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Sonne und Adler schmücken die Fassade des historischen Waisenhauses der Franckeschen Stiftungen

Sonne und Adler schmücken die Fassade des historischen Waisenhauses der Franckeschen Stiftungen

Ehrenamt, das ist offenbar ein bisschen wie Schokolade – die macht ja bekanntlich glücklich. Glücklich sind die Ehrenamtlichen, die ich in den Franckeschen Stiftungen in Halle besucht habe. Das liegt am Tun, am Geben; daran, was sie zurückbekommen, und an den Rahmenbedingungen. Doch es gibt auch kritische Faktoren und offene Fragen.

Rund 40 Hallenser engagieren sich in den Franckeschen Stiftungen ehrenamtlich, greifen den rund 120 Mitarbeitern unter die Arme. Sie runden das Kultur- und Bildungsangebot der Stiftungen ab, bringen vor allem im Krokoseum, im Familienkompetenzzentrum und bei den Führungen ganz spezielle Fähig- und Fertigkeiten ein.

Die Herumführer bekommen eine kleine Entschädigung und sind in die Stiftungsarbeit eingebunden. Die Buchfrauen können ein eigenes Projekt auf die Beine stellen, haben einen Raum gefunden und bekommen das Material gestellt. Die Familienpaten, die sehr viel Zeit schenken, bekommen zumindest die Monatskarte für den öffentlichen Verkehr.

Ehrenamt macht glücklich – und zwar beide Seiten
Ausgenutzt fühlen sich die Ehrenamtlichen, die wir in der vergangenen Woche begleitet haben, nicht. Im Gegenteil: Claudia Langosch und die Buchkinderbegründer sprechen von einer Bereicherung – sie haben aber auch klare Grenzen gezogen. Sie geben im bürgerschaftlichen Sinne. Familienpatin Merkeviciene, die die meisten Stunden in ihr Ehrenamt investiert, die findet ihre Aufgabe einfach wunderbar. Sie hat viel zu geben und tut das gern und “ihre” Familie genießt das, und das beste Marmeladenbrot der Welt. Und sie hofft auf eine Stelle im sozialen Bereich, denn das ist ihre Welt.

Glücklichmacher mit Risikofakor
Das Familienpatenprojekt, das von der Universitätsklinik initiiert wurde, ist ein großartiges Projekt, wenn es sich an “normale” Familien wendet. Denn vom Rückhalt der Großfamilie können in den großen Städten viele nur noch träumen. Außerdem bröseln gerade in ostdeutschen Großstädten die Nachbarschaften auseinander.

Und doch warnen bei diesem Projekt Experten vor drei Problemen: Einer möglichen Gefährdung der Familie und einer Gefährdung der Paten. Allerdings gibt es in den Franckeschen Stiftungen Möglichkeiten zur Rücksprache, Probleme können so leichter gelöst werden. Beim Familienpatenprojekt Landesregierung Sachsen-Anhalts – nicht dem der Franckeschen Stiftungen, fürchten sie außerdem den versteckten Versuch, bei Profis wie Sozialarbeitern oder Familienhebammen zu sparen.

Es sind vor allem Frauen, die im Krokoseum und dem Familienzentrum ehrenamtlich Werte weitergeben. Es sind die Frauen, die versuchen, Kinder aufzufangen. Deshalb wünscht sich Krokoseum-Chefin Susanna Kovasc mehr Männer. Die könnten ihren Jungs ordentlich Paroli bieten.

Am Ende dieser Woche stellen sich viele Fragen. Um nur zwei zu nennen: Warum muss eine Frau wie Bärbel Merkeviciene ihre Kompetenzen verschenken? Und: Warum fehlen hier die Männer?

Jungs, wo seid Ihr? Meldet Euch im Krokoseum.

Am Ende der Woche möchte ich den Ehrenamtlichen danken – für ihre Offenheit und für ihre Arbeit. Ich möchte auch auf die aufmerksam machen, die “inoffiziell” ehrenamtlich tätig sind, zum Beispiel Netzwerke gründen und pflegen, oder die einfach ihren Nachbarn helfen. Danke. Und ich möchte auf die vielen Frauen und Männer hinweisen, die alles dafür tun, dass in ihren Familien nichts aus dem Ruder läuft. Auf die, die sich um gesunde, behinderte und kranke Kinder kümmern, Eltern pflegen und vielleicht noch arbeiten gehen. Danke. Und die, die mal aufs Nachbarkind aufpassen, wenn Mama und Papa arbeiten müssen. Danke.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben von Anja Neubert

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