Ein Glücksfall für Familie Winter “Wenn ihr mich braucht, bin ich dabei”
Marion Freundl mit ihrem Sohn Robin

Marion Freundl mit ihrem Sohn Robin

Für Robins Lebenserwartung gibt es keine klare Prognose. Vielleicht hat der 17-Jährige nur noch ein Jahr zu leben, vielleicht sind es aber auch fünf oder sechs, bis der Körper des schwerst behinderten Kindes vor seinen multiplen Erkrankungen kapitulieren wird.
„Früher habe ich diese Gedanken verdrängt – inzwischen setze ich mich aktiv damit auseinander“, sagt seine Mutter Marion Freundl.
Schon im Alter von 11 Jahren hatten die Ärzte ihn fast aufgegeben.  Robin verweigerte plötzlich jegliche Nahrung. Alles, was man ihm gab, erbrach das Kind wieder. Zehn Kilo, erinnert sich Marion Freundl, zeigte die Waage damals nur noch an. Inzwischen wiegt Robin 25 Kilo. Nach zwei lebensrettenden schweren Magen-OPs wird Robin seitdem dauerhaft über eine Magensonde mit Nahrung versorgt.
Fast 30 Lungenentzündungen, so schätzt die 48-Jährige, hat ihr Sohn, der mit einer schweren Hirnfehlbildung geboren wurde, inzwischen überstanden. „Aber Robin ist ein Kämpfer“, sagt sie und Stolz schwingt unüberhörbar in ihrer Stimme mit.

Robin Freundl

Robin Freundl

Seit fast zwei Jahren bekommt Marion Freundl Unterstützung durch den ambulanten Kinderhospizdienst Unna, der in der Stadt am Rande des Ruhrgebiets zur Zeit 26 Familien mit „lebensverkürzend erkrankten“ Kindern betreut. Einmal pro Woche besuchen zwei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen Marion Freundl und bringen etwas mit, was weder Krankenkasse noch das Sozialamt anbieten, geschweige denn bezahlen: Zeit und ein offenes Ohr für diejenige Person, die sonst fast rund um die Uhr mit der Betreuung ihres schwerst behinderten Kindes beschäftigt ist.

Stichworte: , , ,

Dieser Beitrag wurde geschrieben von Stefan Domke

Ein Eintrag zu “Unbezahlbar: Zeit und ein offenes Ohr”

  1. Dr. Dorothea Böhm:

    Wenn ich den bewegenden Beitrag richtig verstehe, so ehren Sie hier nur den ambulanten Kinderhospizdienst, der zwar fraglos eine wertvolle Unterstützung bietet, sich nicht jedoch mit der aufopferungsvollen Arbeit der Mutter Robins (”rund um die Uhr” - wie Sie zutreffend schreiben) vergleichen kann. Sie vor allem gehörte hier geehrt! Und mit ihr die unzähligen fleißigen Mütter und Väter in Vollzeitfamilienarbeit ohne Lohn und Altersversorgung.
    Dorothea Böhm