eine Schranktür, dann müssen Gardinen aufgehängt werden oder im Badezimmer fehlt ein Haltegriff.“, sagt Herbert Ahrens. „Es sind alles Dinge, die zum täglichen Leben dazugehören – für einen jungen Menschen, für einen gesunden Menschen“. Für seine Auftraggeber – häufig Witwen – sind diese Dinge aber häufig unlösbare Aufgaben.

Ahrens und seine ehrenamtlichen Kollegen erledigen diese Arbeiten schnell und gern. „Wichtig ist, dass das Ziel erreicht wird“, sagt der 69-Jährige. So wie bei Ingrid Göttsche. Der Schminkspiegel lässt sich nicht an die Wand schrauben, weil hinter den Fliesen Hohlräume sind. Ahrens improvisiert und befestigt die Halterung kurzerhand am Spiegelschrank. Die Aufgabe ist schnell erledigt, der Spiegel hängt nicht nur fest, sondern ist auch optimal erreichbar. Die Einsatzpauschale für den Handwerkerservice beträgt fünf Euro. Eine Summe, die Ingrid Göttsche gern bezahlt. Sie wohnt seit 43 Jahren im Stadtteil Wettbergen. Ihre drei Töchter leben mit ihren Familien weit entfernt, doch sie hat viele Freunde und Bekannte in der Nachbarschaft. Aber sie will nicht immer die gleichen Leute um Hilfe bitten. Vom Handwerkerservice hat sie von Bekannten erfahren und ist mit dem Einsatz vollauf zufrieden.

Nach getaner Arbeit gibt es noch ein bisschen Papierkram

Nach getaner Arbeit gibt es noch ein bisschen Papierkram.

Zwischendrin bleibt immer noch Zeit für einen kurzen Klönschnack. Eine soziale Komponente, die nicht unwichtig ist. Denn die ehrenamtlichen Mitarbeiter haben auch immer einen Blick dafür, wie es den Menschen geht. „Ganz schlimm ist für mich“, berichtet Ahrens, „wenn alte Leute am Minimum leben, im Dreck leben oder nichts zu essen haben.“ Fällt den freiwilligen Handwerkern so etwas auf, geben sie eine Meldung an die Stadt, die dann ihrerseits Hilfe anbietet.

“Man sollte mit dem helfen, was man kann”

Bei Frau Göttsche aber, ist alles in bester Ordnung. Zum Schluss trägt ihr Herbert Ahrens noch einen alten Gartenstuhl in den Keller, dann geht es auch schon weiter. „Man sollte mit dem helfen, was man kann“, sagt Ahrens. Rund vier Einsätze übernimmt der 69-Jährige pro Woche, damit ist er gut ausgelastet, denn er hat ja auch sonst noch genug um die Ohren. „Es muss Spaß machen und wir machen es auch, weil wir es gerne machen und weil man dabei natürlich auch etwas zurückbekommt“, berichtet Ahrens. Manchmal sind seine Auftraggeber vor Freude über die Hilfe den Tränen nahe. In diesen Momenten sieht Ahrens, wie wichtig das ist, was er tut. Und erkennt gleichzeitig sein eigenes Glück. „Neulich hab ich mich ins Auto reingesetzt, die Augen zugemacht und gedacht, was geht es dir gut, Herbert – und dann bin ich los gefahren“.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben von Sven Glagow

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